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Nordfriesland : Musikschule finanziell am Tropf

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Vergleichsweise wenig Geld gibt das Land für die öffentlichen Musikschulen in Schleswig-Holstein aus. Nordfrieslands Kreispolitiker wünschen sich eine andere Förderpolitik.

Die öffentlichen Musikschulen in Schleswig-Holstein werden vom Land knapp gehalten. Andere Bundesländern schütten ein Vielfaches an Fördermitteln für die Einrichtungen aus. Diese Ungleichbehandlung trifft auch die Kreismusikschule Nordfriesland, die bereits seit Jahren mit Defiziten zu kämpfen hat. Nachdem die Problematik im Kultur- und Bildungsausschuss aufgearbeitet wurde, will der nordfriesische Kreistag nun am 19. Mai via Dringlichkeitsantrag eine Resolution an das Land verabschieden, damit die künftige Regierung in Kiel – wie auch immer sie denn aussehen wird – gleich eine dankbare Aufgabe hat.

Es waren bedrückende Fakten und Zahlen, die Henning Bock, Leiter der Kreismusikschule Nordfriesland, den Ausschuss-Mitgliedern präsentiert hatte. Die Förderung durch das Land Schleswig-Holstein gehöre zu den freiwilligen Leistungen, erläuterte er. Förderrichtlinien oder eine Vereinbarung wie andernorts in Bundesländern gäbe es im nördlichsten Bundesland nicht, so Bock. Demnach betrug das Finanzvolumen im Jahr 2015 für alle 21 öffentlichen Musikschulen in Schleswig-Holstein 18,5 Millionen Euro. Davon bekam der Kreis Nordfriesland etwas mehr als fünf Millionen Euro, so Bock.

In Brandenburg und Sachsen-Anhalt beispielsweise sei die strukturelle Förderung im Musikschulgesetz verankert. „In zahlreichen anderen Bundesländern ist die Landesförderung im Schul- oder Jugendbildungsgesetz oder in einer Rahmenvereinbarung festgeschrieben“, berichtete er. Etliche Bundesländer beteiligten sich mit zehn Prozent an den Personalkosten – Sachsen-Anhalt etwa übernehme 80 Prozent der Kosten für Projekte und 15 Prozent der Personalkosten.

Doch das waren nicht die einzigen Zahlen, die die Ausschuss-Mitglieder nicht nur fassungslos, sondern auch ärgerlich machten: Noch deutlicher wurde die Diskrepanz bei der jährlichen Förderung bezogen auf einen einzelnen Schüler der Kreismusikschule. „Geben beispielsweise Sachsen-Anhalt jährlich pro Schüler knapp 130 Euro und Mecklenburg-Vorpommern sogar gut 143 Euro aus, so investiert Schleswig-Holstein gerade einmal 13,37 Euro im Jahr für einen Schüler“, rechnete Henning Bock vor.

Alle Mitglieder des Ausschusses waren sich denn auch einig, dass eine höhere Förderung „zwingend nötig“ sei. Burkhard Jansen, Leiter des Fachbereiches Kreisentwicklung, Bauen, Umwelt und Kultur, stellte klar: „Hier muss das Land einspringen und seine Förderung deutlich erhöhen.“ Angelika Strenge (Grüne) regte in diesem Zusammenhang an, mit anderen Kreisen in Schleswig-Holstein zusammenzuarbeiten. „Wir müssen ein breites Bündnis schaffen und unsere Forderungen gegenüber der Landesregierung klar und deutlich vorstellen.“

Der Vorsitzende des Gremiums, Gary Funck (SSW), sagte: „Es geht darum, dass wir einen Prozess ins Rollen bringen und alle im Landtag vertretenen Parteien damit konfrontieren.“ Carsten F. Sörensen betonte, wie wichtig ein fraktionsübergreifender Kreistags-Beschluss sei. „Dies hat mehr Gewicht“, so der SPD-Politiker.

Ziel müsse es sein, da waren sich alle einig, dass das Thema „Förderung der Kreismusikschulen“ noch in die anstehenden Koalitionsverhandlungen in Kiel aufgenommen wird. Mehrfach wurde in diesem Zusammenhang auf den Bildungsauftrag der Kreismusikschule hingewiesen. Eine künftige Landesregierung müsse die Kreismusikschulen deshalb auch wieder ans Bildungsministerium angliedern. „Die Kreismusikschulen leisten hochprofessionelle Arbeit, die von den staatlichen Schulen gar nicht mehr angeboten werden könnte“, so Gary Funck.

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