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25 Jahre nach schwerem Unfall : Mit eisernem Willen zurück ins Leben

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

1989 verunglückte Stefan Schmaltz auf dem Heimweg von der Arbeit und war eine halbe Stunde lang klinisch tot. Mühsam erkämpfte er sich die Beweglichkeit zurück und erlernte die Kampfsportart Wing-Tsun. Heute ist er darin Meister und Lehrer.

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erstellt am 25.Apr.2014 | 07:00 Uhr

Es war ein ganz besonderes Jubiläum für Stefan Schmaltz: Der Frührentner feierte nicht seinen tatsächlichen Geburtstag – der ist erst am 14. Mai, wenn er 47 Jahre alt wird –, sondern beging eher in stiller Dankbarkeit den Beginn seines zweiten Lebens. „Ich habe halt zwei Mal im Jahr Geburtstag“, sagt er.

Es ist jetzt genau ein Vierteljahrhundert her: Im April 1989 verunfallte Schmaltz von Tönning kommend auf der Bundesstraße 5 in der sogenannten Todeskurve. „Ich war eine halbe Stunde lang klinisch tot“, beschreibt der frühere Tischler den Anfang seiner Krankengeschichte. Zwölf Tage lag der Husumer im Koma, drei Monate im Bett und war noch ein halbes Jahr danach an den Rollstuhl gefesselt. „Im Heider Krankenhaus haben sie mir das Leben gerettet“, sagt der heutige Wing-Tsun-Meister dankbar. Und bundesweit sei er der Einzige, der trotz Spastik und Ataxie – der medizinische Oberbegriff für verschiedene Störungen der Bewegungskoordination – Schüler in dieser Kampfsportart selbstständig unterrichtet.

Schon im Krankenbett trainierte er mit Hanteln. „Ich hatte sofort den energischen Willen, wieder gehen zu können“, beschreibt Schmaltz den Ansatz, der ihn bereits 1991 in Heidelberg seine erste Wing-Tsun-Prüfung bestehen ließ. Von den damaligen Teilnehmern sei heute keiner mehr aktiv, weiß der Sportler, der auch seine Krankengymnastik abbrach, um sich selber zu helfen. Das klappte: Bereits 1992 bekam der Rekonvaleszent seinen Führerschein zurück.

Mit eisernem Willen strebte Stefan Schmaltz nach mehr Lebensqualität und lernte 1997 wieder Fahrradfahren. Sein grob- und feinmotorisches Körpergefühl entwickelte sich so exorbitant, dass 1998 ein weiterer Meilenstein in Schmaltz’ neuem Leben gesetzt werden konnte: Er begann, als Wing-Tsun-Lehrer Kurse im Fitness-Studio anzubieten. Der 46-Jährige erwarb mehrere Meistergrade, die ihn seit 2013 auch befähigen, zu Hause Privatunterricht zu geben. Die Wing-Tsun-Kampfkunst hat seinen Alltag erleichtert. Nun will er diesen Sport verbreiten, will Kindern, Jugendlichen und Behinderten zeigen, dass es sich lohnt, ihn zu erlernen. Seit mehr als 20 Jahren ist er erwerbsunfähig, aber Wing-Tsun will er dennoch immer weiter unterrichten – „wenn es geht, noch mit 90 Jahren“. Sein Ziel ist nun sein sechster Meistergrad – und das wird dann wohl wieder ein Grund zum Feiern.

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