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Musikalische Botschafter - mit fast 600 Pokalen

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Verein Spielmannszug & Jugendblasorchester Rödemis wird 100 Jahre alt / Für das Pfingstwochenende ist eine Geburtstagsfeier mit vielen Gästen geplant

shz.de von
erstellt am 15.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Husum | Für Spielmannszug & Jugendblasorchester Rödemis ist die 13 eine Glückszahl: 1913 gegründet, wird der Verein in diesem Jahr 100 Jahre alt. Und das soll am Pfingstwochenende mit vielen Gästen und Musik gefeiert werden. Grund genug, auf eine gleichermaßen bewegte wie erfolgreiche Geschichte zurückzublicken.

Im Herbst 1913 eröffnen 17 junge Leute um Heinrich Grell, August Jensen und Walter le Grand den Spielbetrieb. Der Zug umfasst neben zwölf Flötisten vier Trommler und einen Tambourmajor. Nach der Zwangspause im Ersten Weltkrieg nimmt der Zug die Arbeit 1919 wieder auf und bleibt bis 1939 aktiv. Danach müssen die Instrumente abermals eingepackt werden. Der Zweite Weltkrieg ist ausgebrochen.

1950 erinnern sich der Schulverein und dessen Vorsitzender Hermann Lück an den Rödemisser Spielmannszug und gründen ihn mit Schülern der Iven-Agßen-Schule neu. Aus bescheidenen Anfängen mit nur zehn Flötisten, vier Trommlern und Tambourmajor Hermann Theising - das Repertoire umfasst gerade einmal zwei Märsche - erlebt der Zug mit den Ausbildern Ernst Petersen (Trommler) und August Jensen (Flötist) einen deutlichen Aufwärtstrend. Die ersten Instrumente stammen übrigens aus alten Militärbeständen.

Jürgen Hagge, aktiver Spielmann aus der Gründungszeit, erinnert sich noch gut an den ersten Schulfest-Umzug, bei dem nicht weniger als 17 Mal der Schleswig-Holstein-Marsch gespielt wird. Weil sie damals noch nicht den nötigen Platz bietet, wird nicht in der Schule, sondern am Rödemisser Deich und bei schlechtem Wetter in einer Eisenbahnunterführung geübt.

Nachdem sich Hermann Lück über viele Jahre um die Ausbildung des Nachwuchses gekümmert hat, übernimmt ab 1958 Friedrich Hollmer diese Aufgabe. Der "Neue" hatte ein halbes Jahr zuvor den Husumer Spielmannszug verlassen. Hollmers Wissen und seine Erfahrung aus zahlreichen Veranstaltungen kommen dem Rödemisser Spielmannszug sehr zugute. Die Folge sind sichtlich verbesserte Leistungen.

Die Zahl der Spielleute schnellt in die Höhe. Aber nicht nur sie, auch das Repertoire wird in kurzer Zeit auf ein Dutzend Märsche erweitert. Darüber hinaus schafft der Schulverein Nebeninstrumente wie Pauke, Becken und Lyren an. Das Klangbild wird erheblich voller. Die vielen Aktivitäten des Spielmannszuges ziehen abermals Interessenten an, und so erhöht sich der Mitgliederbestand allein 1960 von 15 auf 40 Spielleute. Auch äußerlich tut sich etwas. Der Anzug wechselt von der kurzen schwarzen Hose über die kurze weiße zur langen weißen Hose. Dazu wird ein weißes Hemd getragen. Die neuen Märsche machen den Spielmannszug zudem für Schulentlassene interessant. Schon bald findet sich ein Stamm älterer, erfahrener Spielleute zusammen.

An einem Wettstreit nimmt der Spielmannszug erstmals 1964 teil. In Diepholz erspielen die 36 Jungen in ihrer Klasse den ersten Preis. Noch im selben Jahr wird eine Mädchen-Abteilung gegründet. 1965 holt diese in Diepholz einen zweiten Preis. In den Folgejahren setzen Mädchen und Jungen ihre Erfolgsserie bei verschiedenen Wettbewerben fort: Auf diese Weise gelangen fast 600 Pokale in die Vereinsregale.

Das Jahr 1968 bringt eine wesentliche Veränderung: Am 1. Juli wird der Spielmannszug Rödemis ein eingetragener Verein, bleibt jedoch kooperatives Mitglied im Schulverein Rödemis, der ihn auch in den kommenden Jahren unterstützt. 1969 findet das 1. Internationale Musikfest Rödemis statt, an dem 25 Musik- und Spielmannszüge teilnehmen. Der Spielmannszug Rödemis zählt jetzt bereits mehr als 60 Aktive und tritt erstmals in blau-weißer Uniform auf.

