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Auf SEE : Mit dem Namen „Husum“ unterwegs

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Vom Ausflugsdampfer über den Bohrinsel-Versorger bis zum Container-Frachter: Eine ganze Reihe von Schiffen hieß bisher wie die Storm-Stadt. Wir stellen die Fahrzeuge und ihren Aufgabenbereich vor.

„Tor zur Halligwelt“: Mit diesem Titel konnte sich Husum schmücken – noch bis in die Mitte der 1980er Jahre. Zu verdanken hatte die Storm-Stadt jenen Ruf einem kleinen Motorschiff, dem diese Rolle nicht gerade auf den Leib geschrieben war. 1912 als „Fritz Reuter“ für die Fahrt auf Flüssen gebaut, wechselte die gerade einmal 26,4 Meter lange und fünf Meter breite Nussschale 1936 in Rostock den Besitzer und ging am 23. April 1937 für die extra gegründete Husumer Motorschiffsgenossenschaft unter dem Namen „Stadt Husum“ in Fahrt.

Dieser Ausflugsdampfer war nicht das erste Schiff mit dem Namen „Stadt Husum“. Schon im 19. Jahrhundert schipperte unter diesem Namen ein 13 Registertonnen kleiner Raddampfer als Behörden-Schiff durchs Wattenmeer vor Husums Haustür. Ende der 1860er Jahre kaufte der Pellwormer Kapitän Peter Jacob Sellmer den Regierungsdampfer und eröffnete die erste feste Linie Pellworm-Nordstrand-Husum. 1872 übernahm die gerade gegründete Pellwormer Dampfschiffahrtsgesellschaft das Schiff, das dann aber 1877 – total heruntergekommen und -gefahren – in die Niederlande verkauft wurde.

1926 folgte „Stadt Husum“ Nummer zwei. Das war ein 1885 als „Westerland“ gebauter Raddampfer, der bis 1936 für Ausflugsfahrten in die Hallig- und Inselwelt eingesetzt wurde – mit Restauration und Platz für 200 Personen. Dieses Schiff – von der Stadt gekauft – fuhr nach festem Fahrplan, konnte aber auch für Gesellschaftsfahrten gechartert werden.

Die „Stadt Husum“ Nummer drei – die so etwas wie eine Rolle als Mini-KdF-Schiff (Kraft durch Freude) spielen sollte, hatte den Kauf doch maßgeblich der damalige Husumer NSDAP-Kreisleiter Hermann Hansen betrieben – machte erst einmal als „Kriegsschiff“ Karriere: als Küstenwachboot für die Marine. Als Folge wurde der kleine Dampfer nach Kriegsende von den Briten beschlagnahmt. Ab 1949 fuhr die „Stadt Husum“ dann wieder durch die Insel- und Halligwelt, manchmal bis nach Amrum. 1963 – exakt am 23. April – dann die Schicksalsstunde: Nach einem Werft-Aufenthalt soff das Schiff mitten im Husumer Hafen ab und war nicht mehr wieder herzurichten. 120 000 Fahrgäste hatten bis dato an Bord des Oldtimers das Wattenmeer kennengelernt. Geradezu legendär dabei das Ausbooten vor den Halligen Südfall oder Süderoog.

Die Liste der Schiffe mit dem Namen „Stadt Husum“ wurde 1968 um eine Nummer vier erweitert. Das war ein 1960 in Büsum für die vom Kapitän August Jacobs gegründete ASAG (Amrumer Schifffahrts-AG) von Stapel gelaufenes Fahrgastschiff (33,64 Meter lang, 6,61 Meter breit). Als „Amrum“ befuhr der 152-Tonner die Route Steenodde-Hooge-Langeneß-Schlüttsiel. Im März 1968 wurde das elf Knoten schnelle Motorschiff in „Stadt Husum“ umbenannt und verkehrte – auch nach Übernahme der ASAG durch die Wyker Dampfschiffsreederei im Jahr 1971 – bis 1982 in der Saison ab Husum durch die Halligwelt. Nach einigen Zwischenstationen – als „Rita 1“ ab Eckernförde und als „Sylter Hahn“ ab Deutschlands nördlichster Insel – befährt die vierte „Stadt Husum“ seit 1988 als „Hauke Haien“ für die Halligreederei von Bernd Diedrichsen von Schlüttsiel aus das Wattenmeer.

Ohne den Zusatz „Stadt“ mussten andere Schiffe auskommen, die auf den Namen der nordfriesischen Kreisstadt getauft wurden. Zum Beispiel ein 1974 auf der Husumer Schiffswerft entstandener 999-BRT-Frachter für die damalige Hamburger Partenreederei Lührs und Knüppel. Bis 2008 tauchte diese ehemalige MS „Husum“ noch unter vielen Namen (Hornburg, Scotland, Elizabeth H., Etna, HAS) in verschiedenen Fahrtgebieten auf – zuletzt unter der Flagge von Antigua und Barbados (Heimathafen: St. John).

Eine ähnlich bewegte Schiffs-Biografie hat ein weiterer Bau der Husumer Werft vorzuweisen: ein Bohrinsel-Versorger mit Taufnahmen „Balder Husum“. 1982 kam der 499-Tonner für den norwegischen Reeder Parley Augustsson in Fahrt – als Teil einer ganzen Serie dieser in Husum entstandenen Spezialschiffe für die weit verzweigte Firmengruppe des Nordmanns. Dabei ging wohl nicht alles mit rechten Dingen zu: Von Subventionsbetrug, windigen Schiffsbau-Finanzierungen und überhöhten Abrechnungen wussten damals die Gazetten zu berichten.

Die „Balder Husum“ wurde 1986 nach Kanada verkauft, ging 1987 an einen britischen Reeder und hieß „British Tartan“. 1990 firmierte der Schlepp-Versorger als „Lancelot Gulf“ und fuhr für einen Reeder in Stavanger (Südnorwegen). Unter Liberia-Flagge und als „Osa Viscount“ war die Ex-„Balder Husum“ noch bis 2010 für verschiedene Gesellschaften in Fahrt.

2006 ließ die Hamburger Hammonia-Reederei unter den Namen „Hammonia Husum“ einen 210 Meter langen Frachter in Korea bauen. Den Namen behielt das Schiff, das über 2500 Container befördern kann, aber nicht lange. Heute fährt es als „Libra Copacabana“ über die Weltmeere. Nicht viel anders erging es einem Bulkcarrier der Hartmann-Gruppe aus Leer. Der 53 000-Tonner ging in China noch als (neue) MS „Husum“ von der Bauhelling, hat jetzt aber den Charternamen „UBC Livorno“ (Flagge: Liberia).

Aktuell trägt – soweit bekannt ist – nur ein Schiff den Namen der nordfriesischen Kreisstadt: die MS „Wilson Husum“. Der 90 Meter lange Frachter, der 4200 Tonnen Tragfähigkeit hat, befährt unter der Flagge von Barbados für die Wilson-Reederei (Bergen, Norwegen) die Nord- und Ostseeregion. Nur so nebenbei: Auch in Norwegen gibt es einen Ort namens Husum.

 

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erstellt am 16.Okt.2013 | 12:00 Uhr

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