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Kanalsystem im Fokus : Mit der Kamera in den Untergrund

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

18 Kilometer Abwasserleitungen werden ab Montag, 23. Februar, in Husum auf mögliche Schäden untersucht. Bevor dazu eine Panorama-Kamera zum Einsatz kommt, muss allerdings gespült werden.

Sechs Wochen lang gehen die Stadtwerke Husum Abwasserentsorgung dem Kanalsystem auf den Grund. Von Montag, 23. Februar, an inspiziert eine Spezialfirma Leitungen im Stadtgebiet, setzt dabei nach Angaben von Bernd Wilkens, dem zuständigen Mitarbeiter, erstmals auch eine Panorama-Kamera ein. Mit dem hochmodernen Gerät werden etwa 18 Kilometer Schmutz-, Regen- und Mischwasserkanäle auf eventuelle Schäden untersucht. Um auswertbare Filmdateien zu erhalten, müssen die Kanäle vorher mit einem Hochdruck-Spülverfahren (120 Bar) gereinigt werden. Dabei kann es laut weiterer Pressemitteilung in Einzelfällen zu Ausblasungen in den häuslichen Geruchsverschlüssen kommen – siehe dazu auch unten stehenden Info-Kasten.

Wie geht eine solche Kanalreinigung im Detail vor sich? Nun, zunächst wird ein Spülschlauch mit einer Reinigungsdüse in die Kanalisation eingeführt. Der an der Düse entstehende Wasserdruck treibt den Schlauch in dem Kanal voran. Am anderen Schacht angekommen, zieht eine Motorwinde den Schlauch zurück. Dadurch werden Ablagerungen gelöst, herausgespült und aus der Rohrleitung entfernt.

Bei diesem Vorgang wird im Leitungsbereich vor der Düse ein Unterdruck und hinter der Düse – zum Spülwagen hin – ein Überdruck erzeugt. Zum größten Teil findet der Ausgleich durch die zuströmende und entweichende Luft der Hauptschächte statt. Der restliche Druckausgleich wird in der angehängten Hausanschlussleitung erzeugt.

In folgenden Straßenzügen und Bereichen werden die Kanäle gereinigt und gefilmt (in alphabetischer Reihenfolge): Adolf-Brütt-Straße, Am Bahndamm, Am Binnenhafen, Am Messeplatz, Am Schulwald, An der Aue, Anna-Ovena-Hoyer-Straße, Asmussenstraße, Austieg, Bachweg, Beethovenstraße, Bellmannstraße, Bredstedter Straße, Campingplatz, Carl-Maria-v.-Weber-Weg, Damm, Dockkoogstraße, Eibenweg, Gaswerkstraße, Franz-Liszt-Straße, Hafenstraße, Händelweg, Herzog-Adolf-Straße, Industriestraße, Herzogin-Augusta-Straße, Hermann-Tast-Schule, Immenhof, Jahnsportplatz, Kleikuhle, Lämmerfennenweg, Legienstraße, Maas, Marienburger Straße, Marienhofweg, Matthias-Claudius-Straße, Mozartstraße, Marktstraße, Nedderweg, Neue Freiheit, Nordbahnhofstraße, Nordstrander Straße, Oldgras, Ostenfelder Straße, Otto-Hahn-Straße, Plan, Poggenburgstraße, Richard-Wagner-Straße, Ringstraße, Rödemishallig, Rödemisfeld, Rote Pforte, Robert-Koch-Straße, Theodor-Schäfer-Straße, Robert-Schumann-Weg, Schockedahler Weg, Theodor-Storm-Schule und Stadtweg.

Kanalspülung: Mögliche Auswirkungen – und was dabei zu beachten ist

– Ist durch den Geruchsverschluss der Toilette/Dusche ein Rauschen zu hören, sollte die Hausleitung frei von Verstopfungen sein und sich in ordnungsgemäßem Zustand befinden.

– Ist aus dem Geruchsverschluss Wasser aufgetreten, müsste zunächst die Anlage überprüft werden: Liegt der Revisionsschacht auch wirklich frei und nicht unter Flur (zum Beispiel Überpflasterung)? Sind Schachtdeckel und Dach-Entlüftung frei?

– Macht sich ein übler Geruch nach der Kanalspülung  bemerkbar, konnte der dabei entstandene Unterdruck nicht ausgeglichen werden. Dann wurde das Wasser des Geruchsverschlusses ganz oder teilweise herausgesaugt. So konnte sich ein unangenehmer Geruch aus dem Kanal über die Sanitärobjekte ungehindert in die Wohnung ausbreiten. Tipp: Wasser in die Becken laufen lassen beziehungsweise die Spülung der Toiletten betätigen – dadurch wird der Geruchsverschluss wieder geschlossen und es kann keine Kanal-Luft eintreten.

– Ist aus der Toilette Wasser mit Fäkalien ausgetreten, hat in dem Sanitär-System wahrscheinlich bereits vor der Spülung eine Störung vorgelegen.  Im Normalfall werden durch die Toilettenspülung die Fäkalien direkt durch die Fall- beziehungsweise Grundleitung in das Hauptkanal-System gespült. Sollten dennoch Fäkalien aus der Toilette in das Badezimmer gedrückt worden sein, so müssen sich diese bereits im System angesammelt haben. Vermutlich hat bereits eine Verstopfung vorgelegen. Das bedeutet nicht zwingend, dass das Wasser gar nicht abläuft. Es kann sein, dass sich die „Feststoffe“ an einem Hindernis zurückstauen und das Wasser selbst jedoch abfließt – wenn auch nur langsam. So bleibt eine Verstopfung vorerst oft unbemerkt.

– Können die Fäkalien aus dem Hauptkanal in die Leitung hineingedrückt worden sein? Nein, das ist nicht möglich! Der Füllgrad der Hauptkanäle ist meist sehr gering, das heißt die Menge, die nötig wäre, ein Haus-System zu fluten, ist gar nicht vorhanden. Abgesehen davon besteht das Abwasser in der Kanalisation hauptsächlich aus Wasser. Fäkalien  machen entgegen der allgemeinen Vorstellung nur den geringsten Anteil im Abwasser aus.

 

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erstellt am 21.Feb.2015 | 17:00 Uhr

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