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Kulturlandschaft in Nordfriesland : Mühsames Ringen um die Denkmäler

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Bei ihrer Hauptversammlung hatte die Interessengemeinschaft Baupflege Gebietsreferent Dr. Nils Meyer zu Gast, der über Fortschritte in Sachen Denkmalschutz in Nordfriesland berichtete.

„Das ist nicht nur Tafelsilber, sondern pures Gold“, sagt Dr. Nils Meyer und seine Augen leuchten. Dabei zeigt er auf die Fotos der restaurierten Renaissance-Stuckdecke von 1627 des Hauses Markt 1 in Husum. Meyer ist Gebietsreferent für Nordfriesland, Schleswig und Rendsburg beim Landesamt für Denkmalpflege. Die Interessengemeinschaft Baupflege (IGB) Nordfriesland und Dithmarschen hat den Architekten zur Hauptversammlung ins Nordsee-Museum eingeladen, damit er über die Fortschritte in Sachen Denkmalschutz berichtet. Vor drei Jahren hatte IGB-Mitglied Bernd Biermann das Gebäude neben dem Alten Rathaus erworben – ohne zu wissen, welcher Schatz sich unter den vielen Tapetenschichten verbirgt. Denn die Stuckdecke, die einst Herzogin Augusta von Dänemark in Auftrag gab, ist Meyer zufolge eine der ältesten im Lande und hat „skulpturhafte Qualität“.

Die Erhaltung der historischen Haus- und Kulturlandschaft mit all ihren Facetten – das hat sich die IGB für ihre ehrenamtliche Arbeit auf die Fahnen geschrieben. „Wir stehen immer wieder vor neuen Herausforderungen“, sagt Vorsitzender Hans-Georg Hostrup zu den rund 70 Mitgliedern und Gästen, die für einen vollen Saal sorgen. „Im vergangenen Jahr sind schwere Brocken hinzugekommen. Vor allem Mitte 2015 hatte ein Thema ganz besondere Brisanz: das Gebäude in der Großstraße 19“, so Hostrup. Gemeint sind damit die Planungen für das Husumer Shopping-Center, die in der Öffentlichkeit bereits für Aufsehen gesorgt haben. Das gründerzeitliche Wohn- und Geschäftshaus soll laut Bebauungsplan der Stadt Husum abgerissen werden – unter anderem, um für ein geplantes Shopping-Center Platz zu machen. Dagegen erhob die IGB Einspruch – und bekam im August Unterstützung aus Kiel. Das Haus wurde im Rahmen eines Ensembles unter Denkmalschutz gestellt. Die Interessengemeinschaft hofft, dass zumindest die Fassade in das Einkaufszentrum mit einbezogen werden könnte. Das würde dem Projekt ein unverwechselbares Gesicht geben, sind sich Hostrup und Meyer einig.

In der Tat: 2015 ist viel passiert. Das macht Hostrup in seiner Jahresbilanz deutlich und beginnt mit den guten Nachrichten: Das Ostenfelder Bauernhaus in Husum ist gerettet, das Hans-Momsen-Haus in Fahretoft eröffnet, die älteste Windmühle in Nebel auf Amrum saniert und das Leuchtturmprojekt „Erhalt der Baukultur auf Eiderstedt und Stapelholm“ hat die Förderzusage erhalten.

Doch es gibt auch Verluste zu beklagen. Für die IGB immer wieder schmerzhaft, die sich als „Meldestelle für Architektur in Gefahr“ versteht. So musste das historische Gebäude in der Dorfstraße 222 in Risum-Lindholm abgebrochen werden. „Es wäre klar erhaltenswert gewesen, doch als uns das Problem gemeldet wurde, war es zu spät“, so Hostrup. Auch um das Niebüller Küsterhaus von 1800 steht es schlecht. Durch einen Besitzerwechsel ist es zunehmend in Verfall geraten. „Dieses Haus verlangt sehr viel Aufmerksamkeit“, erklärte Meyer, der sich als Vertreter der Denkmalschutz-Behörde ebenfalls mit dem baulichen Zustand des Reetdachhauses beschäftigt. „Das Gebäude steht seit vielen Jahren leer und ist ein echter Sorgenfall. Es ist in einem so schlechten Zustand, dass wir über die Erhaltungsfähigkeit reden müssen.“ Das Problem sei, alle Beteiligten an einen Tisch zu bekommen.

Bei Tagesordnungspunkt drei „Erläuterung und Aussprache“ erntet Hostrup Schweigen, als er sich nach Fragen erkundigt. „Da bin ich aber baff“, sagt er. Zu Beginn der Veranstaltung war er fest davon überzeugt, dass gerade das Thema Shopping-Center für heiße Diskussionen sorgen würde. „Ich war überrascht, dass keine Nachfragen kamen zu unserer Stellungnahme. Wir denken, dass unsere Argumente richtig sind“, sagt er später auf Anfrage unserer Zeitung.

Doch die IGB setzt sich nicht nur allein für den Erhalt historischer Gebäude ein. Sie berät auch Bauherren zu den Themen Mauern, Türen und Reet. Ein Angebot, das Hostrup zufolge stark nachgefragt wird. 20 neue Mitglieder konnte die Interessengemeinschaft im vergangenen Jahr verzeichnen. Insgesamt sind es 420. Auch in diesem Jahr hat die IG Baupflege viel vor. Es wird fleißig an den Haubarg-Büchern gearbeitet, die in voraussichtlich anderthalb Jahren fertig sein sollen. Auch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit – Stichwort Kulturknotenpunkt Nordfriesland-Schleswig – soll intensiviert werden. Und dann sind da ja noch all die Gebäude, die einen Fürsprecher brauchen.

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erstellt am 30.Mär.2016 | 15:00 Uhr

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