Fiddleschool : Musik überwindet Grenzen

Internationale Gemeinschaft erleben: Das reizt die Teilnehmer an der Fiddleschool.
Internationale Gemeinschaft erleben: Das reizt die Teilnehmer an der Fiddleschool.

Harald Haugaards Fiddleschool verbindet: Aus 15 Nationen kommen die Teilnehmer nach Nordfriesland. Einige reisten sogar Finnland und Australien an.

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06. August 2018, 09:30 Uhr

Breklum | Musik liegt in der Luft. Von fern und nah sind Geigenklänge und Gesang aus den offen stehenden Fenstern des Gebäudekomplexes zu hören. Anlass war die zehnte Haugaards International Fiddleschool im Christian-Jensen-Kolleg in Breklum.

Der berühmte dänische Folkgeiger hat sich eine kurze Auszeit vom Unterrichten genommen, um uns einen Einblick zu gewähren und Auskunft über das erfolgreiche Projekt zu geben: 150 Geigenschüler aus 15 Nationen, darunter Belgien, Finnland und sogar Australien, nehmen in diesem Jahr teil. Der Älteste ist Mitte 70, die jüngste Streicherin neun Jahre alt. Innerhalb einer Woche erhalten die Teilnehmer in sechs aufsteigenden Geigenklassen Unterricht, drei weitere Klassen (Cello, Gesang und Ensemble) runden das musikalische Spektrum ab. Der charismatische Haugaard schmunzelt: „In diesem Jahr war die große Hitze eine besondere Herausforderung für Spieler und Instrumente. Aber Streichinstrumente sind robuster als man denkt. Das gemeinsame Musizieren draußen am Deich war grandios bei dem herrlichen Wetter. 2018 ist ein auffallend harmonischer Jahrgang“, betont der Projektleiter. „Es gibt Teilnehmer, die sich nicht mit Worten verständigen können, aber durch die Sprache Musik verstehen sie sich.“

Was ist seine Motivation? „Wir müssen Grenzen überwinden“, sagt Haugaard leise und nachdenklich, „es gibt zu viele davon in unserer Zeit. Hier in der Fiddleschool gelingt das, denn Menschen machen Musik, aber Musik macht auch Menschen.“

Elf hochkarätige und professionelle Dozenten bilden das Lehrerteam. In einem Rotationssystem durch die Klassen vermitteln sie den Studenten die musikalischen Lektionen. Dabei wird nicht nach Noten, sondern nach Gehör gelernt und gespielt. Harald Haugaard nimmt uns mit in die „Super-Advanced“-Klasse: Hochkonzentriert sitzen an die 20 Musiker im Kreis um die Dozentin herum und spielen mit ihr eine anspruchsvolle Etüde. Patrick Büttler aus der Schweiz ist zum fünften Mal dabei. Die Freude ist dem Amateur-Musiker anzumerken. Was ist das Beste an der Fiddleschool? „Die tollen Lehrer, die gegenseitige Inspiration, das Zusammenwirken unterschiedlichster Kulturen – und die Aussicht, all die tollen Menschen im nächsten Jahr hier wiederzutreffen.“

Was der Vormittag schon anklingen ließ, unterstreicht – im wahrsten Sinne des Wortes – das Abschlusskonzert in der Niebüller Christuskirche am Abend. Mit über 200 Zuhörern ist die Kirche gut besucht. Die große Zahl der Musiker füllt den Altarraum lückenlos aus. Auf Englisch und Eeutsch begrüßt Pastor Winter alle Anwesenden. Dann erklingen die Geigen. Das Gewölbe gibt dem schönen Klang Raum und Volumen. Das Publikum ist sofort fasziniert. In seiner sympathischen Art erläutert Harald Haugaard: „Dieses Konzert ist kein Ergebnis, sondern ein Prozess. Ihr alle seid ein Teil davon!“

Die Auswahl der Songs ist international. Oft sind es selbstgeschriebene Werke, aber auch folkloristische „Tunes“ aus Schottland, Estland, Amerika, England, Finnland, Shetland, der ganzen Welt.

Nicht nur die unterschiedlichen Stücke, sondern auch die verschiedenen Besetzungen machen das Programm sehr abwechslungsreich. Nach den „Schulanfängern“ ist die Cello-Klasse, das tiefere Register an der Reihe. Der Chor singt traditionelle Lieder, die „Ensemble-Klasse“ bildet voller Tatendrang das rhythmische Fundament. Dann wieder ertönt es „tutti“ – zusammen. Dabei stehen Profi und Amateur Seite an Seite, auch hier gibt es keine Grenzen. Die Gesichter strahlen voller Stolz ins Publikum, jeder einzelne Musiker ist mit Herzblut und Seele bei der Sache. Der Klang ist beeindruckend und überraschend vielseitig in Tonlage, Dynamik, Rhythmus und Tempo.

Die Kommunikation zwischen den engagierten Lehrern und Studenten sprüht vor Vitalität und Spielfreude. Mit den Füßen wird lautstark der Takt gestampft, die Geigen singen, die Bögen tanzen, der Boden vibriert. Die Zuhörer werden mitgerissen, am Ende sitzt keiner mehr ruhig auf seinem Platz. Zum Schluss der Applaus im Stehen überrascht nicht, er ist hochverdient. Der Jahrgang 2018 der Fiddleschool hat seinen Abschluss mit Bravour bestanden. Die grenzenlose Begeisterung aller Anwesenden ist der beste Beweis dafür.

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