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20 Jahre Region Sønderjylland-Schleswig : Mit Respekt vor den Unterschieden

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

20 Jahre deutsch-dänische Zusammenarbeit: Kreistag Nordfriesland erneuert Bekenntnis zur Region Sønderjylland-Schleswig.

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erstellt am 13.Okt.2017 | 14:00 Uhr

Region Sønderjylland-Schleswig – von der grundsätzlichen Entwicklung her ein Erfolgsmodell, dessen 20-jähriges Bestehen allemal wert ist, gefeiert zu werden. Aber dabei nur auf „Friede, Freude, Eierkuchen“ zu machen, wäre jetzt auch nicht ganz ehrlich. So enthielten die Lobeshymnen, die im nordfriesischen Kreistag auf die deutsch-dänische Zusammenarbeit in der Grenzregion gesungen wurden, denn auch den einen oder anderen kritischen Unterton.

Doch dem Pathos, der in diesen noch vor die übliche Einwohnerfragestunde gesetzten Tagesordnungspunkt gelegt wurde, tat dies keinen Abbruch. Schließlich hatte man sich vorgenommen, am Ende in der sogenannten Husumer Erklärung einstimmig die grenzübergreifende Zusammenarbeit als „konstitutives Element des europäischen Einigungsprozesses“ zu bekräftigen. Das Miteinander in der Region Sønderjylland-Schleswig – auf dänischer Seite die vier Kommunen Tønder, Aabenraa, Haderslev und Sønderborg sowie die Region Syddanmark; auf deutscher Seite die Kreise Nordfriesland und Schleswig-Flensburg sowie die Stadt Flensburg – ergänze die europäische Integration auf regionaler Ebene und trage dazu bei, Standortnachteile von Grenzregionen aufgrund ihrer Randlage sowie national unterschiedlicher Strukturen und Rechtsrahmen zu überwinden. Die Zusammenarbeit schaffe einen „europäischen Mehrwert, der politisch, institutionell, wirtschaftlich, sozial und kulturell nachweisbar ist“, heißt es in der dreiseitigen Erklärung. „Es ist nochmal ein klares Bekenntnis zur deutsch-dänischen Zusammenarbeit“, fasste Kreispräsident Heinz Maurus das Zehn-Punkte-Papier zusammen.

Zur Feier des Anlasses waren auch Hans-Philip Tietje, Vorsitzender der Region Sønderjylland-Schleswig, und der Geschäftsführer des Regionskontors, Peter Hansen, ins Husumer Kreishaus gekommen. „Die Westküste prägt unsere Grenzregion insgesamt“, sagte Tietje. „Das Wattenmeer und die Inseln sind identitätsstiftend.“ Und unzählige deutsch-dänische Kulturprojekte seien mit nordfriesischer Beteiligung erfolgreich umgesetzt worden. „Wir sind zusammengewachsen – es besteht ein freundschaftliches Verhältnis zwischen den Nachbarn in der Grenzregion“, so Tietje. „Wir haben uns von einem Gegeneinander zu einem Miteinander bewegt. Und daran haben auch die Minderheiten von beiden Seiten der Grenze einen großen Anteil.“ Nach Tietjes Ansicht ist das Fundament für die guten Beziehungen untereinander mit der kulturellen Zusammenarbeit gelegt worden. Das müsse aber gepflegt werden, sonst verwittere es. „Und wenn sich das Fundament auflöst, dann kann es uns passieren, dass das ganze Haus einstürzt.“ Die Zusammenarbeit werde nie stärker als die Partner sich werden ließen, so der Gastredner: „Sie basiert auf dem Respekt vor den Unterschieden und dem Dialog auf Augenhöhe.“

