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Ein Hof als Starthilfe : Mit Unterstützung in die Normalität

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Dreesenhof in den Reußenkögen, der von der Arbeiterwohlfahrt betrieben wird, hat Platz für 24 Nutzer. Sie lernen dort, sich wieder im Leben zurechtzufinden und Strukturen für sich zu schaffen.

Batterie auf Null, keine Starthilfe in Sicht. Die Vergangenheit trägt schwer, der Blick in die Zukunft ist trüb und ungewiss. Kein leichter Ausgangspunkt für Menschen, die den Antrieb für das eigene Leben aus unterschiedlichsten Gründen verloren haben. Eine Art Überbrückungskabel bietet der Dreesenhof in den Reußenkögen, eine Tages- und Beschäftigungsstätte der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Schleswig-Holstein gGmbH. Die Nutzer der Einrichtung lernen, sich wieder im Leben zurechtzufinden und Strukturen für sich zu schaffen. Sie haben psychische und/oder Suchterkrankungen, Behinderungen oder sie sind Langzeitarbeitslose sowie Kunden des Sozialzentrums unter 25 Jahre. Sie alle finden für mehrere Stunden täglich Aufgaben, Aufmerksamkeit und Unterstützung, um ihr Leben künftig wieder selbstständig zu meistern. Die Arbeitsfähigkeit wird erweitert, die Persönlichkeit gefördert, das Selbstwertgefühl gesteigert, soziale Kontakte aufgebaut und damit das eigene Ich gestärkt.

Die Betreuungs- und Trainingsangebote sind für die Nutzer der Beschäftigungsstätte anders gegliedert als in der Tagesstätte. Während der Fokus in der Beschäftigungsstätte auf den Erwerb von praktischen Kenntnissen und Fähigkeiten liegt, wie Hausmeister-, Garten- und Landschaftsarbeiten, geht es in der Tagesstätte vorrangig um die Stabilisierung der Tagesstruktur, wie Haushaltsführung mit Ernährung und Kochen, Kalkulation der finanziellen Mittel, Ämter- und Behördengänge, Sicherstellung notwendiger ärztlicher Versorgung sowie kreatives Gestalten.

Der Dreesenhof bietet genügend Platz für die bis zu 24 Nutzer und den Mitarbeitern aus den Bereichen Sozialpädagogik, Sozialarbeit, Erziehung und Sucht. Leiter des Hofes ist Jan Hoppach. Der Heilpädagoge und Suchtexperte rief das Projekt einer Beschäftigungsstätte 2005 ins Leben, seit 2008 dient der Dreesenhof dafür als fester Standort. 2012 wurde die Niebüller Awo-Tagesstätte komplett in die Reußenköge verlegt. Vermieter des Gebäudes ist die Windparkgesellschaft des Bürgerwindparks III Reußenköge, Kostenträger der Kreis Nordfriesland. Umgebaut wurde der Hof in Eigenregie der Mitarbeiter und Nutzer.

Sowohl die Windparkgesellschaft, als auch die Gemeinde stehen hinter dem Projekt, sehen sich als nachbarschaftlich-kooperative Partner. So bestehen beispielsweise Kooperationsverträge, wie für die Pflege der Windkraftanlagen-Sockel. Jüngst unterstützte die Gesellschaft die Einrichtung im Rahmen von Renovierungsarbeiten sehr großzügig, erzählt Jan Hoppach. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und bietet den Nutzern neue Aufgabenbereiche. Neben einer Fahrradwerkstatt entstand auch eine kleine Tischlerei, wobei die gemeinnützigen Bereiche in keiner Konkurrenz zu Firmen stehen. Das Angebot kann zwar gegen eine Spende von der Öffentlichkeit genutzt werden, allerdings ohne Garantie. Im Vordergrund der neuen Werkstatt steht die Beschäftigung. Zurzeit werden auch Baumstämme, die durch die Stürme umgekippt sind, zu Brennholz verarbeitet. In der Kreativ-Werkstatt gestalten die Nutzer mit Holz, Farbe, Wolle und Filz.

Sonnabends und Sonntags ruht der Dreesenhof. Zum Start in die neue Woche kommen dann alle wieder zusammen unter dem Dach der Einrichtung, die ihnen ein Stück Lebensqualität zurückbringt – wenn sie es denn wollen. Denn es gibt durchaus Rückfälle. Aber auch während des wiederholten Stolperns durchs Leben werden die Nutzer nicht alleine gelassen. Es besteht ein Netzwerk mit verschiedensten Einrichtungen, die dann Unterstützung anbieten.

Vielen Nutzern dient der Hof als Starthilfe in eine Zukunft, in der die Vergangenheit ist, was sie ist und die Gegenwart Neues bietet.

Kontakt: 04674/962058, jan.hoppach@awo-sh.de.


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erstellt am 28.Jan.2014 | 17:30 Uhr

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