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10 Jahre Nachtwächter-Rundgang in Husum : Mit Hellebarde, Horn und Hut

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Von einer „verrückten Idee“ zur Touristen-Attraktion: Seit zehn Jahren gibt es die Nachtwächter-Rundgänge in der Storm-Stadt. Die drei Begründer dieser besonderen Art der Stadtführung sind heute noch dabei.

„Das war schon eine etwas verrückte Idee“, kommentiert Bürgermeister Uwe Schmitz im Rückblick den Plan, der 2005 bei der Monatsversammlung der Stadtführer erdacht wurde. Etwas Besonderes sollte gefunden werden, eine ganz andere Möglichkeit, Husum zu präsentieren – und irgendjemand stellte die Idee eines Nachtwächters in den Raum, der die Gäste durch die Stadt geleiten sollte. Drei Männer waren sofort Feuer und Flamme für den Gedanken. Und so begannen Günter Sunder, Horst Köchling und Volker Springer in den Archiven mit der Recherche nach historischen Vorbildern. Mit Erfolg: Im Dezember des Jahres gab es erstmals den mittlerweile so beliebten Nachtwächter-Rundgang.

Eine alte Nachtwächter-Ordnung wurde zur Grundlage für die neue Art der Führung, die im Frühjahr und Herbst sowie in der Weihnachtszeit die Tages-Rundgänge ergänzt – und seit einem Jahrzehnt von den drei Begründern durchgeführt wird. „Eine 90-jährige Nachbarin hat für uns die alte Sütterlin-Schrift übersetzt“, erzählt Springer im Rückblick. Und damit das Ganze auch optisch ansprechend wurde, sahen sich die drei in einem Kostümladen in Flensburg nach passender Bekleidung um. „Da hatten wir es etwas schwieriger als die Dänen, deren Nachtwächter früher eine festgelegte, dem Militär nachempfundene Uniform trugen“, erinnert sich Sunder, und Köchling ergänzt: „Es ist nur überliefert, dass der Nachtwächter, den es in Husum bis in die Zehnerjahre des vergangenen Jahrhunderts gab, Mantel und Hut trug – aber nicht, wie das genau aussah.“ Am Ende ist es dann doch sehr authentisch geworden, nicht zuletzt auch durch Spender, die die drei mit Original-Nachtwächterhörnern versorgten und die Tourismus- und Stadtmarketing Husum GmbH (TSMH), die zwei Hellebarden zur Verfügung stellte.

„Inzwischen haben die nächtlichen Touren einen hohen Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad erreicht“, weiß TSMH-Chefin Jutta Albert. Zehn Prozent der Nachfrage nach speziellen Führungen (siehe Info-Kasten) würden sich schon explizit auf die Nachtwächter-Rundgänge beziehen. „Und das liegt auch sicherlich daran, dass die Touren einem historischen Vorbild nachempfunden sind.“

Tatsächlich wurden diese nach alten Aufzeichnungen über die früheren Quartiere in Husum erarbeitet. Sie dauern rund eineinhalb Stunden, umfassen die bekanntesten und wichtigsten historischen Orte der Stadt und können von den einzelnen Wächtern nach Bedarf und den Wünschen der Gruppe abgeändert werden. Durch den Schlossgang allerdings führen sie immer, stellt der doch die Verbindung vom Alten Rathaus zum Schloss vor Husum dar. Und hier kommt es öfters mal zu interessanten Begegnungen, wie Köchling erzählt: „Im Schlossgang darf erst ab 19 Uhr Rad gefahren werden, vorher muss abgestiegen und geschoben werden.“ Das tue aber beileibe nicht jeder. „Wenn wir aber nun mit einer Gruppe da entlang kommen, uns in unserer Verkleidung aufbauen und einen strengen Spruch aufsagen, dann steigen die alle ganz brav runter von ihrem Rad.“

So sind sie denn auch ein bisschen wie früher die nächtlichen Ordnungshüter in der Stadt. Und diese ist seit 2011 ganz offiziell Mitglied der Europäischen Nachtwächter- und Türmerzunft – neben Lübeck als einzige Stadt Schleswig-Holsteins. Bei einem Prüfungsrundgang im Oktober 2010 konnten die drei Husumer den Zunftmeister von ihrem Können überzeugen und dürfen seitdem an den jährlichen Zunfttreffen teilnehmen. Und hoffen, dass Husums Bürgermeister sie bei der nächsten Zusammenkunft 2016 nach Dänemark begleitet. Was dieser wohl gern tun wird, denn Uwe Schmitz findet das, was Köchling, Springer und Sunder machen, „einfach nur toll“ – und könnte sich sogar vorstellen, da selbst einmal mit einzusteigen: „Wenn ich mal nicht mehr Bürgermeister bin.“

 

 

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erstellt am 17.Mär.2015 | 11:45 Uhr

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