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Wachwechsel beim DRK-Kreisverband : Mit Herzblut und Wertschätzung

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

17 Jahre agierte er an der Spitze des nordfriesischen DRK-Kreisverbandes: Jetzt räumt Frank Millack den Chefsessel für Torben Walluks. Im Interview zieht er Bilanz.

17 Jahre agierte er an der Spitze des Kreisverbandes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), erst als Geschäftsführer, ab 2008 – nach einer Satzungsänderung – als hauptamtlicher Vorstand: Ende dieses Monats räumt Frank Millack (63) den Chefsessel für Torben Walluks (39). Seinen aus Neumünster stammenden Nachfolger arbeitet der gebürtige Berliner, der von 1987 bis 1996 auch für die CDU im Schleswig-Holsteinischen Landtag saß, gerade ein. Zwischendurch nahm sich Millack Zeit für ein Interview mit unserer Zeitung.

 

Herr Millack, blutet Ihnen das Herz, wenn Sie zum 1. Juli die Geschäftsführung in jüngere Hände abgeben?

Ich gehe mit dem berühmten lachenden und weinenden Auge. Einerseits freue ich mich auf die neue Tagesstruktur, in der ich vielleicht auch mal ein Stündchen länger liegenbleiben kann. Andererseits werde ich sicherlich weiterhin ehrenamtlich für das DRK tätig sein. Außerdem blicke ich gespannt auf die kommenden zwei Jahre als Koordinator für die – und so heißt das wirklich – Einführung des Projektes zur Implementierung des Strukturmodells zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation.

 

Das klingt allerdings erstmal nicht wirklich nach Entbürokratisierung! Wie sind Sie zu dieser Aufgabe gekommen?

Ich war ja immer schon abenteuerlustig. Also haben wir mit unserem Alten- und Pflegeheim in der Husumer Goethestraße als bundesweit einzige Organisation im Roten Kreuz zwischen September 2013 und Februar 2014 an einem Modellprojekt teilgenommen. Dabei wurde in 31 ambulanten Pflegediensten und 26 stationären Einrichtungen eine neue Art der Pflegedokumentation erprobt. Es hat sich herausgestellt, dass wir damit Zeit einsparen, die wir in die Pflege stecken können. Ich war zunächst sehr skeptisch, ob dieses Modell im deutschen Bürokratie-Dschungel Zukunft hat. Nun bin ich positiv überrascht – und mit zwei Mitarbeitern zertifizierter Multiplikator!

 

Vom Herzblut zum Spenderblut. Davon hat das DRK in Nordfriesland im vergangenen Jahr fast 8000 Liter zusammenbekommen – wie viel war von Ihnen dabei?

Oh, das kann ich gar nicht genau sagen. Aus Überzeugung gehe ich mit gutem Beispiel voran und zwei Mal im Jahr zur Blutspende – für mich natürlich eine Verpflichtung. Vor meiner Zeit beim DRK, das gebe ich zu, habe ich dafür nie Zeit gehabt – und immer irgendeine dumme Ausrede.

 

Kennen Sie eigentlich Ihre Blutgruppe?

A positiv. Glaube ich doch. Moment, ich schaue zur Sicherheit noch mal in meinen Spenderpass. Ja, stimmt. Gar nicht so häufig, aber gut zu gebrauchen.

 

Demografischer Wandel, Fachkräftemangel, Pflegeversicherung und andere Gesetze – wie hat sich der DRK-Kreisverband den Herausforderungen der Zeit angepasst?

Als ich 1998 anfing, hatten wir drei stationäre Einrichtungen – die Pflegeheime in der Goethestraße in Husum sowie auf Pellworm und Amrum – mit 110 Mitarbeitern. Danach sind die Pflege-Wohnanlagen Sprackelbarg in Struckum und das Käthe-Bernhardt-Haus in Husum dazugekommen. Außerdem die drei von anderen Trägern übernommenen ambulanten Pflegedienste im Raum Niebüll und St. Peter-Ording. Mittlerweile haben wir etwas mehr als 300 Beschäftigte und sind ein nicht unerheblicher Arbeitgeber in Nordfriesland.

 

Und stimmt die strategische Ausrichtung?

Um auf den demografischen Wandel und die Entwicklung, die damit bis 2020 im Bereich der ambulanten Pflege einhergeht, vorbereitet zu sein, haben wir uns natürlich entsprechend auf dem Markt positioniert. Es ist langfristig richtig, den entstehenden Bedarf an Pflegeplätzen decken zu können. Auch wenn, wie beim Käthe-Bernhardt-Haus, das uns allen 2011 reichlich Nerven gekostet hat, mal die Entscheidung, ein neues Projekt anzuschieben, zu früh kommt. Aber hinterher ist man immer schlauer und wir haben es durchgestanden. Ich übergebe ein gut aufgestelltes Haus.

 

Apropos Übergabe: Was geben Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg?

Er soll bitte nie die Wertschätzung für die Mitarbeiter vergessen. Das heißt nicht, dass er nicht auch unangenehme Entscheidungen treffen muss. Man kann nur ein guter Geschäftsführer sein, wenn man auch gutes Personal hat, das hochmotiviert und engagiert zu Werke geht. Unsere Mitarbeiter sind unser Kapital: Sie machen einen beinharten Job und sind mit dem Herzen dabei – da kann ich nur den Hut vor ziehen.

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