Marode Anlagen : Muschelfischer: „Der Hafen geht unter“

Gesperrt sind in voller Länge die beiden Molen, die die Einfahrt in den Hafen markieren.
Gesperrt sind in voller Länge die beiden Molen, die die Einfahrt in den Hafen markieren.

Muschelfischer warnen zur Eröffnung ihrer Fangsaison vor dem Verfall der Anlagen – und drängen auf eine Lösung

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03. August 2018, 14:38 Uhr

Hörnum | Am Freitag ist der große Tag der Muschelfischer. Sie laden zur Eröffnung der Fangsaison alljährlich Gäste aus Politik und Wirtschaft sowie Behörden nach Hörnum ein. An Bord der MS „Koi“ fahren sie die Gäste raus aufs Meer und demonstrieren ihnen ihre Arbeit an Muschelkulturen und Anlagen zur Gewinnung von Saatmuscheln, die als Kinderstube gelten. Im Vorjahr feierten die Fischer die Einigung mit Umwelt- und Fischereiminister Robert Habeck über das Ausmaß der Fischerei. So bleiben künftig 87 Prozent der Nationalparkfläche frei von der Nutzung, eine Vereinbarung, die 15 Jahre gültig ist. Das wird von allen Seiten als Muschelfrieden gefeiert.

Dieses Jahr rückt bei der Veranstaltung ein ganz anderes Thema in den Mittelpunkt: der schlechte Zustand der Hafenanlagen, von denen aus die Fischer ihrer Arbeit nachgehen. Der zerbröselt vor den Augen der Gäste und ist aus Sicherheitsgründen bereits an etlichen Stellen komplett gesperrt. So sind Nord- und Südmole so marode, dass die keiner mehr betreten darf, bestätigen Christina Ruddeck als Leiterin des zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) in Tönning und ihr Kollege, Marcel Thies im Sachbereich Bau und Unterhaltung.

Gutachter berechneten, dass die gründliche Sanierung der Hafenanlagen 8,5 Millionen Euro kosten würden. Doch der Bund will den Hafen loswerden, daher werde diese Sanierung vom WSA nicht mehr angefasst. Sogar Instandhaltungsarbeiten seien auf 100.000 Euro pro Maßnahme begrenzt worden, bestätigen beide. Allerdings habe der Bund zugesagt – und im Haushalt – verankert, dass ein neuer Eigentümer rund die Hälfte der Sanierungskosten erstattet bekäme.

Erhebliche finanzielle Lasten

Vor diesem Hintergrund hat Festredner Peter Harry Carstensen, ehemaliger Ministerpräsident des Landes und früherer Präsident des Deutschen Fischereiverbandes, seinem Vortrag heute den Titel „Hafen Hörnum und die Muschelfischerei“ gegeben. Seit Jahren loten zahlreiche Akteure aus, wie die Rettung gelingen könne.

Rolf Speth
Rolf Speth

Gemeinde Hörnum: Bürgermeister Rolf Speth beschreibt die zwei Pläne, die zurzeit diskutiert werden. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) soll den Hafen so wirtschaftlich wie irgend möglich verkaufen. Sie hat der Gemeinde den Hafen für 8,2 Millionen Euro zum Kauf angeboten. Hinzu kämen die vom WSA in etwa gleicher Höhe bezifferten Sanierungskosten. „Das sind erhebliche finanzielle Lasten – ich glaube nicht, dass wir die schultern können“, sagt Rolf Speth. Das letzte Wort habe in jedem Fall der Gemeinderat.

Gespannt ist er, ob die zweite Variante konkreter verfolgt werde. Laut Bundeswasserstraßengesetz könne das Land den Hafen übernehmen und im selben Moment – in einer sogenannten logischen Sekunde – gleich weiterreichen an die Kommune. Vorausgesetzt, das liege im öffentlichen Interesse. Mögliche Gründe sind im Paragraf eins jenes Gesetzes reichlich genannt, unter anderem: Errichtung von Hafenanlagen, Küstenschutz, Badebetrieb und auch die Muschelfischerei. Rolf Speth ist die Sympathie für diese Lösung anzumerken, weil damit die Sanierung finanzierbar werde und den Gästen Attraktionen erhalten oder ausgebaut werden könnten. „Der Hafen ist immer interessant.“

Buchholz: „Erhalt von Interesse“

Muschelfischer: „Der Hafen geht unter“, fürchtet Peter Ewaldsen, Geschäftsführer der Erzeugerorganisation in Neukirchen. Er beschreibt, welche Bedeutung der Hafen für die Muschelfischer hat. Sie verfügen über acht, etwa 50 Meter lange Schiffe, die vor Hörnum überwiegend Miesmuscheln fangen. Die Fänge werden an Bord gewaschen und in Big-Packs vom Hafenkran an Land gehievt und in Kühllaster verstaut. Tausend Laster seien in 2017 von der Insel nach Zeeland in den Niederlanden gefahren worden, der „Welthauptstadt der Muschelwirtschaft“ mit der internationalen Börse für die Vermarktung. Bis zu 80 Arbeitsplätze biete die Fischerei direkt, aber es gelte auch das vor- und nachgelagerte Gewerbe zu bedenken. Für den Auftakt zur Muschelsaison „habe ich mir nichts weiter vorgenommen, als unser Netzwerk zu pflegen.“

Peter Ewaldsen
Peter Ewaldsen
 

Bima: Rüdiger Elit von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben hob auf Anfrage hervor, dass die Gemeinde den ersten Zugriff auf den Hafen habe „und sie beabsichtigt, den Hafen selbst zu erwerben.“

Wirtschaftsministerium: Der von der Bima genannte Kaufpreis könne von der Gemeinde nicht getragen werden, teilt Minister Bernd Buchholz auf Anfrage mit. Die Gemeinde habe das Land daher bereits gebeten, die Klausel im Bundeswasserstraßengesetz zu nutzen und den Hafen vom Bund aufs Land und gleich weiter auf die Gemeinde übertragen zu lassen. Er unterstreicht, dass der Erhalt des Hafens im allgemeinem Interesse liege.

„Vor Ort sind die Gemeinde, die Muschelfischer, die dort verkehrenden Reedereien, Hotel Budersand sowie Yachtclub und Katamaran Club an einem Erhalt des Hafens interessiert.“ Er schlägt daher vor, nach der Sommerpause mit allen Beteiligten ein Gespräch zu führen – und würde eine Moderation durch Ole von Beust begrüßen. Der frühere Bürgermeister von Hamburg ist mit seiner Beratungsfirma von der Gemeinde ohnehin schon in die Verhandlungen eingebunden worden.

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