zur Navigation springen

Handball-Europameisterschaft : Nach dem Sieg bebte die Halle

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Schon das Halbfinale hatten sich die Jugend-Mannschaften des TSV Mildstedt gemeinsam angeschaut. Am Sonntag trafen sie sich abermals im Clubraum des Vereins und bejubelten den Finalsieg der deutschen Handballer.

von
erstellt am 01.Feb.2016 | 11:30 Uhr

Der Jubel im Clubraum der Mildau-Halle ist gigantisch und wahrscheinlich noch im benachbarten Rantrum zu hören. Einige können es noch immer nicht fassen. Junge Frauen und Männer fallen sich in die Arme, andere sitzen ruhig da, als warteten sie darauf, dass jemand kommt, sie kneift und sagt: „Ja, es ist wahr.“ Ja, es ist wahr! Seit 19.07 Uhr gibt es keinen Zweifel mehr: Die junge deutsche Handball-Nationalmannschaft hat es geschafft – sie ist Europameister und hat damit zugleich das direkte Ticket für die Olympischen Sommerspiele in Brasilien gezogen.

Bereits am Freitag hatten sich die Jugend-Mannschaften der TSV Mildstedt im Clubraum der Halle versammelt, um ihr Team auf einer Welle der Begeisterung ins Finale zu tragen. Mit Erfolg. Aber ob es gelingen würde, ausgerechnet dort die routinierten Spanier zu bezwingen, das einzige Team, gegen das die Deutschen im laufenden Turnier verloren hatten, daran gab es doch berechtigte Zweifel.

„In dieser Mannschaft gibt es keine Stars, auf die wir unsere Hoffnungen hätten gründen können“, hatte Ralf Albertsen, stellvertretender Vorsitzender des Vereins, noch vor dem Halbfinale gesagt. Doch am Ende vertraute auch er der „Rasselbande“, die sich von Spiel zu Spiel gesteigert hatte und ausgerechnet im Finale so deutlich davonzog – das Spiel endete 24:17 –, dass es eine „wahre Freude war.“

Torwart Tim Jonas Ehlert begeistert sich vor allem für seinen Kollegen Andreas Wolff: „Was der da wieder für Paraden gezeigt hat – das war absolute Weltklasse.“ Auch Torsten Johannsen, Trainer der Handballerinnen im TSV Mildstedt, ist aus dem Häuschen: „Der Team- und Kampfgeist unserer Mannschaft war der Schlüssel zu diesem großartigen Erfolg, dem hoffentlich noch viele weitere folgen werden“, sagt er. Für Kreisläufer Yannek Röhe stand nicht erst mit dem Einzug ins Finale fest, dass die Deutschen bei diesem Turnier Großes leisten würden. „Aber mit einem so klaren Erfolg gegen die Spanier habe ich wirklich nicht gerechnet“, frohlockte der junge Mann nach dem Abpfiff. Das sieht auch Albertsen so: „Natürlich habe ich gehofft, dass unsere Jungs jetzt auch noch das Endspiel gewinnen. Aber dass es eine so klare Sache wird, konnte wohl niemand ahnen.“

Tjure Harring-Petersen will die Euphorie nicht dämpfen: „Die Mannschaftsleistungen waren über das gesamte Turnier fantastisch. Aber für mich wären die Jungs auch dann Gewinner gewesen, wenn sie das Finale verloren hätten“, sagt der gelernte Mittelläufer. „Sie sind als Außenseiter mit wenig Chancen in diese EM gestartet und haben sich bis an die Spitze gekämpft. „Das verdient allergrößten Respekt und Anerkennung“, bringt es Harring-Petersen auf den Punkt und jubelt weiter.

Yvonne Ploog ist Vorsitzende der Spielgemeinschaft (SG) Husum-Schobüll-Nordstrand, die 2013 gegründet wurde. Den Vereinen fehlte es an Nachwuchs, deshalb hatten sich bereits 1992 der TSV Husum 1875 und der SV Schobüll zusammengetan. Jetzt kamen dann noch die Nordstrander Handballer hinzu. Ob der Erfolg der deutschen Nationalmannschaft bei der Europa-Meisterschaft in Polen auch dem Breitensport Anschub verleiht?

Schleswig-Holstein ist eine Hochburg des Handballs – mit gleich zwei Top-Mannschaften in der ersten Liga. Gibt es dennoch Nachwuchssorgen?
Oh ja, die Handballvereine haben große Nachwuchssorgen, Mini-, E- und D-Jugendbereich sind meistens noch ganz gut besucht, doch ab der C-Jugend haben wir doch ganz schön zu kämpfen.

Ist das auf den allgemeinen Trend zurückzuführen, dass sich junge Leute – nicht zuletzt aufgrund des wachsenden Drucks am Arbeitsmarkt – vom Mannschaftssport zurückziehen und lieber individuelle Angebote nutzen?
Ja ,das sehen wir leider sehr häufig. Durch die langen Schulzeiten haben wir oft Schwierigkeiten, Trainings anzubieten. Man kann ja einen Jugendlichen, der zwischen zwölf und 15 Jahre alt ist, schlecht bis 20 Uhr oder gar 21 Uhr trainieren lassen. Und durch die Verschiebungen in den Hallenzeiten werden natürlich auch die immer knapper. Es haben ja alle Team-Sportarten dieselben Probleme. Viele Jugendliche gehen nach der Schule in eine größere Stadt zum Studieren oder um dort eine Ausbildung zu absolvieren.
Das ist ein weiteres Problem.

Erhoffen Sie sich vom Erfolg der jungen deutschen Nationalmannschaft, aber vor allem von der Art und Weise wie sie bei dieser Europameisterschaft aufgetreten ist, einen Schub für die gesamte Sportart?
Schön wäre es, aber zurzeit kann man diesbezüglich noch keine Prognose wagen, auch wenn unsere Nationalmannschaft ein phänomenales Turnier gespielt hat. Aber auch nach dem letzten großen Erfolg der Nationalmannschaft (Gewinn der Weltmeisterschaft 2007, Anm. d. Red.) konnte man leider keinen echten Zuwachs verspüren. Selbst durch Grundschulprojekte, die der Handballverband Schleswig-Holstein initiiert hat, und die auch wir tatkräftig unterstützt haben, konnten wir nur wenige neue Mitglieder im Handball gewinnen.

Also noch ist kein Boris-Becker-Effekt erkennbar, entfaltet die Welle der Begeisterung noch keine Breitenwirkung wie seinerzeit beim Tennis?
Nein, leider nicht.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen