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Koldenbüttel : Mit Strom den Fischen auf der Spur

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Vor dem Umbau des Schöpfwerks Saxfähre in Koldenbüttel soll der Fischbestand ermittelt werden. Dazu wurde Elektrofischerei betrieben. Die Tiere werden durch den Strom kurz betäubt, dann können sie genau vermessen werden.

Fast schon in einen Parkplatz hat sich die kleine Straße Freesenkoog in Koldenbüttel an diesem Vormittag verwandelt. So viel Verkehr direkt vor dem Schöpfwerk Saxfähre gibt es dort am Eiderdeich auch nicht zur Hochsaison. Kein Wunder also, dass Fahrradfahrer anhalten und neugierig zuschauen, wie Mitarbeiter der Fischereiaufsicht des Landes ein Aluminiumboot direkt vor dem Schöpfwerk zu Wasser lassen. Mit dabei auch Vertreter des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN), des Landessportfischerverbandes sowie des Kreisangelverbandes. Doch warum soll in diesem schmalen Wasserlauf überhaupt ein Boot eingesetzt werden ? Schließlich können Angler die ganze Gewässerbreite locker befischen. Nicht dem Hobby dient die Aktion, sondern der Bestand der Fische wird genau unter die Lupe genommen.

Der Biologe Dr. Martin Purb hat dazu neben einem Generator für die Stromerzeugung auch einen gut drei Meter langen Elektrokescher dabei. Denn nur mit dieser Fangmethode lassen sich relativ zuverlässig sämtliche Fischarten sehr schonend fangen, vermessen und später wieder in das Gewässer aussetzen. Hintergrund der Fangaktion an diesem trüben Vormittag mit ganz leichtem Nieselregen ist der geplante Umbau des Schöpfwerks in eine „fischfreundliche Anlage“.

Schon seit Jahren beschäftigen sich eine lokale Agenda-21-Gruppe aus Koldenbüttel und der Kreisanglerverband mit diesen Plänen. Zunächst bestand wegen der immer geringer werdenden Aalfänge der Verdacht, dass durch das Schöpfwerk die Einwanderung von Jungaalen aus der Eider verhindert wird. Doch schon bald wurde klar, dass auch die laichbereiten Blankaale nur durch die Schöpfwerkspumpen in Richtung Eider und weiter Richtung Nordsee gelangen konnten. Sie werden aber in den zwei Pumpen mit einer Gesamtleistung von maximal 2,7 Kubikmeter in der Sekunde regelrecht geschreddert. Das bedeutet für das hinter der Saxfähre liegende 38 Kilometer lange Gewässersystem, das 1786 Hektar entwässert, dass der Aalbestand sich nicht regenerieren kann. Und auch andere Fische sind betroffen, wie Jürgen Töllner vom Kreisanglerverband erläutert. Doch bevor das Land viel Geld für einen fischgerechten Umbau des Schöpfwerkes ausgebe, müsse der Bestand ermittelt werden, erläutert Stefan Schrader vom LKN. Schließlich soll es ein Modell für das ganze Land werden. Im Frühjahr soll nochmals eine Elektrobefischung stattfinden – für diese Fangmethode hat Martin Purp auch an diesem Tag sein Equipment mitgebracht.

Beim Elektrofischen schwimmt die Kathode (Minuspol), bestehend aus einem geflochtenen Metallband, im Wasser. Die Anode (Pluspol) wird am Kescher angebracht. Da Fische sehr empfindlich sind, spüren sie den Elektronenüberschuss am Pluspol, der mit dem Kescher ins Wasser getaucht wird. Durch den Stromfluss werden sie leicht betäubt und können nun mit dem Kescher ganz einfach eingefangen werden. Dieser Ablauf wird sehr schnell durchgeführt, der Stromfluss sofort wieder abgeschaltet, so dass bei den Fischen keinerlei Schäden entstehen. Die Betäubungszeit ist relativ kurz. Vorsicht ist aber geboten, denn Wasser und Strom vertragen sich bekanntlich nicht. Daher trägt Purb nicht nur Gummistiefel, auch an den Händen hat er dicke Gummihandschuhe.

Begonnen wird direkt vor dem Schöpfwerk – da geht dem Kieler Biologen gleich ein guter Hecht ins Netz. Schnell wird er in einen der mit Wasser gefüllten Bottiche geschüttet, damit er später genau vermessen werden kann, ehe er wieder in die Freiheit entlassen wird.

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erstellt am 07.Okt.2015 | 11:30 Uhr

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