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Krabbenpulen in Tönning : Mit dem richtigen Dreh

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Krabbenpulen lernen – das können Urlauber wie Einheimische im Tönninger Packhaus. Alle zwei Wochen im Sommer treffen sich dort gut 200 Teilnehmer. Am 2. Oktober ist Stadtmeisterschaft.

„Krabben ausziehen“ heißt es im Sommer alle zwei Wochen im historischen Tönninger Packhaus. Mittlerweile hat das Krabbenpulen Kultcharakter. Bürger der Eiderstadt aus allen Altersschichten sitzen gemeinsam mit Gästen aus der ganzen Republik an einem Tisch, plaudern über die Dinge des Lebens und geben Tipps, wie denn die kleinen Schalentiere am besten zu knacken sind.

Ehrenamtlerin Bärbel Berg kann mit ihrem 14-köpfigen Team an diesem Abend gut 200 Besucher begrüßen. Rasch werden die Meeresfrüchte auf den Tischen ausgebreitet. Während der Shantychor „Die Strandräuber“ aus St. Peter-Ording für maritime Stimmung sorgt, wird bei den Anfängern fleißig geübt und bei Erfolg genascht.

„Mann, ist das schwierig“, sagt Urlaubsgast Franz-Reiner Hartmann aus Mönchengladbach. Beinahe will er die Flinte ins Korn werfen, sprich die Schalentiere links liegen lassen, da rückt Stefan Lass, einer der Freiwilligen in den blau-weiß-gestreiften Fischerhemden zur „Ersten-Hilfe“ an. „Am besten die Krabbe festhalten und Kopf ab“, bringt er das Prozedere schmunzelnd auf den Punkt. Er schafft es, den Mann vom Niederrhein neu zu motivieren. „Geht ja doch“, sagt der nach kurzer Zeit zuversichtlich. Vielleicht werde er nachher beim Wettpulen mitmachen. „Ich habe noch nie Krabben gepult“, outet sich die Berlinerin Hannelore Bernhardt. Sie versucht es auf wissenschaftliche Weise. Sie habe gelesen, dass der Kopf der Krabbe zwischen zwei Finger zu nehmen sei. Danach müsse er durch Knicken oder Drehen vom Körper gelöst werden. Bliebe dann nur noch, den Panzer zu beiden Seiten abzudrehen. Doch Theorie und Praxis weichen oft voneinander ab. „Oh Mann, is dit een Fummelkram“, entfährt es ihr. Doch Hilfe ist nicht fern. Ihr gegenüber sitzt der Tönninger Manfred Wolfgramm. „Ich zeige Ihnen das“, sagt er beherzt. Er muss es wissen, denn oft ist er dabei beim Krabbenpulen im Packhaus. Im vergangenen Jahr, verkündet er nicht ohne Stolz, habe er bei den Stadtmeisterschaften mit 73 Krabben den siebten Platz gewonnen. Er genieße nicht nur das Pulen und Essen der superfrischen Krabben danach, sondern auch das Gespräch miteinander. Die Stimmung sei immer gut. Und die von den Ehrenamtlerinnen kreierten Krabbenfrikadellen seien die Wucht. Für Tönning sei die Veranstaltung eine Bereicherung. Wie im Flug vergeht die Zeit. Schon läutet Bärbel Berg das Finale ein. Jeder Gast darf beim Krabbenpulwettbewerb mitmachen. So viele Tiere wie möglich in fünf Minuten pulen ist die Aufgabe. 26 Mutige folgen ihrem Ruf. „Nehmt eure Arme in die Höhe. Ich zähle jetzt bis drei, und dann geht’s los“, erklärt sie. Konzentriert ist jeder bei der Sache. Die Husumerin Resi Ahrens gewinnt schließlich mit 61 Krabben. Über eine vom Multimar gesponserte Familienkarte freut sie sich riesig. Das nächste Krabbenpulen findet heute und dann wieder am 26. August statt, Beginn ist um 19 Uhr. Es singen dann der Tönninger Shanty-Chor „Die Eiderenten“ beziehungsweise der Chor „Harmonie Hattstedt“. Der Eintritt ist frei. Die Stadtmeisterschaft wird am 2. Oktober ausgetragen.


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