Mit der Tatsache, dass nicht immer alles perfekt zusammenpasse, müsse man leben. „Unsere permanente Aufgabe ist es, die Hindernisse und Mobilitätsbarrieren zu minimieren“, sagte der Vorsitzende der Region und räumte ein, dass die vergangenen Jahre in dieser Hinsicht eine besondere Herausforderung waren. „Die dänischen Grenzkontrollen wurden Anfang 2016 als Folge der Flüchtlingskrise eingerichtet – das war bestimmt nicht gut. Ich erkenne an, dass es eine Zeit lang notwendig war, hoffe aber auch, dass die Situation an den dänischen Außengrenzen so weit stabilisiert werden kann, dass man die Kontrollen zwischen Dänemark und Deutschland wieder aufheben kann.“

In der Aussprache betonte Jörg von Sobbe, dass es in den zwei Jahrzehnten nicht immer leicht gewesen sei, „die verschiedensten Ideen und Standpunkte deckungsgleich zu bekommen – waren doch die Voraussetzungen in den beiden Grenzregionen kommunalpolitisch, wirtschaftlich und kulturell sehr unterschiedlich“. Doch mit dem guten Willen auf beiden Seiten, so der CDU-Abgeordnete, habe sich „eine hervorragende Zusammenarbeit herausgebildet, so dass wir heute die Grenze kaum noch wahrnehmen“.

Fast 700  000 Menschen lebten in der Grenzregion zwischen Dänemark und Deutschland, rechnete Jörg Tessin (FDP) vor – „davon zirka 225.000 nördlich und 440.000 südlich der Grenze“. So wie Pflanzen Licht und Wasser zum Gedeihen benötigten, müsse auch die Region immer wieder mit Ideen gefüttert werden. „Andernfalls verkümmern gute zwischenstaatliche Bemühungen und gute Nachbarschaft.“ Es gelte, alles Verbindende zu fördern und Trennendes zu vermeiden.“ Tessin richtete an Dänemark die Bitte, „nochmal genau darüber nachzudenken, ob Militär die richtige und einzig mögliche Lösung für eine Abschottung gegenüber dem Süden ist“.

In diese Kerbe schlug auch Kerstin Mock-Hofeditz (Grüne), die ansonsten davon sprach, „dass es eine wahre Freude ist, wie viele regionale Initiativen sich auf so vielen verschiedenen Ebenen entwickelt haben“. Offene Grenzen gehörten zu einem erlebbaren Europa dazu, sagte sie: „Unverständlich, dass Dänemark nach außen hin das Signal eines Militärstaates vermitteln möchte.“

Zumindest gefühlt sei man in der Region schon mal weiter gewesen, erklärte Ulrich Stellfeld-Petersen. So sei von mehreren grenzüberschreitenden Fachausschüssen, die es noch vor acht Jahren gegeben habe, nur noch der Kulturausschuss übrig geblieben. „Da muss noch mehr gehen, wenn wir eine ideale Entwicklung Süd- und Nordschleswigs anstreben“, so der SSW-Abgeordnete. Die Husumer Erklärung zeige auf, „wie dieser Weg verlaufen könnte – vorausgesetzt, alle Partner ziehen da mit“.

Carsten F. Sörensen (SPD) hielt es für geboten, über dieses „alles umfassende“ nordfriesische Papier „möglichst umgehend“ miteinander ins Gespräch zu kommen: „Was halten unsere dänischen Partner davon: Sehen sie das ähnlich oder haben sie andere Vorstellungen?“ Jürgen Jungclaus (Wählergemeinschaft NF) bezeichnete die Erklärung als „zukunftsweisende Willensbekundung“. Sie beschreibe ein Zukunftsbild, „wie eine gute, grenzübergreifende Zusammenarbeit dazu beitragen kann, dass Regionen zueinander finden“. In dieses „gute Zukunftsbild“ passe allerdings eines nicht rein, wie auch Manfred Thomas (Die Linke) noch einmal deutlich machte: „Nämlich die Kontrolle des Militärs an den Grenzen. Wir waren der Auffassung, dass diese Zeiten überwunden sind.“

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