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Husumer Einkaufszentrum : Mühsames Ringen um ein altes Haus

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Was geschieht mit dem Haus Großstraße 19? Die Positionen von Denkmalschützern und den Planern des Einkaufszentrums scheinen unverrückbar – aber hinter den Kulissen wird verhandelt.

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erstellt am 19.Feb.2016 | 12:00 Uhr

Wie geht es weiter mit dem Einkaufszentrum, das für die wirtschaftliche Entwicklung der Storm-Stadt doch so enorm wichtig ist? Die Fronten scheinen verhärtet: Die Denkmalschützer setzen darauf, das Haus Großstraße 19 im Rahmen eines historisch wertvollen Gebäude-Ensembles zu erhalten, die Planer haben noch einmal klargestellt, dass ohne dessen Abriss die Schaffung eines angemessenen und repräsentativen Eingangsbereichs für das Shopping-Center nicht vernünftig realisiert werden kann (wir berichteten).

Davon, dass beide Standpunkte in der Öffentlichkeit so glashart ausgetauscht worden sind, ist Bürgermeister Uwe Schmitz jedoch „wenig begeistert: „Das unterstützt die städtischen und meine persönlichen Bemühungen, zu einer Einigung beizutragen, nicht gerade“, sagt er. Denn: Miteinander gesprochen wird schon seit Sommer 2015. „Und das geschieht gar nicht in unversöhnlicher Atmosphäre“, so Dr. Michael Paarmann, der Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege in Schleswig-Holstein.

Eine kurze Rückblende: Im Sommer 2014 gab es eine Inventarisierung derjenigen Bauten in Husum, die denkmalwürdig sein könnten. Darunter war auch das Haus Großstraße 19, und zwar im Rahmen eines städtebaulichen Ensembles, das sich vom Markt – unterbrochen von der Kaufhaus-Bausünde aus den 1960er Jahren – bis zum Gebäude der Commerzbank hinzieht und auf der anderen Straßenseite seine Fortsetzung findet. „Und als wir von dem Bebauungsplan Kenntnis bekamen, der den Abriss dieses Hauses vorsah, haben wir reagiert und den Eigentümer sowie die Stadt davon in Kenntnis gesetzt, dass es auf der Denkmalliste steht“, sagt Paarmann.

Was weder Verwaltung noch Politik davon abhielt, sich im Oktober einmütig für den Abriss des Hauses einzusetzen, das mit seiner hohen Brandmauer „brutal neben die Apotheke gesetzt worden“ sei, wie es in der Ausschusssitzung hieß. Paarmann gibt zu, dass die Häuserzeile dadurch uneinheitlich wirkt, führt aber diese Tatsache als Beleg für die durch den Wandel der Baustile entstandene Vielfalt im Stadtbild an, die es zu erhalten gelte.

Im Übrigen, so Paarmann weiter, machen die Gesetze den Denkmalschützern strenge Vorgaben. Bewertet werde allein, ob das Haus schützenswert ist und ob es wirtschaftlich erhalten werden kann, wobei sich die Wirtschaftlichkeit nur auf das Gebäude selbst bezieht und nicht auf die Wirtschaftlichkeit eines Projektes, dem es vielleicht im Weg steht. „Und Großstraße 19 ist intakt. Davon abgesehen sind wir der Meinung, dass man den Bau durchaus in die Struktur des Shopping-Centers integrieren kann. Das hat in Flensburg am Südermarkt auch geklappt.“ Dass sich derartige Gegenpositionen aufbauen, sei normal, sagt Haarmann. „Diese Debatten mit Planern und Investoren kennt wohl jeder Denkmalschützer im Land.“ Und in der Regel komme man dabei auch zu Lösungen.

Und wenn nicht? Dann gibt es vier Wege, von denen zwei zum Verwaltungsgericht Schleswig führen. „Die Stadt stellt einen Abbruchantrag, was bisher nicht geschehen ist. Lehnt die Untere Denkmalschutzbehörde den ab, kann dagegen geklagt werden.“ Geklagt werden könne aber auch gegen die Entscheidung, das Haus überhaupt unter Denkmalschutz zu stellen, also gegen die Bewertung des Landesamtes. „Dann gibt es noch den Denkmalrat des Landes, der bei solchen Problemen angerufen werden kann.“ Der setzt sich aus Vertretern öffentlicher Institutionen von der Industrie- und Handelskammer über die Kirche bis zum Bauernverband zusammen und gibt dem Kulturministerium Empfehlung en – „rechtlich nicht bindend, aber mit Gewicht“.

Und schließlich könne von politischer Seite eine entsprechende Entscheidung getroffen werden. „Denn im Prinzip kann für jedes Kulturdenkmal eine Abbruchgenehmigung erteilt werden.“ Politischen Druck gebe es derzeit allerdings von keiner Seite: „Das ist alles auf der Sachebene, wo es auch am besten aufgehoben ist.“ Daher sei er auch zuversichtlich, dass die Gespräche zu einem für beide Seiten akzeptablen Abschluss führen werden. Das hofft auch Oliver Breuer, Pressesprecher im Ministerium für Justiz, Kultur und Europa, wo der Fall schon bekannt ist: „Wir sind da zuversichtlich.“

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