zur Navigation springen

Tourismus : Nach Husum kommen nicht die Flaniergäste

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Stadt am Weltnaturerbe Wattenmeer wird von Kultur- und Naturreisenden bevorzugt. Qualität der Unterkünfte und Barrierefreiheit sind immer wieder Themen für die Touristiker.

von
erstellt am 18.Apr.2017 | 13:00 Uhr

Eigentlich ist jeder Husumer ein Touristiker. „Wird ein Gast unfreundlich behandelt, fällt dies unter schlechten Service, und dann bleibt die ganze Urlaubsregion nicht nur in guter Erinnerung. Also ruhig mal jemanden ansprechen, der ratlos ausschaut und offensichtlich die Kompetenz eines Ortskundigen benötigt“, findet Jutta Albert. Doch die Geschäftsführerin der Tourismus- und Stadtmarketing Husum GmbH (TSMH) darf mit den Bürgern als Gastgeber im Großen und Ganzen zufrieden sein – Husumerinnen und Husumer seien freundlich und offen. Was sich bezahlt macht: Das erste Quartal sei mit 20.000 Übernachtungsbuchungen „sehr gut angelaufen. Das sind neun Prozent mehr als im Vorjahr“. Und: „Das Krokusblütenfest läuft besser als Ostern.“

Husum sei „kein klassisches Städtereiseziel“ – es gehe immer um Nordseeurlauber, „und die kommen in der warmen Jahreszeit“. 85 Prozent aller Aufenthalte finden ohne Übernachtung statt. „Wir haben einen hohen Bekanntheitsgrad durch unser historisches Stadtbild, das Schloss, den Hafen, die deutsch-dänische Geschichte und das Weltnaturerbe Wattenmeer. So sind wir für Kultur- und Naturreisende interessant.“

Beim Stichwort „Natur“ hat Jutta Albert nicht nur den Dockkoog im Blick. Sie wünscht sich, dass die gesamte „Wasserkante“ entwickelt wird – dazu gehört auch Schobüll. „Wir sind ein maritimes Land, wir leben vom Meer, erst einmal wird die Nordsee wahrgenommen – mit diesem Pfund müssen wir wuchern. Das Geld liegt am Wasser.“ Eine „deutliche Aufwertung“ des Dockkoogs müsse deshalb sein – angefangen bei Deichaufgängen, Parkplätzen, Angeboten für Kinder, der Gastronomie, einer Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr, einem besseren Radweg und der Beleuchtung.

Wichtig ist ihr bei der Dockkoog-Diskussion, dass abgewogen wird zwischen den Anliegen der Bürger und der Touristen, und dass es zu keinen Null-Acht-Fünfzehn-Lösungen kommt: „Wir müssen uns von anderen abheben. Aber wir haben nicht den typischen Flaniergast wie in Büsum, wo eine Kurabgabe verlangt wird, und müssen mehr nachdenken als Orte an Sandstränden.“

Jutta Albert hofft, dass neben dem ökonomischen Nutzen auch die Qualität und die Frage, welches nachhaltige Konzept überhaupt realisiert werden soll, im Fokus stehen werden. Sie kann sich beispielsweise einen hochwertigen Camping- und Wohnmobilistenplatz nach den Umwelt- und Naturschutzprinzipien des Vereins Eco-Camping vorstellen, dazu Angebote für bestimmte Zielgruppen, wie Ornithologen und Radfahrer.

Und dann fehlt noch die Gründung einer Lokalen Tourismus-Organisation (LTO) für die Stadt Husum, die Ämter Südtondern und Mittleres Nordfriesland und für große Teile des Amtes Nordsee-Treene. Mit der Suche nach einer Rechtsform ist Husums Bürgermeister Uwe Schmitz befasst. An eine LTO sind in Zukunft die Fördermöglichkeiten des Landes gebunden.

In Nordfrieslands Kreisstadt blieben die Gäste, die spontan und per Internet nach einem Blick auf die Wetterkarte buchen würden, oft zwei bis drei Tage. Jutta Albert: „Doch auch viele, die zum ersten Mal an die Westküste reisen, wählen Husum als Standort aus, um von hier die Region zu erkunden.“ In der Tourist-Info im Alten Rathaus muss ihr Team deshalb nicht nur Fragen zu Ausflugstipps für die Storm-Stadt, sondern auch für ganz Nordfriesland, das südliche Dänemark und Schleswig-Holstein beantworten.

Ehrenamtlich hat Jutta Albert auch die Geschäftsführung des Tourismusvereins Husumer Bucht übernommen, der jetzt seit 45 Jahren besteht. In der Region gibt es rund 1700 Betten. Zu den 38 gewerblichen Betrieben – „diese Zahl ist stabil“ –, gehören 13 Hotels, die Husumer Jugendherberge, drei Campingplätze und eine Adresse für Wohnmobilisten. Der Rest sind Ferienwohnungen. „Gewerblich fängt bei uns bei mehr als zehn Betten an. Bei der Vermittlung sind aber auch rund 400 private Vermieter auf uns angewiesen. Die Zusammenarbeit an der Westküste läuft supergut, wir besorgen auch Unterkünfte im weiteren Umland.“

Ein Dauerthema zwischen den Fachleuten der TSMH und den Vermietern ist die Qualität der Unterkünfte. „Wir schauen uns vorher die Angebote an und haben unsere Sterne-Qualifizierung. Wir motivieren natürlich auch zu Verbesserungen“, sagt Albert. „Das Preis-Leistungs-Verhältnis muss stimmen – nicht nur bei Vier-Sterne-Angeboten, von denen wir generell viele haben.“

Sie wies darauf hin, dass Gäste durch digitale Medien – „wir bedienen ebenfalls die sozialen Netzwerke“ – andere Vergleichsmöglichkeiten hätten und Lob und Kritik transparent seien. „Unser Internetauftritt ist auf allen Smartphones lesbar – aber ein Gastgeberverzeichnis haben wir auch noch. Viele informieren sich zwar vor ihrem Urlaub im Internet, kommen aber zu uns, da sie ein Stück Papier in der Hand halten und die menschliche Begegnung nicht missen möchten.“ Die TSMH-Geschäftsführerin unterstreicht in diesem Zusammenhang mit Verweis auf den demografischen Wandel: „Unsere Zielgruppe sind nicht vorwiegend junge Menschen, sondern die Jahrgänge 60 Jahre und älter. Riesenthema ist deshalb die Barrierefreiheit.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen