Zoff in Husums CDU : Nach drei Jahren gibt Jan Sörensen auf

Rathaus ade: Jan Sörensen hat sich aus der aktiven Politik zurückgezogen.
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Rathaus ade: Jan Sörensen hat sich aus der aktiven Politik zurückgezogen.

Der frühere Husumer CDU-Ortsverbandsvorsitzende Jan Sörensen hat alle politischen Ämter niedergelegt. Als Grund führt er Differenzen mit dem Fraktions-Chef an. Ein Nachfolger ist noch nicht gefunden.

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28. Juli 2015, 09:30 Uhr

Sein politischer Werdegang war schon irgendwie ungewöhnlich. Als neuer Ortsverbandsvorsitzender der FDP in Husum in Stellung gebracht, strich Jan Sörensen (54) bereits nach wenigen Wochen die Segel. Unüberbrückbare Differenzen mit dem sozial-liberalen Urgestein Siegfried Schulze-Kölln, in dessen Fußstapfen er treten sollte, ließen ihm ein Ende mit Schrecken offenbar ratsamer erscheinen als einen Schrecken ohne Ende. Wie dem auch war: Am Ende dürften beide erleichtert gewesen sein.

Dann wurde es ruhig um den Versicherungskaufmann mit politischen Ambitionen. Aber nur kurz, denn ein paar Monate später war er wieder da – zum Christdemokraten mutiert. Die CDU – stets um Nachwuchs bemüht, auch wenn der schon nicht mehr ganz taufrisch ist – machte Sörensen gern zu einem der Ihren. Sein Aufstieg – gigantisch. Statt eines Klackses FDP gab es den vollen Schlag CDU und den Ortsverbandsvorsitz obendrauf. So lange er sich dem wachsamen Blick der Christdemokraten hatte entziehen können, so unaufhaltsam erklomm Sörensen nun Stufe um Stufe der parteieigenen Karriereleiter.

Fast auf den Tag genau drei Jahre lang saß der Senator für die CDU-Fraktion in der Stadtvertretung, hatte Sitz und Stimme im Hauptausschuss sowie im Finanz- und Wirtschaftsausschuss. Außerdem war er dritter Vertreter der Partei im Umwelt- und Planungsausschuss. Eine feste Größe also. Doch dann der Schock. Sprichwörtlich aus heiterem Himmel zog sich Sörensen aus der Parteipolitik zurück, legte alle Ämter nieder – auch den Ortsvorsitz. Was war passiert? Berechtigte Frage, aber das berechtigt noch lange nicht zu einer ehrlichen Antwort. Fraktions-Chef Christian Czock ist auf Anfrage um eine offizielle Sprachregelung bemüht. Das klingt dann so: „Wir planen ohne ihn weiter.“ Aha, es gibt also einen Plan! Aber wie der aussieht, sagt Czock nicht. Turnusmäßig stünden im März Wahlen an, lässt er sich noch entlocken. Bis dahin führten Lars Blaschke und er den Ortsverband kommissarisch. Außerdem werde natürlich schon nach geeigneten Nachfolgern gesucht. Und dann wird Czock doch noch persönlich: „Ich finde es schade, dass Jan nicht mehr mitmacht. Wir haben gut zusammengearbeitet und inhaltlich viel bewegt.“

Da ist aus politischen Kreisen anderes zu vernehmen. Danach soll sich Sörensen vor allem mit dem Fraktions-Chef zuletzt nicht mehr gut verstanden haben. Und auch die Art seines Rücktritts legt die Vermutung nahe, dass der politische Karren schon arg gerumpelt haben muss. Sörensen selbst kam jedenfalls nicht, um die traurige Botschaft zu überbringen. Das überließ er Christian Czock. „So haben wir am Rande einer Fraktionssitzung erfahren, dass Jan nicht mehr dabei ist“, erklärt ein Parteimitglied, das seine Verwunderung über dieses Vorgehen nur mühsam unterdrücken kann. Und auch die Vertreter der anderen Fraktionen erfuhren von der Sache nur aus einem dürren Schreiben der Verwaltung.

Und Sörensen selbst: Der will keine „schmutzige Wäsche waschen“. Aber dann sagt er doch etwas: Christian Czocks und seine Auffassung von Fraktionsarbeit seien doch recht verschieden gewesen. „Er meint, er macht gute Arbeit, aber ich bin nicht dieser Auffassung.“ Das beginne schon damit, dass ein Fraktions-Chef vor Ort sein müsse, kritisiert Sörensen. Das aber sei bei Czock viel zu selten der Fall. Und durch die Reihen der Fraktion zu marschieren, um Kollegen zu fragen, ob sie nicht für jemand anderen Platz machen wollen, „das geht gar nicht“. Außerdem sei das Ganze ja nicht neu. „Mein Vorgänger hatte Ähnliches erlebt“, sagt Sörensen. „Nur, dass Karsten Jahn eine neue Partei gegründet hat. Das mache ich nicht“, verspricht er. „Das ist nicht mein Stil.“ Sörensen will in der CDU bleiben, aber für eine Funktion steht er nicht mehr zur Verfügung: „Da müsste sich in der Fraktion schon einiges ändern.“

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