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Ritual in Friedrichstadt : Mit Frack und Zweispitz ins Rathaus

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Friedrichstädter Schützengilde von 1690 suchte das Stadtoberhaupt im Rathaus auf – im Gepäck hatte die Abordnung kistenweise Wein.

Das Ereignis hat Seltenheitswert – und so mancher Tourist zückt die Kamera, um den Schnappschuss mit nach Hause zu nehmen. Denn „Solcherley“ gibt es nur im alt-ehrwürdigen Friedrichstadt – und auch nur alle drei Jahre. In diesem Jahr ist es wieder soweit: Das große dreitägige Fest der Schützengilde von 1690 – der ältesten Gilde der Stadt – steht bevor.

Die große grüne Fahne wehte im Abendwind, als die Abordnung „mit Frack und Zweispitz im majestätischen Gleichschritt über das historische Pflaster gen Rathaus schritt“. Dort wurde die Männer bereits von Bürgermeister Eggert Vogt erwartet. Im Rathaus sprach Schützengilde-Hauptmann Björn Jensen einige Begrüßungsworte, während Premier-Leutnant Marco Überleer und Seconde-Leutnant Timo Leste schon mal die Geschenke auf den Tisch stellten: zwei Kisten Wein. Eine Verkostung der wohlmundenden Tropfen habe bereits im Vorfeld stattgefunden und die Stimmung an jenem Abend prächtig angehoben, erklärten Hauptmann und Premier-Leutnant. Anlässlich der abendlichen Begegnung wolle man „nun auch den Bürgermeister von dem guten Geschmacke des süffigen Weines überzeugen und mit Dank für das Wohlwollen des Stadtoberhauptes gern eine stattliche Anzahl des feinen Tropfens im Rathause belassen“. Man habe aus 15 verschiedenen Weinen zwei Sorten ausgewählt, erklärte der Premier-Leutnant. Da ließ das Stadt-Oberhaupt sich nicht lange bitten, flugs kamen die Gläser auf den Tisch samt der ersten Flasche des Rebensaftes.

Schließlich kam die Runde auf den Ablauf des anstehenden Schützenfestes zu sprechen: Am Freitag (21.) wolle man „auf dem grünen Marktplatze wie gewohnt eine Ansprache halten und das dreijährlich stattfindende dreitägige große Fest dem Volke öffentlich zur Kenntnis geben“. Zum Abschluss der Schießwettbewerbe werde dann „am Sonntage (23.) zwischen 18 und 19 Uhr im Großen Garten dem Volke der neue König vorgestellt“. Bis dahin sei „König Andreas der Glückliche“ weiterhin im Amte.

Während des obligatorischen „Blitzlichtgewitters vor der Marktpumpe“ nutzte Feriengast Wolfgang Kemter aus Bitterfeld die Gunst des Augenblicks für eine Fotoaufnahme, die sich erst in drei Jahren wieder ergibt. Den Herren in Frack und Zweispitz war es recht – und anlässlich der Zusage des Bürgermeisters –„Die Stadt begleitet euer Fest. Männer, das Rathaus steht euch offen“ – schwang sich die Stimmung zu neuen Höhen auf. Hochzufrieden „ob der raschen Übereinkunft mit dem Stadtoberhaupte“ genossen die Herren in Schwarz bei geöffneten Rathaus-Flügelfenstern und lauer Sommerabendluft noch mancherlei Stunden der Audienz im ehrwürdigen Hause“.

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