Nach Herbststurm „Herwart“ : Mühle Catharina in Oldenswort: Das Wahrzeichen hat wieder einen Kopf

Zimmerer Ronny Beckmann hat die neue Mühlenhaube genau im Blick.
Zimmerer Ronny Beckmann hat die neue Mühlenhaube genau im Blick.

Die von einem Herbststurm beschädigte Mühle ist wieder komplett. Haube und Flügel wurden montiert.

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08. Juni 2018, 07:30 Uhr

Oldenswort | Sieben Monate stand die historische Mühle „Catharina“ nach einem Sturmschaden im Oktober kopflos in der Landschaft – doch seit Donnerstag schmückt das Eiderstedter Wahrzeichen wieder ein prächtiges Haupt mit vier schneeweiß-grünen Flügeln. Der heftige Herbstturm Herwart hatte der 230 Jahre alten Dame schwer zugesetzt. Er riss den tonnenschweren Mühlenkopf herunter, der vor dem Gebäude auf die Straße gestürzt – zu Schaden kam zum Glück niemand.

Die Besitzer Cord Bellersen und Greg Jacob entschieden sich damals schnell, die 1736 erbaute Mühle zu erhalten. „Für uns stand gleich nach dem ersten Schrecken fest, dass wir sie auf jeden Fall wieder aufbauen wollen“, erklärten die beiden Hamburger. Dank der großen Unterstützung durch die Interessengemeinschaft Baupflege sowie die beteiligen Firmen habe man bereits im Dezember die Aufträge erteilen können. „Insgesamt kostet der Wiederaufbau rund 200.000 Euro. Glücklicherweise wird der Schaden von der Versicherung übernommen“, berichteten sie weiter.

Arbeiter bergen im Oktober Trümmer der im Jahr 1786 erbauten Mühle „Catharina“. Das Dach der früher für Weizen genutzte Mühle wurde vom Sturmtief „Herwart“ teilweise zerstört.
Wolfgang Runge/dpa
Arbeiter bergen im Oktober Trümmer der im Jahr 1786 erbauten Mühle „Catharina“. Das Dach der früher für Weizen genutzte Mühle wurde vom Sturmtief „Herwart“ teilweise zerstört.
 

Am frühen Donnerstagmorgen nun rückten die Zimmerleute und Flügelbauer mit einem 100-Tonnen-Kran an, um den neuen, rund 13 Tonnen schweren Mühlenkopf auf den Unterbau zu hieven und die neuen Flügelpaare zu installieren. Dies erforderte äußerste Konzentration, denn die maßgefertigten Konstruktionen mussten millimetergenau eingepasst werden. Doch schon um 10.30 Uhr konnten die Dithmarscher Zimmerleute, aufmerksam beobachtet von zahlreichen Zaungästen, die Namenstafel der „Catharina“ wieder am Mühlenkopf festschrauben. „Dieser Auftrag war etwas ganz besonders, denn wir haben den Kopf komplett neu gebaut. So etwas hat man heute nicht mehr oft“, erläuterte der Chef Ronny Beckmann.

Absolutes Fingerspitzengefühl bewiesen im Anschluss auch die Flügelbauer aus Winsen/Luhe beim Montieren der je acht Meter langen stählernen Flügel. „Oben an der Flügelwinde haben wir so Windstärke vier. Das merkt man, denn die Bauteile schaukeln sich sehr leicht auf. Dann kann man nur wieder runter fahren und von vorne anfangen“, erklärte der erfahrene Mühlenbauer Andreas Schmiel, bevor er in seine professionelle Kletterausrüstung stieg. Aber letztlich ging alles gut. In schwindelnder Höhe wurden die mehr als 450 Kilogramm schweren Flügel vorsichtig in die Winde eingesetzt und präzise mit Spangen gesichert.

Die Mühle in neuem Glanz.
C. Bellersen
Die Mühle in neuem Glanz.
 

Zur Schar der Beobachter hatte sich auch Hans-Georg Hostrup (Vorsitzender der IG Baupflege) gesellt, der für die Bauherren die notwendigen Kontakte, unter anderem zur Denkmalpflege herstellte. „Die Mühle ist eines der wichtigen Baudenkmäler auf Eiderstedt. Deshalb ist es großartig, dass sie in ihrer historischen Authentizität erhalten bleibt“, erklärte er. Am Ende des Tages freuten sich jedoch nicht nur die fleißigen Handwerker und die stolzen Besitzer über den gelungenen Wiederaufbau – auch die glücklichen Nachbarn genossen den imposanten Anblick „ihrer Catharina“ sichtlich.

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