Nationalpark Wattenmeer : Muschel-Streit: Hoffen auf den Durchbruch

Miesmuscheln sind leicht an ihrer Farbe und Form zu erkennen.
Miesmuscheln sind leicht an ihrer Farbe und Form zu erkennen.

Seit langem schwelt ein Konflikt um die Miesmuschelfischerei im Nationalpark. Jetzt rückt ein Kompromiss in greifbare Nähe. Ministerium, Naturschützer und Erzeuger verhandeln in Tönning über einen Nutzungs-Kompromiss.

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05. Juli 2015, 12:00 Uhr

Dass der Dauer-Konflikt um die Muschelfischerei auf der Tagesordnung des Nationalpark-Kuratoriums landete, war auf einen Regiefehler zurückzuführen. Eigentlich wollte der Chef der Nationalpark-Verwaltung, Dr. Detlef Hansen, nur unter Verschiedenes kurz und knapp über den Sachstand der Muschelfischerei-Gespräche zwischen dem Ministerium von Dr. Robert Habeck, Vertretern der Nationalpark-Verwaltung, der Naturschutzverbände und der Erzeugerorganisation der Miesmuschel-Fischer informieren. Dann wurde es doch etwas mehr, verbunden mit Hansens Hoffnung, dass die Verhandlungen möglicherweise kurz vor ihrem Durchbruch stehen.

Ziel der Gespräche ist es laut Hansen, Eckpunkte für „eine auch wirtschaftlich tragfähige Miesmuschelfischerei, die naturverträglich und Nationalpark-konform ist“, zu erarbeiten. Diese müssten den Anforderungen des europäischen und nationalen Fischerei- und Naturschutzrechts entsprechen. „Das ist bei einigen Dingen zurzeit nicht so“, sagte Hansen im Husumer Kreishaus.

Zuletzt habe es sehr konstruktive Gespräche gegeben. So sei zu, hoffen, dass sich die Parteien bei der nächsten Runde am 9. Juli in Tönning über Eckpunkte einigen, wie es weitergehen soll mit der Miesmuschelfischerei im Nationalpark. „Über Inhalte ist Stillschweigen vereinbart worden“, informierte der Chef der Nationalpark-Verwaltung.

„Wenn es gelingt, eine Einigung herbeizuführen, dann wäre das ein ganz, ganz wichtiger Schritt, weil wir ja doch erlebt haben, dass uns das Thema über Jahre immer wieder beschäftigt hat“, erklärte der Kuratoriums-Vorsitzende Landrat Dieter Harrsen. „Ein Kompromiss wäre gut für die Region, damit wir uns auch wieder auf andere Themen konzentrieren können.“ Dieter Harrsen wünschte den Gesprächen Erfolg und den Beteiligten Mut, diesen Weg auch weiterzugehen.

Der Hintergrund: Die Gespräche über die Miesmuschelfischerei im Nationalpark laufen schon seit vielen Monaten und standen nicht nur einmal kurz vor dem Abbruch. Die Muschelfischer fühlten sich wiederholt zu weitergehenden Einschränkungen gedrängt. Dabei sind ihnen bis zum Jahr 2026 acht Lizenzen (280.000 Euro Lizenzgebühren) und 2000 Hektar Kulturflächen vertraglich zugesichert.

Während dies noch vor wenigen Jahren als „fairer und tragfähiger Kompromiss zwischen wirtschaftlichen und naturschutzfachlichen Interessen“ galt, ist die Muschelfischerei – sie ist eine traditionelle Nutzung des Wattenmeeres im Sinne des Nationalparkgesetzes –Naturschützern ein Dorn im Auge. Diese mahnten wiederholt eine „nachhaltige und nationalparkverträgliche Wirtschaftsweise“ an. Eben diese nehmen die Muschel-Erzeuger bereits heute für sich in Anspruch. Und: Nicht einmal ein Prozent der Nationalpark-Fläche werde überhaupt genutzt.

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