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Husumer Nachrichten

12. Dezember 2017 | 19:30 Uhr

Polizei machtlos : Mit Raketen gegen Krähen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Geschützte Vögel werden in Friedrichstadt bereits seit Jahren unter Feuer genommen. Die Polizei ist machtlos und sucht schon seit langem die Feuerwerks-Fanatiker. Den Tätern drohen im Extremfall sogar Haftstrafen.

von
erstellt am 21.Apr.2015 | 13:00 Uhr

Nicht jeder Friedrichstädter mag die Krähen. Daher werden schon seit Jahren immer wieder Diskussionen darüber geführt, wie die schwarzen Singvögel aus der Innenstadt vertrieben werden können. Schließlich haben sich bereits mehrfach Gäste der Stadt darüber beschwert, dass sie in den Straßencafés und -restaurants immer unter Sonnenschirmen sitzen müssen, um nicht dem Unrat der Krähen ausgesetzt zu sein.

Vertrieben wurden die Vögel mittlerweile aus großen Bereichen der Innenstadt, denn ein Baumgutachter hatte festgestellt, dass viele der alten Bäume nicht mehr standfest waren, beziehungsweise die Kronen gekappt werden mussten. Dadurch verloren die Tiere ihre Nistplätze und suchten sich neue Standorte. Doch in Friedrichstadt wurden immer die Regeln des Tierschutzes eingehalten. So gab es keinerlei Vergrämungsaktionen während der Nist- und Brutzeit. Nun allerdings wurde darauf keine Rücksicht mehr genommen.

Vermutlich ein Anlieger aus dem Bereich Seebüll, direkt am ehemaligen Schulwald und heutigen Naturerlebnisraum gelegen, bekämpft die Krähen mit Raketen. Zumindest klagen mehrere Bürger der Stadt darüber, dass immer wieder in den frühen Morgenstunden Luftheuler und laute Knallgeräusche zu hören sind. Offensichtlich werden Feuerwerkskörper gegen die Krähen eingesetzt. Das bestätigt auch Jan Peters von der örtlichen Polizeistation. Bislang allerdings sei noch kein Schütze ermittelt worden. Er selbst vermutet hinter den Knallattacken den Versuch, die letzten Krähen aus dem Naturerlebniswald zu vertreiben, kann dies aber nicht beweisen.

Bevor die Umgestaltung des kleinen Waldstreifens in einen Naturerlebnisraum vorgenommen wurde, brüteten Krähen in großer Zahl auf den hohen Pappeln, die mittlerweile nahezu alle der Motorsäge zum Opfer gefallen sind. Nur noch vier Nester sind in den verbliebenen Pappeln vor Ort. Dabei, so unterstreicht Rüdiger Albrecht vom Landesamt für Umwelt- und Natur in Flintbek, sei seinerzeit die Förderung des Naturerlebnisraumes nur mit der Auflage erfolgt, die dort brütenden Krähen weiterhin zu schützen.

Der Angriff auf die Krähen Mitte April ist seiner Einschätzung nach zudem ein Wendepunkt. Denn bislang ging es den noch immer unbekannten Tätern darum, die Tiere am Nestbau zu hindern. Jetzt allerdings liegen in den Nestern bereits Eier und die ersten Küken seien geschlüpft, unterstreicht Albrecht. Damit werde juristisch zudem aus einer Ordnungswidrigkeit eine Straftat. Denn laut Bundes-Naturschutzgesetz kann das Töten einer geschützten Art mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bestraft werden.

Schon im vergangenen Jahr, so Albrecht weiter, seien immer wieder Anzeigen bei der örtlichen Polizei eingegangen, jedoch wären die Feuerwerkskörper immer im März abgebrannt worden. Ihm sei im ganzen Land nichts Vergleichbares über Jahre hinweg bekannt, zumal die Krähenvertreiber auch auf dem Halbmondgelände, in unmittelbarer Nachbarschaft des großen Campingplatzes, aktiv seien.

Nach Albrechts Einschätzung müsse dringend ein Konzept her, um das Miteinander von Krähen und Bürgern entspannter zu gestalten. Nur Bäume abholzen sei keine Lösung, die Tiere würden einfach nur ein wenig weiterziehen und das Problem werde dadurch nur verlagert.

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