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Pilotprojekt in Ahrenshöft : Mit Wasserstoff auf Zukunftskurs

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Auf der ehemaligen Kreis-Mülldeponie in Ahrenshöft könnte bald ein Wasserstoff-Pilotprojekt gestartet werden.

Im Abfallwirtschaftszentrum Ahrenshöft, dem Gelände der ehemaligen Kreis-Mülldeponie, bahnt sich Wegweisendes an. Angepeilt ist ein Wasserstoff-Pilotprojekt mit sogenannter Sektorenkopplung von Strom, Wärme und Verkehr. „Leider ist noch so gut wie nichts spruchreif“, sagte Michael Stürmann auf Anfrage unserer Zeitung. Er ist seit Anfang April alleiniger Geschäftsführer der kreiseigenen Abfallwirtschaftsgesellschaft Nordfriesland (AWNF).

Ausgangspunkt aller Überlegungen ist die Tatsache, dass das bislang kostengünstig aus dem abgedeckten Müllberg gewonnene Deponiegas langsam aber sicher versiegt. Das nutzen die auf dem Areal tätigen Entsorgungsunternehmen, um mittels Generatoren Strom für ihre energieintensiven Sortier- und sonstigen Anlagen zu gewinnen. Ihr Verbrauch bewegt sich immerhin bei einer Million Kilowattstunden pro Jahr, weiß Michael Stürmann. Schon sein Vorgänger Hans-Joachim Alfeld, der Ende März in Ruhestand gegangen war, hatte sich intensiv mit der Frage auseinander gesetzt, welche Energie-Optionen und wirtschaftlichen Lösungen sich in Ahrenshöft anbieten, wenn kaum mehr Deponiegas zur Verfügung steht. Denn dann kommen erhebliche Kosten auf die AWNF zu, die rechtfertigen, dass sich diese an einem Modellprojekt beteiligt.

Auch der Fraktionsvorsitzende der Grünen im nordfriesischen Kreistag und stellvertretende Landrat, Uwe Schwalm, beschäftigt sich bereits seit Längerem mit dieser Thematik. „Dringend notwendig ist ein Konzept, wie unter den derzeitigen Bedingungen die verschiedenen Energieträger und -verbraucher möglichst wirtschaftlich über den Wasserstoff zusammengebunden werden können“, betonte er jüngst dazu im Kreistag. Die Ex-Mülldeponie in Ahrenshöft bietet dafür nach seiner Einschätzung gute Voraussetzungen. So könnten Dachflächen mit Photovoltaik-Anlagen zur Wasserstoff-Produktion bestückt und auch die vier Bestandsschutz genießenden Windkraftanlagen, für die es jedoch von 2020 an keine Einspeisevergütung geben wird, für diesen Zweck eingesetzt werden. Erzeugter Wasserstoff, so skizziert es Schwalm, könnte gleich auf mehrerlei Weise sinnvoll genutzt werden: Ein Teil würde in die vorhandene Biogasanlage eingespeist, um die Methan-Produktion zu steigern, einen anderen – etwa zehn Prozent – könnte die angrenzende Erdgasleitung aufnehmen und somit für die Wärme-Erzeugung nutzbar machen. Und im Zuge der Neu-Ausschreibung im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) könnte erzeugte Energie selbst verbraucht werden, indem Wasserstoff-Busse auf Tour gehen.

„Das stünde unserem klimafreundlichen Kreis gut zu Gesicht und würde darüber hinaus einiges an EEG-Umlage einsparen“, sagt Uwe Schwalm, dem es darum geht, dass ein mit öffentlichen Fördermitteln auf Spur gebrachtes und von der Forschung begleitetes Pilotprojekt nicht nur sinnvoll ist, sondern sich letztlich auch wirtschaftlich rechnet. „Wasserstoff wird immer noch unterschätzt. Dieser ist ein hervorragender Vermittler zwischen den verschiedenen erneuerbaren Energien“, betont der Grünen-Kreispolitiker. Er ist zuversichtlich, dass sich ein Vorhaben mit Pilotcharakter für die Westküste und ganz Schleswig-Holstein realisieren lässt. „So ein Masterplan ist natürlich nicht umsonst zu haben“, hofft Schwalm auch auf Unterstützung seitens des Landes.

Gespräche mit möglichen Partnern gab es bereits, beispielsweise mit der Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein GmbH (EKSH), die neben Bildungsprojekten auch Wissenschaft und Forschung in Energie und Umweltschutz fördert, oder mit dem innovativen Unternehmen GP Joule in den Reußenkögen. Zurzeit befinden sich alle Beteiligten noch im Stadium der Projektfindung, sagt Michael Stürmann. Denn es gibt auch eine Reihe logistischer Herausforderungen, wie eine ausreichende Zahl von Wasserstoff-Tankstellen. Aber, so der AWNF-Geschäftsführer: „Wir sind alle Feuer und Flamme für das Projekt.“

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erstellt am 29.Jun.2017 | 07:46 Uhr

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