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Schifffahrtsmuseum Nordfriesland : Mitbringsel aus fernen Ländern

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

„Auf Frachtschiffreisen um die Welt“: Die neue Sonderschau im Schifffahrtsmuseum Nordfriesland beschäftigt sich mit der Zeit vor den Container-Riesen. Ein Teil der Ausstellung widmet sich Kapitän Paul Gerhard Braren.

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erstellt am 16.Apr.2015 | 11:00 Uhr

Am Anfang waren die Bilder: „Seit 15 Jahren hatten wir Gemälde von Paul Gerhard Braren im Archiv“, erzählt Karin Cohrs, die Leiterin des Schifffahrtsmuseums Nordfriesland. Der auf Föhr geborene Handelsschiffs-Kapitän (1923-1981) sei ein Multitalent gewesen – Seefahrer, Maler und Erzähler. „Aber für eine eigene Ausstellung hat das Material nicht ausgereicht.“ Das änderte sich, als dem Museum im vergangenen Jahr zwei Sammlungen von Weltenbummlern überlassen wurden, die als Gäste auf Stückgut-Frachtern mitgefahren sind: „Eine Lehrerin, die aus Übersee Schnitzereien und ein pensionierter Polizist, der Muscheln mitgebracht hat.“ Und das war der Startschuss für die aktuelle Sonderschau „Ferne Länder – Fremde Welten: Auf Frachtschiffreisen um die Welt“.

Besonders die großen Muscheln in allen Farben und Formen haben es Astrid Cohrs-Dreessen angetan. „So etwas darf man heute gar nicht mehr einführen“, sagt die Vorsitzende des sehr rührigen Fördervereins des Museums, der Anfang der Woche seine Hauptversammlung abgehalten hat. Und die kunstvollen Schnitzeren und Arbeiten aus Holz – Masken, Figuren, Musikinstrumente als Miniatur und im Original – erfreuen besonders die Museums-Chefin, die damit kunstvoll diverse Vitrinen im obersten Stockwerk des Hauses am Zingel 15 dekoriert hat. Andere Schaukästen zeigen große und kleine Miniaturmodelle der Frachtdampfer aus der Zeit, bevor die großen Container-Schiffe in den 70er Jahren den Stückgutfrachtern den Rang abliefen, Seekarten von 1914 bis in die Neuzeit geben den Besuchern einen Eindruck davon, wie die Schiffe navigieren mussten und ein großer Übersichtsplan der Handelsschiffs-Routen auf den Weltmeeren zeigt die Seewege und ihre Entfernungen zwischen den Häfen auf.

Doch zurück zu Braren, dessen Werke den Kern der Schau bilden. „Da haben wir ein bisschen Familienforschung betrieben und sind auf einige interessante Sachen gestoßen“, sagt Karin Cohrs. Zum Beispiel, dass er eine Husumerin geheiratet hat und seine Söhne in der Storm-Stadt geboren und aufgewachsen sind. „Und dass er nur ein Jahr lang als Kapitän gefahren ist, bevor er eine Stelle als Elblotse in Brunsbüttel annahm, um näher bei seiner Familie zu sein.“ Mit dem Malen begann er erst nach seinen Reisen in ferne Länder: „Alle Bilder sind erst Jahre später entstanden“, sagt Karin Cohrs. „Die Motive hat er aus dem Gedächtnis rekonstruiert.“

Einer seiner Söhne, der inzwischen auch schon im Ruhestand ist, hat zudem die drei Bände mit Erzählungen seines Vaters, die zunächst im Eigenverlag erschienen waren, noch einmal neu in Buchform herausgegeben – und natürlich sind auch die in der Ausstellung zu sehen. Wie ein großes Ölgemälde der „Portia“ samt einem von Braren handgeschriebenen Lebenslauf des knapp 69 Meter langen Schiffes, das als Frachtdampfer der Reederei A. Kirsten in Hamburg 1911 vom Stapel lief und gleich in beiden Weltkriegen diente: Von 1914 bis 1918 und wieder ab August 1940 als Lazarettschiff, wobei es jedoch nach dem Ausbleiben der Landung in England im November 1940 wieder zum Frachter umgewidmet wurde. Im weiteren Verlauf des Krieges wurde sie dann gleich drei Mal versenkt, das erste Mal im April 1941 durch Minentreffer vor Kiel, und nach Hebung und Reparatur ein zweites Mal im April 1944 durch Sabotage in Aalborg. Wieder gehoben und repariert, wurde ihr dann ein Luftangriff auf Hamburg im Oktober 1944 zum Verhängnis. Doch auch das war nicht das Ende der 968 Bruttoregistertonnen verdrängenden „Portia“, die 1948 erneut gehoben und 1949 in Dienst gestellt wurde und noch bis zur Abwrackung 1962 unterwegs war.

Noch ein zweiter Seemann hat in der Ausstellung seinen Platz gefunden: Heinrich Friedrich Gebhardt (1877-1927) fuhr von 1899 bis 1916 als Maschinist und Schiffsingenieur. Danach war er bis zu seinem Tod technischer Leiter der Alsterdampfer-Schifffahrts GmbH in Hamburg. Neben weiteren Schnitzereien sind zahlreiche Fotos zu sehen, die er von Übersee-Reisen mitgebracht hat und die dem Museum von seinen Nachfahren für die Sonderschau zur Verfügung gestellt wurden. Das Schifffahrtsmuseum Nordfriesland ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet.


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