Nordfriesland : Motivationsschub für junge Wähler

Landrat Dieter Harrsen im intensiven Gespräch mit (v.  r.) Leif Bodin, Christopher Andresen, Mayra Vriesema und Truels Reichardt, die alle für den Kreistag kandidieren.
Landrat Dieter Harrsen im intensiven Gespräch mit (v. r.) Leif Bodin, Christopher Andresen, Mayra Vriesema und Truels Reichardt, die alle für den Kreistag kandidieren.

Politische Organisationen und Nordfrieslands Landrat Dieter Harrsen rufen alle Schülerinnen und Schüler mit einem Brief zum Urnengang auf.

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10. April 2018, 14:30 Uhr

Ein diskussionsfreudiges Elternhaus ist nicht die schlechteste Voraussetzung für politisches Engagement. Dies trifft auf jeden Fall auf Christopher Andresen (21), Landesvorsitzender der SSW-Ungdom (SSW-Jugend), Leif Bodin (21), Vorsitzender der Jungen Union Nordfriesland, Truels Reichardt (23), Vorsitzender der Jusos Nordfriesland, und Mayra Vriesema (18), Sprecherin der Grünen Jugend Nordfriesland, zu.

Alle freuen sich natürlich jederzeit über neue Mitglieder in den eigenen Reihen, doch bei einem Gespräch mit Landrat Dieter Harrsen im Kreishaus in Husum stand eine andere Werbeaktion im Mittelpunkt. Zum ersten Mal wird es eine gemeinsame und überparteiliche Unternehmung vom Kreis Nordfriesland und fünf politischen Jugendorganisationen geben – auch die Jungen Liberalen sind mit im Boot. Unter der Überschrift „Geht wählen! sollen junge Nordfriesen aufgefordert werden, am 6. Mai ihre Stimmen bei der Kommunalwahl abzugeben. In Nordfriesland geht es um 1323 Mandate in den Gemeinde- und Stadtvertretungen und um 45 Mandate im Kreistag.

Für den Kreistag bewerben sich 264 Politikerinnen und Politiker mit einem Durchschnittsalter von 52 Jahren. Fünf von ihnen sind unter 20, 28 zwischen 21 und 30 Jahre und 13 zwischen 31 und 35 Jahre alt.

Da in Schleswig-Holstein auf Kommunalebene bereits mit Sechzehn gewählt werden darf, sind die Schulen im Kreisgebiet eine wichtige Adresse für den Landrat und seine Mitstreiter – die Bildungseinrichtungen werden deshalb nach den Ferien einen gemeinsam verfassten Brief erhalten, der allen Jugendlichen ab der 10. Klasse zugehen soll, um sie für den Urnengang zu motivieren. Christopher Andresen findet ohnehin, dass in Schulen mehr getan werden müsse, um vor Wahlen zu informieren. So kann sich der SSW-Vertreter gemeinsame Veranstaltungen aller Parteien vorstellen, „um die Unterschiede deutlich zu machen“. Gerade die Kommunalpolitik sei ein „extrem spannender Bereich“, meint Truels Reichardt – „auch wir Jüngeren können mitbestimmen, was auf Kreis-, Stadt- und Gemeindeebene passiert“. Sein Kollege Leif Bodin ergänzt: „Man darf sich wundern, wie einfach und direkt man selbst etwas vor Ort erreichen kann. Politik ist kein geschlossener Club von Alteingesessenen.“

Zu den Themen, die junge Leute bewegen, gehören laut Reichardt, Bodin, Andresen und Vriesema der Dauerbrenner „Zu wenig und zu teurer Wohnraum“, die Digitalisierung – „wir brauchen Glasfaser-Anschlüsse in jedem Dorf und in jedem Haus“ – , die Ausstattung von Schulen – unter anderem mit kostenfreiem WLAN –, die Elternbeteiligung an den Schülerbeförderungskosten, die Einführung von Schüler- und Azubi-Tickets im Öffentlichen Personennahverkehr – und da Veränderungen „im Kleinen“ anfangen (Andresen) – der Klimawandel. „Worüber sich Ältere Gedanken machen, ist auch für uns wichtig“, sagt Truels Reichardt und denkt dabei an die Bereiche Kindergartenplätze, Pflege und Rente – „natürlich beschäftigen wir uns damit“. Zu preisgünstigen Wohnungen unterstreicht er: „Insbesondere Städte wie Husum und Tönning und die Kommunen auf den Inseln müssen sich Gedanken darüber machen, um für junge Leute attraktiv zu sein.“ Mayra Vriesema erklärt: „Wie aber dieses Ziel erreicht werden kann – ob beispielsweise über private Bauträger oder öffentliche Wohnungsbaugenossenschaften – kann nur vor Ort entschieden werden.“ „Gerade uns Jüngeren brennt dieses Thema auf den Nägeln. Deshalb wirken wir alle in unseren verschiedenen Organisationen darauf hin, dass es aufgegriffen wird. Ähnliches gilt auch für den Ausbau der Kita-Plätze und die Entwicklug der Kita-Beiträge, was für junge Familien sehr wichtig ist“, greift Christopher Andresen den Faden auf.

Dass zur Politik gehört, die Finanzen im Blick zu haben, auch wenn das „nicht sexy“ ist, wirft Leif Bodin in die Runde: „Wer eine Forderung aufstellt, muss wissen, wie sie bezahlt werden kann und bereit sein, auf anderes zu verzichten – neben Zukunftsinvestitionen spielt der Schuldenabbau für uns alle eine große Rolle.“

Landrat Harrsen ist sichtlich beeindruckt von seinem engagierten Besuch und fühlt sich an seine eigene Jugend auf Pellworm erinnert. „Ich wollte mich immer einbringen und mitgestalten.“ Und diesen Anspruch hat Nordfrieslands Verwaltungschef damals unter anderem bei einer Schülerzeitung in die Tat umgesetzt.

Harrsen überlegt, den Jugend-Kreistag, in dem sogar Anträge formuliert werden dürfen, „mit Ihnen zusammen“ neu zu etablieren. Der junge Kreistag sei mangels Beteiligung eingestellt worden – „die Abgeordneten sind aber sehr aufgeschlossen“.

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