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Zu Weihnachten in den Ruhestand : Nach der letzten Tour wartet der Bass

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Mildstedter Postbote Paul-Siegfried Clausen geht am heutigen Heiligabend zum letzten Mal auf Tour durch den Ortsteil Rosendahl. Fast 50 Jahre war er im Dienst. Im Ruhestand wird es ihm aber wohl nicht langweilig: Er spielt Bass in einer Rockband.

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erstellt am 24.Dez.2013 | 09:00 Uhr

Wenn heute in den ersten Häusern schon die Kerzen an den Tannenbäumen brennen, dann endet für Paul-Siegfried Clausen aus Mildstedt nicht nur ein langer Arbeitstag, sondern ein ganzer Lebensabschnitt. Clausen ist in seiner Heimatgemeinde bekannt wie ein bunter Hund, besonders natürlich im Ortsteil Rosendahl. Dort trägt der gebürtige Struckumer schließlich seit Mitte der 1980er Jahre die Post aus. „Und das hat mir eigentlich immer Spaß gemacht“, sagt Clausen, auch wenn es durchaus das eine oder andere unerfreuliche Erlebnis gab – etwa als er von einem Schäferhund so schwer gebissen wurde, dass er vier Wochen lang krank geschrieben werden musste. Aber Angst vor Hunden habe er dennoch nicht, nur Respekt, sagt der 65-Jährige, der eigentlich bereits im Oktober in den Ruhestand hätte gehen können. Doch der Papierkram und die Tatsache, dass seine Kollegen besonders in der Weihnachtszeit extrem viel zu tun haben, ließ Clausen weiterarbeiten. Nun aber ist heute Schluss, die letzten Tage des Jahres werden durch die angesammelten Überstunden abgegolten.

Heute beginnt er wie jeden Morgen in den vergangenen Jahrzehnten um sieben Uhr mit dem Job, um dann die Post für seinen Bezirk zu sortieren. Gegen zehn Uhr startet er zu seiner Tour. „Ob es ein Tag wie immer wird, weiß ich nicht, vielleicht haben die Kollegen ja etwas Besonderes vorbereitet, denn das Miteinander klappt prima“, sagt „Paule“, wie er von vielen seiner Kunden mittlerweile genannt wird.

Begonnen hat alles am
1. April 1964, als der 15-jährige Paul-Siegfried Clausen bei der Post in Bredstedt seine Lehre begann. Bevor er nach Mildstedt kam, arbeitete er auch beim Fahrdienst der Post in Husum und leistete seinen Wehrdienst bei der Marine ab. „Das war eine schöne Zeit, denn ich bin ein Jahr Zerstörer und ein viertel Jahr auf einem Versorger-Schulschiff gefahren.“

Wie viele Tonnen Post er im Laufe seines Berufslebens geschleppt hat, kann Clausen nicht sagen, wohl aber, dass seiner Erfahrung nach die Menge an Post trotz E-Mail nicht abgenommen hat, obwohl es mittlerweile ja auch private Mitbewerber gebe. Besonders auffallend sei, dass die Päckchen- und Paketflut zugenommen habe. „Das liegt wohl an den vielen Bestellungen im Internet“.

Paul-Siegfried Clausen gehört zur alten Garde der Postboten, die gern einen kleinen Schnack halten, auch wenn die Zeit dafür immer weniger wird. Früher hingegen war der Postbote, wie er berichtet, auch eine Art Sozialarbeiter. Er schaute bei älteren Menschen nach dem Rechten, gab Informationen weiter und kümmerte sich sogar um kleinere Besorgungen. So „betreute“ Clausen viele Jahre hindurch ein älteres Ehepaar und brachte ihm täglich eine unterwegs gekaufte Boulevardzeitung vorbei. Zwischenzeitlich wurde auch schon mal eine Gardine aufgehängt oder ein kleiner Einkauf getätigt, „das aber immer in meiner Freizeit“.

Der Postbote werde von vielen Mildstedtern sehnlichst erwartet. „Ich würde heute den Beruf wieder ergreifen, allerdings möglichst unter den früheren Bedingungen. Ich bin nämlich noch Beamter, das ist heute längst nicht mehr üblich.“

Mit vielen guten Wünschen für die Zukunft dürfte Paul-Siegfried Clausen heute von seinen Kunden verabschiedet werden, und bereits gut eine Woche vor dem Fest gab es für den Postboten erste kleine Aufmerksamkeiten. Von der kleinen Leckerei bis hin zu Hochprozentigem oder einem Briefumschlag mit Barem, Postboten auf dem Land erhalten viele kleine Weihnachtspräsente für die von ihnen geleistete Arbeit. Auch wenn es heute das letzte Mal ist, das Clausen auf Tour geht, Angst, dass ihm nun langweilig wird, hat er nicht. Seine Kinder wohnen in Hamburg und in der Nähe von München. Dort leben auch zwei Enkelkinder, die ohnehin in jüngster Zeit immer das Ziel der Reisen von ihm und seiner Frau sind. Einen Wunsch will er sich aber mit seiner Frau erfüllen, es soll einmal auf Kreuzfahrt gehen.

Und neben der Familie hat der Postbote aus Mildstedt noch ein ganz großes Hobby: Musik. Die Interpreten seiner Lieblingssongs haben alle Musikgeschichte geschrieben. Angefangen bei Led Zeppelin über Deep Purple, Black Sabbath, AC/DC, The Who, Rolling Stones, Roxy Music, Abba, Neil Diamond, Elton John, Queen, Fleetwood Mac bis hin zu Eric Burdon und Joe Cocker. Heute spielt er selbst in einer Rockband Bass. Zum Repertoire gehören durchaus auch Titel der oben genannten Musiker. Bevor er vor zehn Jahren bei der Kieler Band „SevenT’s“ einstieg, war er fast 40 Jahre lang mit den „Loredos“ auf Tour. Diese Tanzkapelle war in der ganzen Region bekannt. Nun allerdings tourt er mit der Kieler Rockband, bis zu 30 Auftritte sind es im ganzen Land, vorwiegend allerdings in den Sommermonaten an der Ostseeküste, wenn in den Seebädern Festivals stattfinden.

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