Dörfer im Fokus : Mit der Gemeinde Viöl wächst die Freiwillige Feuerwehr

Üben für den Ernstfall: Die Freiwilligen Feuerwehren Viöl, Wanderup und Jörl bei einer gemeinsamen Übung.
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Üben für den Ernstfall: Die Freiwilligen Feuerwehren Viöl, Wanderup und Jörl bei einer gemeinsamen Übung.

Bei der Jugendfeuerwehr gibt es mehr Bewerber als Ausbildungsplätze, dennoch können die Viöler jeden Neuen gebrauchen.

shz.de von
03. Januar 2018, 07:00 Uhr

Viöl | „Mit der zunehmenden Größe des Dorfes wachsen auch die Anforderungen an das Team“, sagt Wehrführer Michael Schulz. Er leitet seit sechs Jahren die Freiwillige Feuerwehr Viöl. „Das Gewerbegebiet wächst, und auch das nächste neue Baugebiet kommt.“

In unserer Dorfserie werfen wir einen genauen Blick in drei Ortschaften. Im Norden Ockholm, im Süden Westerhever und in der Mitte Viöl. Wie gestaltet sich das Dorfleben, war früher alles besser und was machen die Bewohner in ihrer Freizeit? In Viöl haben bisher der Bürgermeister und die Freiwillige Feuerwehr ihre Tür für uns geöffnet.

Wehrführer Schulz sowie der Pressewart und Ausbilder der Jugendfeuerwehr, Sören Hansen, sind schon seit 4 Uhr in der Früh auf den Beinen. „Da gingen die Sirenen und unsere Funkmeldeempfänger.“ Eine Brandmeldeanlage schlug Alarm. Die Feuerwehrleute wurden aus dem Tiefschlaf gerissen und mussten sofort funktionieren. Der Einsatz erwies sich als Fehlalarm. „Im Notfall müssen wir professionell arbeiten. Dabei muss man bedenken, dass wir das alles ehrenamtlich machen.“ Dafür ist viel Übung von Nöten:

Mit schwerem Gerät: Die Freiwilligen Feuerwehren Viöl, Wanderup und Jörl bei einer gemeinsamen Übung.
Foto: Benjamin Nolte
Mit schwerem Gerät: Die Freiwilligen Feuerwehren Viöl, Wanderup und Jörl bei einer gemeinsamen Übung.
 

Am Standort Viöl sind rund 70 Feuerwehrleute aktiv. „Damit geht es uns vergleichsweise gut, aber auch wir brauchen immer neue Mitstreiter“, so Schulz. Es gebe eine Riege von Stammleuten, die schon viele Jahre dabei sind. Das seien häufig Familienväter oder Mütter, die sich im Dorf ihr Eigenheim gebaut haben. Dann gebe es noch die Jüngeren, die eher noch einmal umziehen oder versetzt würden, wie es etwa bei den Soldaten der Fall sei. „Im Vergleich zu früher ist die Fluktuation gestiegen. Und wenn uns einer unserer Fahrer verlässt, können wir nicht erst anfangen, einen neuen auszubilden.“ Um die Löschfahrzeuge lenken zu dürfen, ist ein Lkw-Führerschein notwendig.

Aktive und Ehrenmitglieder der Freiwilligen Feuerwehr in Viöl.
Foto: Freiwillige Feuerwehr Viöl

Aktive und Ehrenmitglieder der Freiwilligen Feuerwehr in Viöl.

 

Früher war das anders: Als das Dorf noch deutlich kleiner und stärker landwirtschaftlich geprägt war, sei es bei einigen Familien Sitte gewesen, dass einer aus dem Haushalt bei der Feuerwehr ist. Erst als der Sohn zum Brandschützer wurde, ging der Vater in die Ehrenabteilung über.

Deshalb sei Mitgliederwerbung heute um so wichtiger. „Die Plakatwerbung, um neue Mitglieder zu erreichen, ist zwar nett – aber am besten funktioniert immer noch Mundpropaganda“, sagt Schulz. „Die Kameraden nehmen ihren Nachbarn an die Hand und bringen ihn mit zum Gerätehaus.“

Die Feuerwehr kämpft, wie es auch die meisten Vereine tun, um Mitglieder. „Ohne die Einrichtung der Jugendabteilung könnten wir in der Form nicht mehr bestehen“, sagt der Wehrführer.

 

Bei der Jugendfeuerwehr wollen viele mitmachen. Dabei sind 35 Mädchen und Jungen. Mehr als 20 weitere junge Feuerwehr-Freunde stehen auf einer Warteliste. Doch das siebenköpfige Team um Jugendfeuerwehrwart Jörg Bütow kann mehr Kinder nicht adäquat ausbilden und betreuen. „Dazu kommen bei uns auch noch Zeltlager, Flammenabzeichen und Ausflüge.“

In ihrer Jugendabteilung bildet die Wehr aber nicht nur ihren eigenen Nachwuchs aus, sondern auch den der umliegenden Gemeinden. Das Einzugsgebiet umfasst im Grunde das der ehemaligen Kirchspiels-Landgemeinde Viöl – darunter Haselund, Norstedt und Hoxtrup.

 

Die Viöler Ausbilder haben einen guten Ruf, sagt Schulz. „Es gab Zeiten, da haben die Eltern ihr Neugeborenes im Standesamt angemeldet und auf dem Weg direkt auf die Warteliste der Jugendfeuerwehr setzen lassen – etwas überspitzt ausgedrückt.“ Eintreten dürfen die Mädchen und Jungen ab zehn Jahren. Obwohl die Viöler viele der jungen Feuerwehrleute für die umliegenden Dörfer ausbilden und viele irgendwann wegziehen, seien rund 50 Prozent der Einsatztruppe „bekannte Gesichter aus der Jugendwehr“, so Sören Hansen.

Damit fährt die Viöler Feuerwehr gut und auch die Tagesverfügbarkeit ist in der Regel gegeben. „Wir können mit Zugstärke antreten.“ Das sind zwei Gruppen, je acht Personen, plus Einsatzleiter. Die Wehr profitiert dabei davon, dass es in Viöl selbst relativ viele Arbeitsplätze gibt.

Aber auch Feuerwehrleute, die in Husum oder Flensburg arbeiten, kommen bei entsprechender Alarmierungsstufe sofort zum Einsatzort. „Sie sind dann die zweite Welle, etwa bei den Atemschutzgeräte-Trägern. Wenn der erste Trupp eine Pause machen muss, stehen die Pendler bereit“, sagt Schulz und Hansen ergänzt: „Bei Alarm muss man gesunden Menschenverstand walten lassen. Wenn es sich nur um eine Ölspur handelt, verlasse ich nicht mein Kundengespräch in Husum.“

Viele Arbeitgeber der Viöler unterstützten die Einsatzbereitschaft der Wehr. „Das schätzen wir sehr, das macht und unsere ehrenamtliche Arbeit leichter.

Der Wehrführer Michael Schulz mit Pressewart Sören Hansen (r.).
Foto: Lempfert

Der Wehrführer Michael Schulz mit Pressewart Sören Hansen (r.).

 
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