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Die Woche der parlamentarischen Monarchie : Mit Hermanien macht die Schule Staat

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Von pflichtbewussten Bewohnern, Staatsbesuchen und Fußball-Länderspielen: Vier Tage lang hat sich das Hermann-Tast-Gymnasium in eine parlamentarische Monarchie verwandelt. Heute endet das Planspiel.

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2014 | 08:00 Uhr

„Ihren Ausweis, bitte!“ Bereits beim Betreten des neugegründeten Staates Hermanien lässt sich ermessen, wie ernst die Gymnasiasten ihre Rolle nehmen. In dieser Woche wird an der Hermann-Tast-Schule (HTS) nämlich nicht gepaukt, sondern hart gearbeitet. Sei es als Pizzabäcker, Café-Betreiber oder Journalist in einem der rund 90 Betriebe. Oder im öffentlichen Dienst als Richter, Polizist oder im Gesundheitsamt, als Abgeordneter oder auch als Straßenkünstler. Jeder Schüler und Lehrer geht einer neuen Tätigkeit nach. Schließlich müssen sich auch Hermanier ihren Lebensunterhalt verdienen – in Form von Hermanischen Kronen, der staatseigenen Währung.

An der Spitze der parlamentarischen Kurzzeit-Monarchie stehen Königin Leah I. und König Tim I. sowie die Thronfolger Prinzessin Ronja und Prinz Jorve. Wie bei dieser Staatsform üblich, füllt das Königshaus jedoch nur eine repräsentative Rolle aus. Die entscheidenden Instanzen sind die Regierung und das 49-köpfige Parlament. Auch mit einer rund 40-seitigen Verfassung trumpft Hermanien auf.

Die Vorbereitungen auf das mittlerweile zweite Planspiel „Schule als Staat“ dauerten rund ein Jahr. Im Dezember fand das Organisations-Team aus Schülern, Lehrern und Eltern erstmals zusammen. Fortan trafen sich zwei Mal in der Woche kleine Kommitees, um die politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und öffentlichen Aspekte des Projekts zu planen.

Am Montagmorgen war es dann endlich so weit: Mit der Krönung des Königspaars und der Eröffnung das Parlaments fiel der Startschuss für Hermanien. Seitdem gehen die Einwohner ihren Pflichten nach. Mindestens sechs Stunden pro Tag muss jeder Hermanier anwesend sein – und vier davon arbeiten. Johannes Krüger, Mitglied des Orga-Teams, verrät: „Jetzt, da das Projekt im vollen Gange ist, ist es toll anzusehen, wie sich alles entwickelt. Endlich können wir das Zepter aus der Hand geben und dem Planspiel freien Lauf lassen.“ Für die kleinsten Hermanier, die Sextaner, die erst seit rund sechs Wochen an der HTS sind, gibt es Workshops. Zum Abschluss des ersten Tages lud das Königshaus alle Gönner und Unterstützer zum Cocktailempfang in den Thronsaal ein.

Am Dienstag machte das Königshaus Bügermeister Uwe Schmitz im Rathaus seine Aufwartung. Standesgemäß fuhr das Regentenpaar dazu in der Staatskarosse vor – begleitet von seinen beiden Zeremonienmeistern, drei Parlamentsmitgliedern, sechs Mitgliedern des Orga-Teams, Staatspresse, Gefolgschaft und Chauffeur. Schmitz war sichtlich beeindruckt: „Lasst uns sehen, ob eine Koexistenz von Hermanien und Husum möglich ist!“ Am Ende des Staatsbesuchs stand die Erkenntnis, dass Politik selbst auf – wie in Hermanien – kleinster Ebene kein Zuckerschlecken ist. Auch hier stößt man durchaus auf Phänomene wie Aversion gegen die Obrigkeit. Das Königshaus überreichte drei Geschenke: den Orden Hermaniens, ein Foto der Königsfamilie im Thronsaal und einen Jutebeutel mit der aufgedruckten Flagge Hermaniens. Im Gegenzug durften sich die Regenten ins Gästebuch der Stadt eintragen.

Am Dienstagabend klang der zweite Tag des Projektes mit „Sexta singt“ musikalisch aus. Mehr als 400 Besucher füllten die Aula und lauschten den Stimmen der jüngsten Hermanier. Und auch gestern war der Schul-Staat wieder gut besucht. Anlass war unter anderem das Fußball-Länderspiel am Nachmittag, bei dem sich das hermanische Team mit 8 : 4 Toren gegen das Stormland – die Theodor-Storm-Schule – durchsetzen konnte. Aber auch die danach stattfindende Kulturnacht und das anschließende Late-Night-Shopping stellten sich als wahre Besucher-Magneten heraus.

Heute haben alle Interessierten zum letzten Mal die Chance, Hermanien einen Besuch abzustatten: Ab 15 Uhr findet das Projekt „Schule als Staat“ mit einer Abschlussveranstaltung in der Aula sein offizielles Ende. Hierbei sollen unter anderem auch die erfolgreichsten, kreativsten und nachhaltigsten Betriebe mit Preisen bedacht werden.

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