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Guttemplertag in Husum : Mit der Zeit gehen – aber Profil bewahren

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Guttempler leisten unverzichtbare Suchtarbeit. Dabei muss sich der Verband auch auf den demografischen Wandel einstellen.

Wie werden die Guttempler in der Öffentlichkeit wahrgenommen? Welche Verantwortung kann den Jugendlichen übertragen werden? Wie können sich Jugendliche mit ihren Möglichkeiten und Fähigkeiten in Seniorenheime einbringen? Wo muss der Guttemplerverband über seinen Schatten springen und Veränderungen eingehen? Diese und viele andere Fragen wurden beim diesjährigen Guttemplertag mit mehr als 350 Mitgliedern aus ganz Deutschland aufgeworfen – und zwar im Rahmen einer Podiumsdiskussion im Nordsee-Congress-Centrum in Husum.

Unter Leitung von Moderator und Suchtreferent Christian Bölckow diskutierten darüber Bernd Heinemann, Vize-Präsident des Kieler Landtages, Mathias Speich, Geschäftsführer der Landesstelle für Suchtfragen Schleswig-Holstein, Clemens Veltrup, Leiter des Therapieverbundes Ostsee, Anna Meiners vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Schleswig-Holstein und Wiebke Schneider, Bundes-Geschäftsführerin der Guttempler.

Für die Suchtarbeit sei der Guttemplerverband ein verlässlicher und unverzichtbarer Partner, betonte Heinemann. „Doch die Mobilität der Menschen verändert sich immer schneller, dies muss der Verband im Auge behalten.“ Speich verwies auf den demografischen Wandel: „Die Guttempler müssen für sich die Frage klären, an wen sie ihr Erbe weitergeben, wenn der Nachwuchs ausbleibt.“ Hier müsse der Verband Kooperationen mit weiteren Suchtberatungs-Einrichtungen eingehen, so der Diplom-Sozialpädagoge. Dies unterstrich auch Veltrup. „Dabei darf der Verband jedoch sein Profil, seine Ideen und seine Werte nicht über Bord werfen“, mahnte der Psychologe. In diesem Zusammenhang wies er auf gewisse Entwicklungen hin: „Heute spricht man nicht mehr von Abhängigkeit, sondern von einer Substanzgebrauchsstörung.“ Dies habe Auswirkungen auf die Therapiekonzepte.

Meiners stufte den bundesweiten Verband als moderne Selbstorganisation ein. Auch sie verwies auf Veränderungen, auf die der Verband reagieren müsse. Im Zuge des demografischen Wandels würden immer mehr ältere Menschen mit der Suchtproblematik konfrontiert werden. „Diese Menschen müssen verstärkt in den Mittelpunkt aller Bemühungen gestellt werden.“ Hier müssten die Guttempler enger mit anderen Institutionen zusammenarbeiten.

„Die Organisation geht meiner Meinung nach in deprimierender Weise selbstkritisch mit sich um“, urteilte Schneider. Das sei absolut nicht nötig. „Unser Problem ist, dass wir unser Potenzial, unsere Möglichkeiten und Fähigkeiten nicht weitersagen“, so die Geschäftsführerin. „Wir sollten nicht darüber klagen, was sich verändert, sondern uns darauf einlassen und dabei unsere Grundwerte nicht außer Acht lassen.“

Auch das Projekt „Alter SUCHT Jugend“ wurde während der fast dreistündigen Veranstaltung angesprochen. „Mit diesem Projekt suchen wir junge Menschen, die Lust daran haben, der älteren Generation beispielsweise die neuen Medien zu erklären“, erklärte Landesvorsitzender Hans-Jürgen Kain. Damit würde den jungen Menschen ein ganz anderes Selbstbewusstsein vermittelt werden – und so eine ganz andere Offenheit gegenüber der älteren Generation. Mit dem Thema „Sucht im Alter“ sprach Veltrup einen äußerst sensiblen Punkt an. Oftmals würden ältere Menschen durch Medikamentengabe unbemerkt in eine Abhängigkeit geraten.

Zahlreiche Zuhörer schalteten sich in die lebhafte Diskussion ein. „Tatsächlich sollten wir unser Potenzial verstärkt in der Öffentlichkeit zeigen“, so Ingrid Groth (78). Karl-Heinz Michel vom Verband in Lüneburg legte Wert darauf, die Grundpfeiler der Guttempler zu erhalten. „Dazu gehören Brüderlichkeit, Barmherzigkeit und Frieden.“ Auch er setzte sich dafür ein, dass man die Jugendlichen dort abholen müsse, wo sie sind – mit ihren Gaben. Michel erinnerte daran, dass der Verband in der jüngeren Vergangenheit auf neue Herausforderungen eingegangen sei: „Das wäre noch vor 30 oder 40 Jahren undenkbar gewesen.“

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