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Talk an Gemeinschaftsschule : Mit der Vergangenheit konfrontiert

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Gemeinschaftsschüler des elften und zwölften Jahrganges in Tönning präsentieren ein Projekt zum Thema 25 Jahre Deutsche Einheit. Dazu gehören eine Ausstellung mit Fotos und Berichte von Zeitzeugen.

Als die Mauer vor 25 Jahren – am 9. November 1989 – fiel, waren die Schüler des elften und zwölften Jahrganges der Gemeinschaftsschule Tönning – Eider-Treene-Schule – noch nicht auf der Welt. Umso wichtiger war es Geschichtslehrerin Edelsa Hidalgo Perez, dass sich die Jugendlichen mit der Vergangenheit Deutschlands auseinandersetzen. Bekanntlich soll aus der Vergangenheit für die Gegenwart gelernt werden. Das war auch der tiefere Sinn des Projektes 25 Jahre Deutsche Einheit.

Die Ergebnisse stellten die Akteure im Rahmen eines Themenabends in der Stadthalle vor. Nur drei Wochen hatten sie Zeit gehabt, sich mit der komplexen Problematik auseinanderzusetzen. So war Arbeitsteilung und Teamwork in den gebildeten Gruppen gefragt. Während einige die Ausstellung mit Zeitzeugenberichten und Fotodokumenten vorbereitet hatten, schrieben andere mit aktiver Hilfe des Pädagogen Benno Schöpp ein Theaterstück und übten es ein.

Überzeugend stellten sie die Geschichte eines jungen Paares dar, das nahe der Mauer in der Bundeshauptstadt lebte. Sie wussten, dass ihre Landsleute im Westen Freiheiten hatten, die ihnen verwehrt blieben, ja selbst die Freiheit, direkt an die Mauer zu gehen und gar noch Graffiti-Kunst zu hinterlassen. Wieder einmal hatten Grenzsoldaten ganz in ihrer Nähe auf der Ostseite junge Leute erschossen, die in den Westen fliehen wollten. Das reichte ihnen. Sie gruben sich einen Tunnel direkt von ihrem Haus in die Freiheit, die sie schließlich auch erreichten. Einige Schüler hatten sich mit der Frage beschäftigt, ob der in die Historie eingegangene Satz Willy Brandts „Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört“ tatsächlich bis heute umgesetzt worden ist, beziehungsweise Erfolge zeigt, oder ob es nicht vielmehr immer noch Vorurteile unter dem Stichwort „die Ossis – die Wessis“ gibt.

Tatsächlich machte es die anhand von Zeitzeugenaussagen von den Schülern vorbereitete Talkshow deutlich. „Westler behandeln Ostler als Menschen zweiter Klasse“ oder „Ostdeutsche sind spießig“, waren zwei von weiteren Aussagen. Auch das Argument eines jungen Mannes, der beklagte, man habe ihm sein Geburtsland – also die DDR –, „weggenommen“, machte deutlich, dass sicherlich noch einiges aufzuarbeiten ist.

Informativ war auch die Präsentation einiger Schüler über die Eckdaten der Geschichte Deutschlands. Bei den Vorbereitungen hatten den Schülern Geschichtsbücher und Berichte von Menschen zur Verfügung gestanden, die den Mauerfall damals „dort oder drüben“ oder aus den Nachrichten miterlebten. „Ich fand das ganz schön schwer, sich in die Köpfe der Leute aus beiden ehemaligen Teilen von Deutschland hineinzudenken“, so Levke Timmsen (12 c). Wie ihre Klassenkameradinnen fände sie es „krass und verachtend“, was damals mit Menschen aus der ehemaligen DDR passiert sei, die nicht machen wollten, was von oben diktiert wurde. „Einfach so und eigentlich wegen nichts sind die eingebuchtet oder erschossen worden, wenn sie fliehen wollten“, so ein weiterer Schüler.

Die Mauer sei, so ein anderer aus der Runde, ein Armutszeugnis für Deutschland gewesen und Gott sei Dank friedlich von den Menschen beider Teile eingerissen worden. „Hammer, wie damals die Stimmung gewesen sein muss“, so das Statement. Die neue Schulleiterin Stephanie Heß lobte am Ende die Beteiligten für die stramme Leistung, alles in nur wenigen Tagen auf die Beine gestellt zu haben. Schade nur, so fanden einige Schüler, dass außer unserer Eltern, nur wenig Bürger hereingeschaut hätten. In Zukunft, so kündigte die Geschichtslehrerin an, werde es weitere Abende zu politischen und gesellschaftlichen Themen mit Projektarbeiten von Schülern geben, wozu jeder Interessierte willkommen sei.

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