Dienstags in Garding : Musik-Meile mit Kultcharakter

Immer dienstags im Juli und August drängen sich die Musikfreund in der Engen Straße.
Immer dienstags im Juli und August drängen sich die Musikfreund in der Engen Straße.

Die Musikantenbörse in Garding lockt im Sommer jeden Dienstag die Massen in die Innenstadt. Auf fünf Bühnen gibt es dann Live-Musik. Und das bei freiem Eintritt.

shz.de von
07. August 2018, 12:00 Uhr

Fast 30 Grad zeigt das Thermometer an. Trotz eines leichten Windhauchs liegt drückende Schwüle über der Mommsen-Stadt Garding. Nur wenige Fußgänger sind in den Straßen unterwegs. Doch kaum hat die Turmuhr von St. Christian 17 Uhr geschlagen, setzt geschäftiges Treiben ein. Gut 30 Freiwillige unter der Regie von Rainer Martens, Chef des gemeinnützigen Vereins Musik für Garding, gehen ans Werk, um einen weiteren Abend der 21. Gardinger Musikantenbörse vorzubereiten. So wird die kleine Bühne mit Zelt vor der Musikantenkneipe Lütt Matten aufgebaut. Die weiteren drei Outdoor-Bühnen – dazu dienen umfunktionierte Anhänger – werden jeweils an Ort und Stelle bewegt, die Technik eingerichtet, Absperrungen in der Engen Straße, Am Hopfenmarkt und in der Fahrtstraße hingestellt oder die fahrenden Händler, die für das leibliche Wohl sorgen, eingewiesen. Ferner Tische und Bänke vor den Bühnen drapiert. Alles läuft wie geschmiert, zwar zügig, aber nicht hektisch. Jeder Handgriff sitzt und alle wissen, was zu tun ist.

Gegen 18 Uhr kommen die ersten Musiker. Die ersten Soundchecks laufen. Steve Gröne und Reinhold Haase aus Drage sind bereits startklar. Sie werden als Duo „Schräg gegenüber“ auf der einzigen Indoor-Bühne im Alten Rathaus spielen. „Bei uns wird es schön ruhig, vor allem mit Songs von Bob Dylan“, sagt Haase und bestellt im Lütt Matten ein kühles Getränk. Dort ist wie immer der zentrale Treffpunkt für die Ehrenamtler und Musiker sowie viele Gäste, die im Laufe des Abends zwischen den Live-Acts hereinschauen. Der etwas seltsam anmutende Bandname, so verraten die Hobby-Musiker, habe nichts damit zu tun, dass sie sich möglicherweise schräg gegenübersitzen, sondern weil sie in ihrem Heimatdorf Drage schräg gegenüber wohnen. Die ersten Besucher kommen in die Innenstadt, sichern sich gute Sitzplätze, bestellen sich Getränke und harren der Musik, die da kommen soll. „Ich war schon öfter hier“, verrät Hans-Georg Hansen aus Elmshorn. Es müsse, so seine Meinung, nicht immer ein großes Musikfestival sein. Er schätze die tolle Atmosphäre und das familiäre Ambiente in Garding. Heute seien einige Bands da, die noch nie hier gespielt hätten. Das reize ihn besonders zum genauen Hinhören. Meistens gönne er sich alljährlich zwei- bis dreimal einen Besuch der Börse.

Als dann pünktlich der Vereinsvorsitzende die Besucher begrüßt, ist die Stadt voller Menschen, allesamt in Sommerlaune. Die Kieler Band Toad’s Bread heizt ein in typischer Straßenmusik-Manier, von eigenen bis gecoverten Liedern aller Genres. Tatsächlich bleiben auch viele stehen, um dann den selbst kreierten, lyrischen Texten von Bandleader Simon Nofftze, die er mit seiner Band namens „Die Farben“ spielt, zu lauschen. Er und Bassist René Albinus kommen aus der Nähe von Heide. Schlagzeuger Arne Rolkes lebt in Tönning. „Uns gibt es erst seit Herbst. Wir freuen uns total, dass die Leute zuhören“, ist sich das Trio einig.

„Ich bin begeistert von der Musikantenbörse. Hier findet ja wirklich jeder was für seinen Geschmack“, sagt Manfred Halstrick. Der Essener hat seinen Standort von der Lütt-Matten- zur Kontor-Bühne verlegt. Dort gibt die Schleswiger Gruppe „Tavor“ mit hartem, alternativem Rock alles. Das sei mehr sein Ding. Besonders viele junge Leute sind unter den Zuhörern, und so manchen hält es nicht mehr auf dem Platz.

Die Musikantenbörse findet noch bis einschließlich 21. August jeden Dienstag ab 19 Uhr in der Gardinger Innenstadt statt. Es wird auf fünf Bühnen gespielt, um 21 Uhr wird gewechselt. Der Eintritt ist frei. Weitere Info: www.musik-fuer-garding.de.



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