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MIt Spuk und viel Historie : Modernes Leben in altem Gemäuer

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Seit drei Jahren wohnt und arbeitet Alfred Jordy in Eiderstedts Herrenhaus Hoyerswort – und hat es keinen Tag bereut. Mit Café, Keramikwerkstatt und Ferienwohnungen finanziert er den Erhalt.

Um Schlösser und Herrenhäuser ranken sich oft die abenteuerlichsten Geschichten. Hoyerswort auf Eiderstedt macht da keine Ausnahme. Der einstige Adelssitz, der einzige auf der Halbinsel, soll im 17. Jahrhundert Schauplatz eines Dramas gewesen sein, bei dem der Teufel seine Hand im Spiel hatte und ein junges Mädchen zu Tode kam. Davon zeugt noch heute ein großer Blutfleck hinter einem Wandbehang im Festsaal. „Legende“, schmunzelt Alfred Jordy, der 2011 das prächtige Renaissance-Gebäude erwarb und seither nicht müde wird, seinen Besuchern aus der wechselvollen Geschichte dieses schönen Anwesens vor den Toren von Oldenswort zu erzählen.

Jordy hat Hoyerswort für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht und mit viel Einsatz und Energie zu einem kulturellen Anziehungspunkt für Einheimische und Touristen entwickelt: Café, Museum, seine Keramik-Werkstatt, der Festsaal als Veranstaltungsraum, das Gelände für Events, aber auch die Ferienwohnungen in historischem Ambiente haben sich zu Magneten für Besucher aus nah und fern entwickelt. Der Berliner Keramiker und Fayencen-Maler, der zuletzt lange auf Sylt lebte, hatte sich auf den ersten Blick in das eindrucksvolle Gebäude verliebt. „Es ist ein sehr interessantes Haus in einer schönen Umgebung“, sagt der 63-Jährige: „Man lebt hier wunderbar frei auf dem Land und genießt den weiten Blick auf einen unendlichen Horizont.“ Als Töpfer müsse man allerdings seine Arbeiten verkaufen können: „Aber eine gute Wohnlage mit dem Geschäft zu verbinden, ist nicht einfach“, stellt er fest. Auf Hoyerswort könne er beides in Einklang bringen. So zögerte er nicht, als der mehr als 400 Jahre alte, denkmalgeschützte Adelssitz zum Verkauf stand. „Erst aber musste ich mein Haus auf Sylt verkaufen“, berichtet der „Schlossherr“. Bereits einen Tag später unterschrieb er für Hoyerswort. Und erlebte beim näheren Hinschauen eine freudige Überraschung. „Ich hatte damit gerechnet, erst mal viel Geld in die Renovierung stecken zu müssen, aber das Haus war in einem recht guten Zustand“, sagt er. Der Denkmalschutz hatte vor 30 Jahren Hoyerswort aufwendig restauriert. „Trotzdem bleibt so ein historisches Gebäude natürlich eine endlose Aufgabe“, weiß der Künstler. Zumal zu dem weitläufigen Anwesen auch noch ein stattlicher Haubarg gehört, den Jordy langfristig zu einem Restaurant und Ausstellungsraum umbauen möchte. Die Baugenehmigung liege schon vor: „Aber so eine große Hausnummer lässt sich nicht von heute auf morgen verwirklichen.“

Intensiv hat sich Alfred Jordy mit der spannenden Geschichte des Herrenhauses auseinandergesetzt, selbst gründlich recherchiert und ein Buch geschrieben, das nicht nur die Vergangenheit von Hoyerswort lebendig werden lässt, sondern auch den aktuellen Aktivitäten des Keramikers Rechnung trägt und nicht zuletzt viel über die Kunst seiner Fliesenmalerei verrät. Jordy ist davon überzeugt, dass das Herrenhaus sogar noch älter als 1564 ist: „Viele Dokumente sind in den Wirren der Kriege verloren gegangen.“ Was dank erhaltener Schriftstücke verbürgt ist, hat der Künstler akribisch zusammengetragen. Der Rest ist Legende. Wie eben jene „Spukgeschichte“ von dem Mädchen, das bei einem großen Fest auf Hoyerswort nicht genug vom Tanzen bekam und übermütig verkündete, dass sie selbst dem Teufel keinen Tanz abschlagen würde. Der kam und tanzte mit ihr, bis sie einen Blutsturz erlitt und starb. Dieser Blutfleck an der Wand lässt sich nicht übermalen, heißt es. Noch heute soll die junge Frau im Saal spuken. Tatsächlich hat es eine Margareta Hans in Uelvesbüll gegeben, die am ersten Weihnachtstag 1614 mit 18 Jahren starb. Das soll die Tänzerin gewesen sein. „Klar, wenn auf einem großen Fest ein junges Mädchen zu Tode kommt, bietet das immer Anlass für Spekulationen. Es ist dann nur eine Frage der Fantasie, bis der Teufel da mitspielt“, meint Jordy. Er selbst beurteilt das Thema „Spuk“ ganz nüchtern: „In einem alten Haus knackt, ächzt und heult es immer irgendwo.“

Jordy hat ohnehin mehr als genug zu tun. „Ein Drittel des Tages verbringe ich in der Keramikwerkstatt, ein Drittel mit Renovierungen und ein Drittel mit Organisation und Buchhaltung“, listet der Künstler auf. Bereut hat er den Erwerb von Hoyerswort nie: „Ich habe nichts dagegen, hier alt zu werden, will aber bestimmt noch 20 Jahre arbeiten“, schmunzelt er. An Ideen mangelt es nicht: Zurzeit plant er einen Skulpturen-Park im ehemaligen Lustgarten zwischen Streuobstwiese und Wassergraben. Ein beschauliches Leben als „Schlossherr“ – für Alfred Jordy undenkbar.

Weitere Informationen unter www.hoyerswort.de und www.marschentoepferei.de, Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr, vom 6. Januar bis 21. Februar nur an den Wochenenden, Führungen: mittwochs, 15 Uhr. Telefon: 04864/2039838.

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