Stipendiaten des Goethe-Instituts : Nach Deutschland der Sprache wegen

In Storms guter Stube: Dietmar Falk (l.) und Malte Denkert mit Adviti Nagpal und Shoumik Dey.
In Storms guter Stube: Dietmar Falk (l.) und Malte Denkert mit Adviti Nagpal und Shoumik Dey.

40 Stipendiaten des Goethe-Instituts aus Indien, Thailand und Singapur waren zu Besuch in Husum – und wandelten, begleitet von Theodor-Storm-Schülern, auf den Spuren des Dichters.

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12. Juni 2015, 09:00 Uhr

Was ihnen in Norddeutschland am besten gefallen hat? „Das Wetter“, antworten Shoumik Dey und Adviti Nagpal unisono. Beide kommen aus Indien und „da ist es jetzt viel zu heiß: In meiner Heimatstadt Kalkutta sind 43 Grad“, sagt der 15-jährige Dey. Er und die 16-jährige Nagpal aus Neu Delhi gehören zu einer 40-köpfigen Gruppe, die im Rahmen des Stipendiaten-Programms „Schulen: Partner der Zukunft“ (Pasch) unter Federführung des Goethe-Instituts drei Wochen lang die Bundesrepublik besuchen und im Gästehaus des Nordsee-Gymnasiums in St. Peter-Ording untergebracht sind. Jetzt stehen sie in Theodor Storms guter Stube im Storm-Haus in der Wasserreihe und werden mit Werk und Leben des Husumer Dichters vertraut gemacht.

„Das ist unsere dritte und letzte Exkursion“, sagt Dietmar Falk. Der frühere Deutschlehrer und jetzige Mitarbeiter des Goethe-Instituts hat den Aufenthalt der 14 bis 17 Jahre alten Schüler aus Indien, Thailand und Singapur konzipiert, organisiert und betreut ihn auch. „Wir waren schon in Hamburg und haben auch eine Exkursion nach Schleswig und Flensburg mit Abstecher nach Dänemark gemacht“, so der 47-jährige Dortmunder. Zwischendurch standen das Multimar, eine Wattwanderung sowie weitere Aktivitäten in der näheren Umgebung auf dem Programm – und 72 Unterrichtsstunden Deutsch, denn das ist es, worum es bei dieser Reise geht.

„Die Jugendlichen besuchen Pasch-Partnerschulen, in denen der Deutsch-Unterricht von uns besonders gefördert wird, um Begeisterung für die Sprache und das moderne Deutschland zu wecken“, sagt Falk. „Jährlich kommen im Rahmen dieses Programms rund 1000 Schüler aus aller Welt in die Bundesrepublik, um ihre Sprache zu verbessern und Eindrücke zu sammeln. Und es geht nicht nur um die Vermittlung des aktuellen Deutschlandbildes, sondern auch um den interkulturellen Aspekt.“

So hatte Falk die Idee, dass die Jugendlichen aus den fernen Ländern mit Jugendlichen aus Husum durch die Stadt gehen – und durch das Storm-Haus geleitet werden. „Da passte es perfekt, dass seit Anfang des Jahres drei Angehörige der Klasse 10d der Theodor-Storm-Schule am Programm ,Schüler führen Schüler‘ der Storm-Gesellschaft teilnehmen und diese Aufgabe übernehmen konnten“, sagt Dr. Malte Denkert. Der 31-jährige Deutschlehrer spannte sogleich die ganze Klasse ein, so dass insgesamt 65 Jugendliche in vier Gruppen aufgeteilt das frühere Domizil des Dichters besichtigten, auf seinen Spuren durch die Stadt wanderten und – bevor der Zug zurück nach St. Peter-Ording abfuhr – noch gemeinsam ein Eis aßen. „Das Goethe-Institut hatte dazu eingeladen“, so Denkert erfreut.

Die Beweggründe der Jugendlichen, in ihren Heimatländern Deutsch-Kurse zu belegen, sind unterschiedlich. „Ich hatte die Wahl zwischen Deutsch, Französisch und Sanskrit und habe mich für Deutsch entschieden, weil mir die Sprache am einfachsten erschien“, sagt Adviti Nagpal. Ihr Vater habe ein Reisebüro in der indischen Hauptstadt und sei schon häufiger in der Bundesrepublik gewesen. „Ich möchte später in das Geschäft einsteigen und da kommen mir Sprachkenntnisse sehr zugute.“ Shoumik Dey hingegen hat sich fest vorgenommen, hierzulande Luft- und Raumfahrttechnik zu studieren. „Und danach möchte ich möglichst als Ingenieur bei Airbus arbeiten“, sagt der flugzeugbegeisterte junge Inder. Um solche Vorhaben zu fördern, gab es in der Fachhochschule Westküste in Heide eine Informationsveranstaltung zu Studienmöglichkeiten in Deutschland. Damit die 40 Jugendlichen nicht nur kulturelle Eindrücke mitnehmen, wenn sie morgen wieder in ihre Heimatländer zurückfliegen, sondern auch das Wissen um konkrete Möglichkeiten für die Zukunft.

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