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Per Trecker von Langenhorn an Europas Nordspitze : Nach dem Nordkap kam das Fernweh

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Vor knapp einem Jahr sind „Trecker-Willi“ Langner und der Langenhorner Günther Ingwersen zum Nordkap aufgebrochen. Zurück ging es jeweils getrennt.

Die Vorzeichen waren gut. Es schien so, als ob mit dem Start zum Nordkap zugleich eine gute Männer-Freundschaft zwischen zwei Treckerfreunden besiegelt werden könnte. Doch nach 55 Tagen und 8000 Kilometern kam der ehemalige Landwirt Günther Ingwersen aus Langenhorn zu dem Fazit: „Ein Kumpel war er nicht. Aber ich wünsche ihm für seinen geplanten Trip nach Argentinien alles Gute.“

Von vorn: Vor knapp einem Jahr machte sich der 79-jährige Winfried Langner aus Lauenförde an der Weser mit seinem 54 Jahre alten Deutz-Schlepper auf den Weg zum Nordkap. Seinen Spitznamen „Trecker-Willi“ hatte er bereits – sorgte er doch durch seine Europa-Reisen mit dem Oldtimer mehrfach für Furore, zuvor war er auf der Insel Mallorca unterwegs gewesen. Auf der Tour gen Norden machte er auf Einladung des Treckerfreundes Ingwersen Zwischenstation in Langenhorn. Der 78-Jährige wollte den abenteuerlustigen Mann aus Westfalen kennenlernen. Er zeigte ihm seine Heimat und bald fassten beide den Entschluss: „Wir packen das gemeinsam.“

Ingwersen machte sein Fendt-Dieselross aus dem Jahre 1954 nebst Wohnwagen startklar, und los ging es am 7. Mai des vergangenen Jahres über Dänemark, Norwegen und zurück über Schweden – wobei die beiden da schon auf getrennten Wegen antraten. Wie vereinbart, fuhr der Nordfriese seinem Kompagnon hinterher, denn der stand einmal mehr im Mittelpunkt von Kamerateams und Reportern. „Ich wollte Land und Leute kennenlernen. Wegen meiner guten Englischkenntnisse sprang ich oft als Dolmetscher ein“, sagt Ingwersen. Anfangs lief auch alles gut. Sie verstanden sich, die beiden Freunde alter Schlepper. Mit durchschnittlich 17 Stundenkilometern tuckerten sie kontinuierlich ihrem Ziel entgegen. Täglich bewältigten sie zwischen 100 und 120 Kilometer.

Viele Menschen lernten sie unterwegs kennen, alle waren hilfsbereit – bei nötigen Reparaturen, wie dem Einbau einer Auspuffdichtung oder eines defekten Scheibenwischers, oder luden zum Verschnaufen und zum Mitessen ein, schwärmt der Langenhorner. Manchmal wurde auch eine Schlafmöglichkeit angeboten, obwohl beide dafür in der Regel ihre Wohnwagen nutzten.

Irgendwann aber kam es zum Bruch. „Trecker Willi“ habe nur noch sein Ziel im Auge gehabt, denn geplante drei Monate waren für das Unterfangen wenig, so Ingwersen. Schließlich wurde der Mann aus Westfalen gesponsert. Auch in so manche brenzlige Situation habe Langner ihn gebracht. Besonders in den Kurven auf ohnehin engen Straßen mit bis zu 14-prozentigen Steigungen in Norwegen sei er Überholmanöver gefahren, obwohl hinter dem nächsten Berg mit Gegenverkehr zu rechnen war. Viel Schnee habe es zudem gegeben. Manchmal verloren sich beide. Bei Pannen habe Langner ihm seine Hilfe verweigert, obwohl er über das nötige Fachwissen verfügte. Doch die schlechten Erfahrungen habe er mittlerweile alle nach hinten geschoben. „Die Reise hat für mich im Mittelpunkt gestanden“, sagt Ingwersen. Besonders beeindruckend für ihn waren Besuche landwirtschaftlicher Betriebe auf der Strecke. Eine Hühner- sowie Rentierfarm, ein Schweinemast- und ein Milchbetrieb mit mehr als 900 Kühen verschlugen nicht nur ihm förmlich die Sprache.

Einzeln kamen beide dann am 25. Juni am Ziel an – „Trecker-Willi“ als Erster. „Mich haben am meisten die Menschen in ihrer offenen Art und die grandiosen Landschaften fasziniert“, fasst Ingwersen zusammen. In diesem Jahr will der Langenhorner mit Freunden aus dem Treckerclub Bredstedt-Land drei Wochen auf Dänemark-Tour. Die Fahrt soll von der West- an die Ostküste und zurück nach Nordfriesland führen. Ob er künftig größere Reisen angehen wird, hängt davon ab, wie gut sich die dreiköpfige Crew schlagen wird. „Die Chemie muss stimmen“, so Ingwersen schmunzelnd. Auch ansonsten habe ihn schon das Fernweh gepackt, sagt er: „Immer auf der heimischen Scholle sitzen – das kann auch langweilig werden“. Jetzt, wo er Rentner sei, halte ihn nichts wirklich. Schon als 20-Jähriger sei er zwei Jahre in den USA, hauptsächlich in Kalifornien, unterwegs gewesen. Deshalb könne er auch so gut Englisch sprechen – was ihm auf der Reise durch Skandinavien viel geholfen hat.

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