Ab ins nächste Jahrhundert : Mit Pauken und Trompeten

Schon 2011 standen sie gemeinsam auf der Bühne: das Husumer Chor- und Orchester Ensemble.
Schon 2011 standen sie gemeinsam auf der Bühne: das Husumer Chor- und Orchester Ensemble.

Der Gemischte Chor Husum und das Collegium Musicum veranstalten ein großes Jubiläumskonzert. Gewürdigt werden das 30- und das 100-jährige Bestehen der Sänger und Musiker.

shz.de von
09. Februar 2018, 09:43 Uhr

Für die Musikbegeisterten der Storm-Stadt und Umgebung ist es ein Meilenstein: Das Collegium musicum und der Gemischte Chor Husum feiern gemeinsam ihr 30- beziehungsweise 100-jähriges Bestehen. Fast wäre es Henning Bock durchgerutscht, denn für ihn war das 25. Jubiläum „noch gar nicht so lange her – es können doch nicht schon wieder fünf Jahre vergangen sein“, sagt der Leiter der Kreismusikschule schmunzelnd. Erinnert haben ihn schließlich Ernst-Walter Schmidt, Vorsitzender und Oliver Schultz-Etzold, Leiter des Gemischten Chors, als sie für die Vorbereitung eines Festaktes an Henning Bock herangetreten waren.

Aus der gemeinsamen Planung ist schließlich ein großes Spektakel entstanden: Am Sonntag, 18. Februar, kommen 60 Musiker des Collegium musicum und etwa 100 Sänger des Chors in der Messehalle in Husum für ein Jubiläumskonzert zusammen.

Es ist bereits die dritte Kooperation in der gemeinsamen Geschichte: Die 40 Mann starke Besatzung des Gemischten Chors wird unterstützt durch den Theodor-Storms-Chor und den Schulchor der Friedrich-Paulsen-Schule in Niebüll, der ebenfalls von Oliver Schultz-Etzold geleitet wird. Hinzu kommt das Sinfonieorchester des Collegium musicum mit 60 Musikern.

Ganz gleich ob 30 oder 100 Jahre Tradition: Die Ensembles eint die Freude an der Musik. „Es ist fantastisch, dass sich das Orchester gehalten hat“, freut sich Bock. Sowohl im Collegium musicum als auch im Gemischten Chor musizieren berufstätige Laien, die jeden Montag zu den Proben erscheinen.

Beim Festakt erwartet die Besucher eine bunte Mischung aus Oratorien und Opern. „Wir wollen Erwartungen erfüllen, aber auch an Stellen kitzeln, die vielleicht neu sind“, verspricht Schultz-Etzold.

Die erste Hälfte gebührt allein dem Collegium muscium und der Carmen Suite – ein instrumentaler Auszug aus einer Oper des russischen Komponisten Rodion Schtschedrin. In der Suite sind 47 Streich- und Schlaginstrumente „absolut gleichberechtigt zu hören. Das ist ein riesiger Aufwand“, erklärt Bock begeistert. Zudem werden die Schlaginstrumente in diesem Stück von Schülern im Alter von 14 bis 18 Jahren gespielt.

In der zweiten Hälfte des Programms stößt schließlich der Chor hinzu und hält weitere musikalische Rafinessen für das Publikum bereit: beispielsweise Monteverdis „L’orfeo“. Das Stück gilt als eine der ersten Opern im eigentlichen Sinn und ist für ein fünfstimmiges Orchester geschrieben. Eine Herausforderung für den Chorleiter, der mit den vier Ensembles eigentlich nur vier Stimmen zur Verfügung hat.

Im Jubiläumskonzert der Husumer Ensembles wechseln sich bekannte und unbekannte, weltliche und kirchliche Stücke ab: „Ich möchte, dass mitgesungen wird und dass die Grenze zwischen Aufführenden und Publikum verschwimmt – so wie es die Tradition in Italien vorgibt“, betont Oliver Schultz-Etzold. Für den Schlussakt haben sich die Organisatoren daher ein weiteres Highlight aufgehoben: „Ich bin ein in der Wolle gefärbter Melancholiker“, gesteht Schultz-Etzold. „Zudem finde ich, dass die lauten und schnellen Stücke jeder kann. Um zu zeigen, was man kann, muss man in die langsamen Tempi gehen.“

Aus diesem Grund schließt das Konzert mit einem Trauermarsch von Georg Friedrich Händel. Mit ihm wird der rote Faden des Konzertabends aufgegriffen: die Unterdrückung der Hebräer. „Ein reiner Schlusschor wäre viel zu fade gewesen“, ist der Chorleiter überzeugt. Das Stück ist nicht in Moll geschrieben und dennoch „sehr stimmungsvoll“.

Sorgen bereitet dem Vorsitzenden der hohe Altersdurchschnitt: „Man kämpft um jedes Mitglied, das ist einfach so“, sagt Schulz. Das Freizeitverhalten der Jugendlichen habe sich verändert, dies mache sich auch bei der Nachwuchssuche für den Chor bemerkbar, erklärt der Vorsitzende. Dass bei diesem großen Konzert dennoch Schüler mitwirken, sei etwas Besonderes: „Uns zeichnet aus, dass wir stets durch schultätige Musikleiter erfrischt werden.“

Durch die Doppelbesetzung von Oliver Schultz-Etzold als musikalischer Leiter des Gemischten Chors und des Niebüller Schulchors findet im Vorwege des Festkonzertes am Sonnabend 17. Februar, in der Mensa der Friedrich-Paulsen-Schule in Niebüll ein kleines Auftaktkonzert statt. „Das wird kuschelig“, freut sich Schultz-Etzold.


Das Jubiläumskonzert findet statt am Sonntag, 18. Februar, Beginn: 17 Uhr, im Großen Saal der Messehalle in Husum. Karten gibt es im Vorverkauf in der Husumer Schlossbuchhandlung – und für das Auftaktkonzert in Niebüll in der Bücherstube Leu in Niebüll.

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