Innovation made in Husum : Mit Erfindergeist an die Bundesspitze

Marvin Hensen arbeitet zusammen mit Lehrer Thomas Adler an seiner Versuchsanordnung: Der Ring mit den schwarzen Windprofilen schwebt magnetisch gehalten über dem fest am Pfeiler montierten Basisring. Die gelben Luftschaufeln sind Anströmhilfen.
Marvin Hensen arbeitet zusammen mit Lehrer Thomas Adler an seiner Versuchsanordnung: Der Ring mit den schwarzen Windprofilen schwebt magnetisch gehalten über dem fest am Pfeiler montierten Basisring. Die gelben Luftschaufeln sind Anströmhilfen.

Hermann-Tast-Schüler Marvin Hensen ist mit seiner Windkraftanlage in der Endausscheidung von Jugend forscht. Die Hermann-Tast-Schule selbst hat es unter die drei besten forschenden Schulen bundesweit geschafft.

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21. Mai 2015, 07:00 Uhr

Zum Patent ist das Konzept schon angemeldet: Mit seinem „achslosen Rundläufer“, einer Windkraftanlage, die außen an jedem beliebigen Turm oder Mast montiert werden kann, reist Hermann-Tast-Schüler Marvin Hensen am kommenden Dienstag (26. Mai) zum Bundesentscheid von Jugend forscht bei BASF in Ludwigshafen. Den Regional- und den Landeswettbewerb im Bereich Technik hat er schon gewonnen, zusätzlich noch jeweils den Sonderpreis für Erneuerbare Energien. Und jetzt hofft er natürlich auf den Hattrick.

Dabei hat der 19-Jährige aus Lehmsiek bei Schwabstedt sein Abitur gerade im Wirtschafts/Politik-Profil der Schule geschrieben und nicht in den Naturwissenschaften. „Dafür war ich in den anderen Fächer nicht gut genug“, sagt er lachend zur Erklärung. „Aber an Technik bin ich sehr interessiert, weil ich aus der Landwirtschaft komme.“ Und für die Teilnahme am Projektkurs Regenerative Energien sei das Schulprofil ohnehin nebensächlich, erläutert Dr. Friedrich Twenhöven, Biologie- und Chemielehrer und einer der Betreuer der Jugend forscht-Projekte an der Hermann-Tast-Schule. Die ist auf diesem Feld ohnehin extrem rührig: „Im vergangenen Jahr haben wir 47 Schüler zum Wettbewerb geschickt, den Schulpreis in der Regionalausscheidung gewonnen und sind als am meisten forschende Schule in Schleswig-Holstein ausgezeichnet worden“, sagt Twenhöven stolz.

Bereits ein Jahr vor dem Projektkurs hat Hensen zu Hause angefangen zu tüfteln. „Mehr aus Spaß, ich hatte da eine Idee“, sagt er. Die war immerhin so gut, dass er die Entwicklungsabteilung von Semvion damit begeistern konnte und von dort Tipps und ideelle Unterstützung bekam. Seine Windkraftanlagen-Funktionsmodell besteht aus einem Ring mit Flügelprofilen aus dem 3D-Drucker, der sich auf einem weiteren, fest am Mast montierten Ring reibungslos drehen kann – auf Abstand gehalten durch Permanentmagneten, die keinen Strom verbrauchen. „Etwas Reibung gibt es nur durch die Rollen, mit denen der Drehring auf gleichmäßigen Abstand vom Turm gehalten wird.“ Zwar hätte man auch dafür Magneten verwenden können. „Aber dafür hat unser Geld nicht ausgereicht“, sagt Thomas Adler bedauernd. Der Lehrer für Forschung und Technik sowie Werken wird Hensen nach Ludwigshafen begleiten, um vor Ort Unterstützung beim Aufbau zu leisten. „Und als Feuerwehr, wenn Hilfe benötigt wird, eine Spezialschraube besorgt werden muss oder so etwas ähnliches.“

Der Bundeswettbewerb Jugend forscht findet in diesem Jahr zum 50. Mal statt und erregt entsprechend Aufmerksamkeit. „Sogar Bundespräsident Joachim Gauck wird da sein und den Siegern gratulieren“, sagt Twenhöven. Er selbst wird auch nach Ludwigshafen fahren, ebenso wie Rektorin Renate Christiansen. Denn wie auch immer sich Marvin Hensen schlägt, die Hermann-Tast-Schule wird auf jeden Fall geehrt: „Die Kulturministerkonferenz will die beste forschende Schule bundesweit auszeichnen, und da sind wir bereits unter den ersten drei.“ Welcher Platz es auf dem Siegertreppchen am Ende sein wird, entscheidet sich allerdings erst nach der Eigenpräsentation der drei Spitzenschulen vor Ort.

Dass mit Marvin Hensen gleich noch ein Einzelkandidat beste Chancen hat, kann also für einen ganz großen Auftritt der Husumer bei der Jubiläumsveranstaltung sorgen. „Dabei mussten wir ihm erst gut zureden, damit er teilnimmt; er hat gar nicht an seinen Erfolg geglaubt“, verrät Twenhöven schmunzelnd. Beruflich wird es für Hensen auf jeden Fall in dieser Richtung weitergehen: „Ich habe bereits einen Ausbildungsplatz als Mechatroniker bei Vattenfall in Hamburg und möchte danach gerne in Flensburg das Fach Erneuerbare Energien studieren.“ Mit seiner innovativen Erfindung im Gepäck dürfte es wohl kaum Hindernisse auf diesem Weg geben.

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