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Husumer Nachrichten

23. September 2017 | 06:03 Uhr

Bordelum : Mit und von der Natur lernen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Eine Woche lang stand bei Viertklässlern der Grundschule und Kita-Kinder Natur auf dem gemeinsamen Stundenplan. Das Angebot reichte von Exkursionen bis hin zum Ofenbau.

Liane Johannsen und Sophie Bahnsen aus der vierten Klasse der Grundschule Bordelum sind in ihrem Element. Gemeinsam mit dem Biologen und ehrenamtlichen Mitarbeiter des Naturzentrums Mittleres Nordfriesland in Bredstedt, Volker Weinreich, fischen sie mit einem Kescher Lebewesen aus dem nahen Mühlenteich, um sie behutsam in mit Wasser gefüllten Gläsern zu bergen. Anschließend wollen sie im Naturzentrum unter dem Mikroskop bestimmen, um welche Tiere es sich handelt und den Experten bitten, ihnen alles darüber zu erzählen. Mit von der Partie ist auch die Ehrenamtlerin Conny Behl-Batze, die gemeinsam mit Weinreich einer altersgemischten Gruppe von etwa 15 Kindern aus der Evangelischen Kindertagesstätte Bordelum sowie der Grundschule betreut.

Den Rahmen bildet das einwöchige einrichtungsübergreifende Projekt mit dem Titel „Naturwoche“. Jedes der insgesamt 164 Kinder – davon 108 aus dem Kindergarten – hat freie Auswahl aus neun Projekten, darunter Bernsteinschleifen und Erkundung der Ausstellung im Naturzentrum, Nistkästenbau mit Lorenz Simonsen, Objekte aus der Natur basteln mit Ose Oldsen, Wanderung im Stollberggebiet mit Bärbel Becker, Kochen am offenen Feuer, Bau eines Lehmofens, den Fledermäusen auf der Spur mit Karl-Heinz Thiessen und mit dem Jäger auf Pirsch.

Stolz sind Liane und Sophie auf ihren Fang. Libellen- und Mückenlarven, Hüpferlinge und sogar ein junger Flohkrebs schwimmen nun in der Plastikschüssel unter dem Mikroskop. Fasziniert hören nicht nur sie den Erzählungen des Biologen zu, sondern auch ihre Mitstreiter. Zu jeder Tierart gibt es interessante Informationen. „9.500 Flohkrebs-Arten gibt es. Das entspricht nur einem Viertel der bis zu 40.000 weltweit vermuteten Arten“, erzählt Weinreich. Auf die Frage „Wusstet ihr, dass die Libellenlarven über den Darm atmen?“ hört er ein einstimmiges „Nein“.

Auch die Kita-Kinder sind ganz wissbegierig bei der Sache. „Es ist bemerkenswert, dass alle Kinder von der vierten Klasse bis zum Kleinkind mit gleichem Interesse und erstaunlicher Ausdauer bei der Sache sind“, staunt Weinreich am Ende des Vormittags nicht schlecht. Unter dem Mikroskop würden alle Tiere plötzlich erschreckend groß. Das allein sei ein Aha-Erlebnis. Auch das Verständnis, dass es sich um Lebewesen handelt, sei bei den Kids gestärkt worden. Besorgte Fragen nach genug Wasser hätte das bestätigt. Am Ende der kleinen Exkursion werden alle Tiere wieder in ihr Element entlassen, diesmal in den Teich des Naturzentrums.

Auch Ehrenamtler Willi Klang, der eine Gruppe durch das naturkundliche Domizil führt, lobt die Kinder. Sie seien sehr interessiert. Besonders die Themen Müll in den Meeren habe sie angesprochen und ihnen noch einmal verdeutlicht, dass Abfall in die Tonne gehört und nicht ins Wasser oder in die freie Natur. Aufmerksamkeit erregen die ausgestopften Seehundbabies. „Die dürft ihr aber nie in der Natur streicheln, sonst nehmen die Mütter sie nicht mehr an“, warnt Klang. „Wenn sie kein Naturfreund findet, müssen sie elendig sterben.“ Das haben sie verstanden – und noch eines: Er habe beobachtet, so Klang, wie rührend sich die älteren um die jüngeren Kinder kümmerten und ihnen auch das eine oder andere zeigten. „Das ist wirklich eine gute Konstellation – Groß und Klein agieren und lernen zusammen“, sind sich Schulleiterin Ilka Jakoby und Kita-Leiterin Bärbel Becker einig.

„Die Kinder waren sehr motiviert“, bestätigt Christen Hingst, pensionierter Grundschullehrer aus Hattstedt. Er hat mit einer Gruppe kleine Lehmöfen gebaut, die nicht nur zum Anschauen gedacht sind. Nach getaner Arbeit zeigt er den Mädchen und Jungen, wie man gefahrlos Feuer macht. Jeder darf seinen Apfel oder sein Brot braten. „Das macht echt Laune“, sagt Rune Matthiesen aus der dritten Klasse. Er hat an dem Ofen mitgebaut.

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