Husum : Mit Pioniergeist in die Zukunft

Die Stadtwerke wollen die Energiewende zu einer großen Wirtschaftsinitiative nutzen - und die Menschen in der Region dabei mitnehmen

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16. März 2013, 09:05 Uhr

Husum | Die Stadtwerke stehen vor einem Aufbruch, der das Unternehmen in den nächsten Jahren verändern wird. Die Geschäftsführer Benn Olaf Kretschmann und Norbert Jungjohann berichten den Husumer Nachrichten im Vorgriff auf die New-Energy-Messe, die am Donnerstag beginnt, von ihren Zukunftsplänen.

Sie haben eine neue Strategie für die Stadtwerke entwickelt und das Zukunftsprojekt "Husum im Aufwind" initiiert. Was hat es damit auf sich?

Kretschmann: Ausgangspunkt für unsere Strategie sind die großen Veränderungen im Bereich der Energie- und Wasserversorgung, vor denen wir stehen. Die Energiewende ist eine Infrastrukturwende, die unser Umfeld umwälzen wird. Die Art, wie wir Energie erzeugen, verteilen und verbrauchen, wird sich auch an unserem Standort grundlegend ändern.

Jungjohann: Wir sehen darin enorme Chancen für den Standort und die Stadtwerke, ein Wachstums- und Wohlstandsmodell. Schon vor einigen Jahren wurden Entwicklungskonzepte mit Zukunftsszenarien für unsere Region entwickelt. Eines davon hieß "Husum im Aufwind". Das haben wir zur Grundlage einer neuen Strategie namens "Agenda 2017" gemacht.

Worin besteht diese neue Strategie?

Kretschmann: Zunächst einmal in einem klaren Bekenntnis zur Energiewende und zum Standort Husum. In der Husumer Energiewende liegt die Chance für mehr Lebensqualität und für eine nachhaltige Belebung der Wirtschaftskraft am Standort - nicht nur als Rahmenbedingung, sondern aufgrund unserer Umfeldbedingungen hier als Wirtschaftsperspektive.

Jungjohann: Wir verstehen die Energiewende als gesellschaftlichen Transformationsprozess, als komplette Erneuerung unserer Versorgungssysteme, als Infrastrukturwende hin zu intelligent gesteuerten, regenerativen und effizienten Energiesystemen und -netzen.

Welche Perspektiven sehen Sie ganz konkret am Standort Husum?

Kretschmann: Es gibt hier teilweise brach liegende Potenziale. Zum Beispiel hat Husum aufgrund der naturräumlichen Gegebenheiten einen besonderen Vorteil - als Standort für neue Energien, vor allem für Windkraft. Husum ist Windhauptstadt. Hier sitzt der weltgrößte Windanlagen-Hersteller, hier findet die weltgrößte Windmesse statt. Wir sind Mit-Initiator eines Windanlagen-Testfeldes, das zurzeit entsteht, und das aufgrund seiner Lage erlaubt, den Einsatz und das Verhalten von Windanlagen bei extrem guten Windgeschwindigkeiten an Land zu testen.

Jungjohann: Wir haben die Chance, mehr Wirtschaftskraft hierher zu holen. In und um Husum kann ein Schwerpunkt der regenerativen Industrien entstehen und Technologiebranchen, Forschungseinrichtungen oder Beratungsunternehmen nachziehen. Als Mittelzen trum könnte Husum eine regionale Wirtschaftsinitiative starten - gemeinsam mit dem Handwerk, Architekten, Bauplanern, Stadtentwicklern, mit effizienzwirtschaftlichen Firmen - und vor allem mit Unternehmen für Speichertechnologien. Eine Unmenge an Windenergie wird ungenutzt verschenkt, weil sie im Moment der Erzeugung nicht gespeichert werden kann.

Worum geht es bei der Agenda 2017?

Jungjohann: Unsere Strategie basiert auf der Vision eines Wachstumsmodells für die ganze Region über eine Fünf-Punkte-Agenda. Erstens: Stärkung der regenerativen Wirtschaftskraft am Standort mit Schwerpunkt Windkraft. Zweitens: Gezielter Auf- und Ausbau von Testanlagen und Forschungseinrichtungen für Windkraft und Speichertechnologien und Stärkung des Wissenschafts- und Forschungsnetzwerks für Energiewende-Projekte. Drittens: Entwicklung und Aufbau branchenübergreifender strategischer Kooperationen am Standort. Viertens: Entwicklung neuer Formen der Bürgerbeteiligung für Projekte und Gesellschaften. Fünftens: Aufbau einer starken Standortmarke mit Leuchtturm-Charakter.

Was heißt das konkret für die Stadtwerke?

Kretschmann: Unser Unternehmen wird sich grundlegend verändern, weil die Aufgaben, die Kompetenzen, die Ressourcen, die Kunden, das Umfeld sich verändern werden. Wir müssen wieder Pioniere sein wie die Gründergeneration vor mehr als 100 Jahren, die in Husum die Elektrizität einführte. Wir müssen uns weiterentwickeln zu einer Art Kompetenzzentrum für Energie, Wasser, Klima und Umwelt am Standort.

Wie passt der Partner Eon Hanse dazu?

Kretschmann: Wir bekommen die Energie- und Infrastrukturwende nur hin, wenn wir daraus ein großes Gemeinschaftsprojekt am Standort machen, an dem sich auch andere Industrien und Branchen, wissenschaftliche Institute und das Handwerk, vor allem aber die Menschen hier beteiligen. Und mit der Eon Hanse haben wir einen Partner, der mit seiner Erfahrung, mit seinen Kompetenzen, mit seiner Investitionskraft ein wesentlicher Bestandteil unseres Zukunftsprojekts am Standort ist.

Jungjohann: Wir werden darüber hinaus weitere strategische Partnerschaften mit anderen Unternehmen aufbauen. Kooperation wird eine strategische Fähigkeit von kleineren Unternehmen wie den Stadtwerken Husum werden müssen.

Das Stadtwerke-Team steht während der New-Energy-Messe im ersten Obergeschoss des Nordsee-Congress-Centrums für Diskussionen und Gespräche zur Verfügung.

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