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Flensburger Museumsschiff im Husumer Hafen : Mit Video: „Alexandra“ dampft – aber nur an der Kaimauer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Flensburger Museumsschiff muss länger im Husumer Hafen liegen, weil die Genehmigung für die Rückfahrt fehlt.

Husum | Das neue Herz der „Alexandra“ hat angefangen zu schlagen: Am Mittwochmittag um 12.42 Uhr wurde in dem auf der Husumer Werft frisch eingesetzten Austauschkessel des Flensburger Salondampfers erstmals das Feuer entfacht.

„Wir müssen ganz langsam anfangen, damit keine Risse entstehen“, sagt Michael Klotz vom Förderverein des unter Denkmalschutz stehenden Museumsschiffes. Der 59-jährige Maschinist, der vor seiner Pensionierung 30 Jahre lang zunächst zivil und dann auf Schiffen der Deutschen Marine zur See gefahren ist, leitet die langwierige Prozedur und beobachtet, wie Saskia Zwerner und Dennis-Christian Stamm Kiefernholzscheite in die Feuerklappen schieben. Beide gehören ebenfalls dem Förderverein an und wollten eigentlich wie Klotz bis Sonntag an Bord bleiben. Dann hätte die „Alexandra“ wieder in ihrem Heimathafen anlegen sollen. Freitagmorgen bei Sonnenaufgang sollte die Reise durch Nordsee, Nord-Ostsee-Kanal, Ostsee und Förde beginnen.

Daraus wird nun nichts: „Die Schiffssicherheitsbehörde gibt uns wegen einer fehlenden Zulassungsgenehmigung keine Erlaubnis für die Überführung der ,Alexandra‘ am kommenden Wochenende“, teilt Kapitän Günter Herrmann am Nachmittag lapidar mit. Die Rückfahrt muss verschoben werden. Aber immerhin ist der neue Kessel schon erfolgreich angeheizt.

Angeheizt: Saskia Zwerner (l.) und Dennis-Christian Stamm schieben Kiefernholzscheite in die Feuerklappen.
Angeheizt: Saskia Zwerner (l.) und Dennis-Christian Stamm schieben Kiefernholzscheite in die Feuerklappen. Foto: Fotos (3): Stefan Petersen
 

Das geht nur unter ständiger Aufsicht. „Wir haben hier sozusagen ein Feldlager aufgeschlagen, denn Kabinen hat die ,Alex‘ schon lange nicht mehr – und wenn das Schiff unter Dampf ist, muss rund um die Uhr eine Kesselwache stehen“, so Klotz.

Als die zwei fürs Anheizen vorgesehenen Kubikmeter Holz verfeuert sind und die Feuchtigkeit aus dem jungfräulichen Kessel gebrannt ist, wird er erstmals mit Kohle bestückt. „Jeweils vier Tonnen haben wir am Montag in die beiden Bunker geladen“, sagt Klotz. Wie viel davon für die Überfahrt benötigt wird, kann er nicht abschätzen: „Wir haben ja nur die Verbrauchswerte vom alten Kessel. Mit dem haben wir bei der Anreise vier Tonnen für die Strecke benötigt.“ Als Faustregel für den Verbrauch galten damals 500 Kilogramm des „schwarzen Goldes“ für das Anheizen und 150 Kilogramm pro Fahrstunde.

Auch Ventile und Anschlüsse wollen kontrolliert sein. Mit einem Stethoskop horcht Klotz die Strömungsgeräusche ab. Auch wenn der Dampfer – trotz fehlenden Zertifikats – technisch für die Überführung bereit ist, sind noch lange nicht alle Arbeiten erledigt.

Konzentriert: Michael Klotz lauscht auf die Strömungsgeräusche.
Konzentriert: Michael Klotz lauscht auf die Strömungsgeräusche.
 

„Den Feinschliff machen wir in Flensburg“, sagt Kapitän Herrmann. Noch sieht das Innere des Schiffes seiner Ansicht nach aus wie „Wallensteins Heerlager“. Aber es war ja auch eine gewaltige Reparatur, der sich die 108 Jahre alte Dame am Kai der Husumer Dock und Reparatur GmbH unterziehen musste. „Das ist letztendlich eine Operation am offenen Herzen gewesen“, sagt Herrmann. Und auch, wenn die „Alexandra“ am Freitag – noch – nicht ablegen darf: „Den Kessel überhaupt in Betrieb zu nehmen war schon ein ganz gewaltiger Schritt in Richtung Flensburg.“

Für den Kapitän war es ein Gänsehaut-Moment, als die ersten Flammen in der Austauschanlage loderten. Seine Crew unter Deck sieht das Ereignis allerdings weniger emotional: „Bei Maschinisten dürfen keine Gefühle hochkommen“, sagt Klotz. „Wir sind dafür da, den Betrieb sicherzustellen und aufzupassen, das alles klappt. Müssen wir erst einmal anfangen zu arbeiten, dann liegt das Schiff still.“ Das tut es aber nicht nur, wenn die Technik versagt, wie der gestrige Tag zeigte: Es reicht auch ein fehlendes Stück Papier.

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erstellt am 01.Feb.2017 | 18:42 Uhr

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