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Neue Leidenschaft : Mit dem Pinselstrich alter Meister

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Als Grafiker hat Wolfgang Werkmeister Karriere gemacht. Im Alter widmet sich der Wahl-Bohmstedter ganz der Malerei und studiert Techniken alter Meister.

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erstellt am 14.Jan.2016 | 15:30 Uhr

Es ist eine späte Leidenschaft beziehungsweise eine, der er erst spät nachgegeben hat: Seit Jahrzehnten ist Wolfgang Werkmeister Grafiker, hat eine zweite Karriere als Maler nie ernsthaft in Erwägung gezogen. Aber jetzt, da er stramm auf die 75 zugeht, hat es ihn dann doch übermannt. „Ich mache eigentlich nichts anderes mehr“, sagt der 74-Jährige beim Rundgang durch sein Bohmstedter Atelier. Dort lehnen Dutzende von Malereien an den Wänden. Auf der Staffelei tront eine Leinwand. Es riecht nach Arbeit.

Tatsächlich hat Wolfgang Werkmeister in den vergangenen Monaten mehr gemalt als in den Jahrzehnten zuvor. Motive für seine Bilder findet er vor der Haustür: in Husum, aber auch und vor allem entlang der Arlau. Dort kennt der passionierte Angler Stellen, „wo andere gar nicht hinkommen“.

Sein Faible fürs Malen scheint Werkmeister selbst noch nicht ganz geheuer. Dabei weiß er „vom Kopf her“ schon lange, dass „ein verhinderter Maler in mir schlummert“. Und wer mit seinem grafischen Werk ein wenig vertraut ist, hat keine Mühe, sich dieser These anzuschließen. Schon als Grafiker habe er immer gern Flächen gegeneinandergesetzt und seine Motive – anders als zum Beispiel Alex Eckener – „nicht aus dem Strich heraus entwickelt.“ Tatsächlich wirken Werkmeisters grafische Zyklen – obgleich durchweg in Schwarz-Weiß gehalten – vor dem inneren Auge des Betrachters wie in ein Meer von Farben getaucht. „Ich bin der wahrscheinlich farbenfroheste Schwarz-Weiß-Radierer, den es gibt“, hat er selbst einmal von sich gesagt.

Und nun also Malerei! Droht da ein Umkehrschluss? Im Gegenteil: Werkmeister trägt nicht dick auf – weder, was die Motive, noch was die Farbe oder die Dicke seines Pinselstriches angeht. Der Mann liebt die alten Meister und verbringt viel Zeit in Museen, um sich mit ihren Techniken vertraut zu machen, zu ergründen, wie sie ein Motiv gliedern oder Licht- und Schattenspiele einfangen. Einiges hat er für die eigene Malerei übernommen – zum Beispiel, seine Bilder rot zu grundieren. Das Flimmern, dieses Vibrieren der einander überlagernden Farbschichten erzeugten lustvolle Oberflächen-Strukturen, die den Malprozess auf ihre Weise anheizten und vorantrieben, sagt er.

Im Grunde habe er schon mit der Aquatinta-Technik auf der Kupferplatte gemalt“, durchzuckt es Werkmeister. Tatsächlich hat er in seiner Grafik das entwickelt, was Peter Rühmkorf „eine unverwechselbare Pfote“ nannte. „Man kann mich gar nicht nachmachen“, fasst Werkmeister die Sache selbstironisch zusammen. „Weil keiner weiß, wie ich es mache. Und unter uns: Manchmal weiß ich es selber nicht.“ Vielleicht liegt ja darin der Grund, warum er hier wie dort „alles konstruieren, Flächen und Lichteffekte so zueinander in Beziehung setzen muss, dass sie dem Betrachter einen geordneten Weg durchs Bild ermöglichen.

Der Maler in Wolfgang Werkmeister denkt eben grafisch. Und ein Plein-Air-Künstler wird eh nicht mehr aus ihm. Dafür tun es vermeintlich „simple Motive“ – der lange Steg beim Husumer Sperrwerk, das windschiefe, Feuerwehr-rote Gatter einer Weide hinterm Haus, drei Schafe in der perspektivischen Schräglage eines sattgrünen Sommerdeiches. Das Bild mit dem Gatter findet er besonders gelungen: ein Heimatthema ohne jeden Funken von Heimattümelei. „Das kriegst du auch nicht immer hin“, sagt Werkmeister selbstkritisch.

Sein Wissen um die vielen großartigen Maler der Kunstgeschichte erdet auch die Eigenwahrnehmung. Und manchmal fühlt er sich wie „ein kleines Licht in einer sich beständig verdunkelnden Welt, die von neuen Medien aufgeschäumt wird“. Umso glücklicher ist er, wenn ein Bild fertig wird. „Aber der Weg dorthin ist entsetzlich“, sagt Wolfgang Werkmeister – Leidenschaft, die Leiden schafft.

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