Auf seine erste Ferienfreizeit geht der Verein 1971: In den Osterferien reisen 74 Kinder und Jugendliche für zwölf Tage in das Schullandheim Ban Horn auf Amrum. Doch da der Leiter der Fahrt mit seinen 19 Jahren noch nicht volljährig ist, reist ein Elternpaar mit, um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen. Seither steht neben der Musik die Jugendarbeit mit zahlreichen Veranstaltungen und Freizeiten im Mittelpunkt des Vereinslebens.

Willi Boe übernimmt den Verein 1977 als erster Vorsitzender. Unter seiner Leitung wächst der Spielmannszug auf 155 aktive Mitglieder an.

Im Frühjahr wird die alte Lehrküche der Iven-Agßen-Schule als Vereinsheim ausgebaut. Die Verantwortlichen des Spielmannszuges sind glücklich, für ihre Kinder und Jugendlichen endlich einen eigenen Raum zu haben.

1981 tritt Dieter Boe die Nachfolge seines Vaters an und führt dessen Arbeit mehr als 25 Jahre erfolgreich fort. Heute ist er erster Vorsitzender des Schulvereins Rödemis und Mitglied im Vorstand des Fördervereins für Jugend und Musik des Ortsteils. Eine enge Bindung zum Spielmannszug ist also weiterhin gegeben.

Am 8. August 1982 erfolgt die erste Teilnahme am Wettstreit in Rastede, wo gleich ein erster Platz belegt wird. Das soll nur noch durch den Gewinn der Europameistertitel "Marschwertung" in den Jahren 2006 und 2009 übertroffen werden.

1984 fährt der Verein dann erstmals zum Deutschland-Pokal nach Alsfeld und gewinnt dort in den Folgejahren mehrfach den Pokal im Marsch und in der Show-Wertung. Erste Gedanken, den Verein um einen Musikzug zu erweitern, gibt es bereits 1982, und so wird nach sorgfältigen Planungen 1986 das Jugendblasorchester Rödemis gegründet, das am 17. Juni 1988 seinen ersten öffentlichen Auftritt hat und heute fester Bestandteil, ja mehr noch Aushängeschild des Vereins ist.

Der erste Auftritt des Spielmannszuges bei den Weltmusikfestspielen im niederländischen Kerkrade am 16. Juli 1989 wird sowohl im Marsch als auch in der Show mit erstem Platz und zwei Goldmedaillen in der höchsten Leistungsklasse gekrönt.

Bei den Teilnahmen 1993, 1997, 2001, 2005 und 2009 erringen die Rödemisser weitere acht Goldmedaillen und eine Silbermedaille, wobei 2001 auch noch die Auszeichnung "Best International Award" für den besten ausländischen Teilnehmer des Wettbewerbes hinzukommt.

1990 folgt Hamont in Belgien, wo in der höchsten Spielklasse im Marsch mit 84 Prozent ein erster Preis errungen wird, der nur durch den Sieg in der Show mit 92 Prozent und einem ersten Preis mit Auszeichnung übertroffen wird. Seit diesem Erfolg erringt der Spielmannszug bei dieser Veranstaltung, die alle zwei Jahre stattfindet, mehrfach den Titel "Champion der Lage Landen".

Seit Oktober 2010 haben Spielmannszug und Jugendblasorchester ein neues Zuhause, denn nach dem Umzug der Iven-Agßen-Schule in den Neubau am Otto-Backens-Weg 3 steht auch der dortige Vereinsraum nicht mehr zur Verfügung. Mit der Bereitstellung eines Rohbaus an der neuen Sporthalle eröffnet die Stadt dem Verein die Möglichkeit, in Eigenleistung und mit eigenen Finanzmitteln neue Räumlichkeiten und damit optimale Voraussetzungen für die Vereinsarbeit zu schaffen. Dies gelingt dank der Unterstützung zahlreicher Firmen sowie durch Spendengelder und den Arbeitseinsatz der Mitglieder und Freunde des Vereins in vorbildlicher Weise.

Die Zusammenarbeit zwischen Schulverein, Förderverein und Spielmannszug & Jugendblasorchester Rödemis ist sehr gut und die Verbindung zur Iven-Agßen-Schule, die letztlich diesen Verein ins Leben gerufen hat, überaus lebendig. So können die Mädchen und Jungen der Ganztagsschule in den Vereinsräumen ihr Mittagessen einnehmen - ein Modell, auf das beide Seiten stolz sind.

Mit den Worten "Wir sind Rödemis" demonstrieren die jungen Musikerinnen und Musiker wohl am deutlichsten, wie gern sie den Namen ihres Vereins durch ganz Europa tragen. Und durch den Zusatz "Husum/Nordsee" unterstreichen sie immer wieder, welch enges Verhältnis sie zu ihrer Heimatstadt haben. Ob von Polen im Osten, Spanien im Süden, Irland im Westen oder Norwegen im Norden - nicht zuletzt durch ihren musikalischen Einsatz sind die Namen Rödemis und Husum überall ein Begriff.

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