Entdeckungsreise auf Nordstrand : Mit dem Joystick zum Notfall-Einsatz

Auch die ganz kleinen Teilnehmer wollen mehr über die Arbeit auf der „Eiswette“ erfahren.
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Auch die ganz kleinen Teilnehmer wollen mehr über die Arbeit auf der „Eiswette“ erfahren.

Beim Winterwandern des HGV Nordstrand erfahren die Teilnehmer Wissenswertes über Seenotretter und Klimaschutzdeich.

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02. Januar 2018, 13:00 Uhr

An diesem stürmischen Morgen steht der Seenotrettungskreuzer „Eiswette“ im Hafen von Strucklahnungshörn im Mittelpunkt. 17 Teilnehmer des achten Winterwanderns, organisiert vom Handels-, Gewerbe- und Vermietervereins (HGV) Nordstrand, begrüßt Stefan Paulsen, zweiter Vormann des seit 2009 im Hafen stationierten modernen Seenotrettungskreuzers der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Er erklärt alles rund um die Arbeit der in 14-tägigen Schichten arbeitenden dreiköpfigen Crew. Nicht nur die technikbegeisterten Männer geraten ins Staunen, als der Nautiker die Daten des Schiffes nennt. Fast 20 Meter lang sei es und 38 Tonnen Wasser verdränge es. 1660 Pferdestärken warten im Maschinenraum auf ihren Einsatz. Sie schaffen bei voller Fahrt 22 Knoten, also fast 60 Stundenkilometer. „Beachtlich“, staunt Feriengast Heinrich Freimark aus der Nähe von Hannover. Natürlich darf jeder, der möchte, sich den Motor anschauen und sich auf einem der bequemen Sessel auf der modernen Kommandobrücke niederlassen. Das Staunen über die nautischen Instrumente – allesamt computergesteuert – nimmt kein Ende. Ins Auge fällt auch, dass es kein Steuerrad gibt. Nur per Joystick wird navigiert. „Faszinierend, ich war noch nie auf einem Rettungskreuzer“, sagt Hannelore Manthey aus der hessischen Rhön. Große Hochachtung habe sie vor den Seeleuten, die ihr Leben für andere einsetzen. Trotz der modernen Technik bleibe doch immer noch das Restrisiko.

Paulsen beantwortet geduldig jede Frage. Wieviel Einsätze man binnen 14 Tagen erwarten müsse, möchte jemand aus der Runde wissen, und welcher Art sie vorwiegend sind. „Manchmal haben wir Ruhe, aber in der Regel müssen wir zwischen fünf und zehn Mal raus. Meist geht es um Krankentransporte von den Inseln und Halligen, aber manchmal auch um Hilfeleistungen bei Maschinenschäden auf Kuttern“, informiert Paulsen. Es tun immer sieben Seenotretter 14 Tage Dienst, damit sie sich abwechseln können. Geschlafen wird wenige Meter hinter dem Deich in einem eigens eingerichteten Gebäude neben den Geschäftsräumen der Adler-Reederei. „Man ist im Ernstfall ganz schnell an Bord. Immer geht der Herzschlag dann wie wild. Man weiß nie, was einen erwartet“, so Paulsen. Man komme auf 70 bis 120 Einsätze jährlich. Dirigiert werden alle von der Zentrale in Bremen aus. 1000 Retter, alles gestandene Seeleute, die meist vorher schon zur See gefahren seien und sich ständig weiterbilden, sind an Nord- und Ostsee an 54 Orten stationiert.

Den weiteren Ablauf des Winterwanderns gestalten Nationalpark-Wattführerin Cornelia Kost und Rungholt-Experte Robert Brauer. Auf geht es auf den gut einen Kilometer langen Spaziergang zum Norderhafen. Jede Menge Informationen gibt es nicht nur zum neuen Deich, sondern auch zum Thema Rungholt. Brauer lässt die Historie beim Blick über die See in Richtung Nordstrandischmoor und Pellworm lebendig werden. Die Geschichte von den ersten, zwei Meter hohen Deichen mit einem ganz anderen Profil, über die Stackdeiche bis zum heutigen modernen Klimaschutzdeich ist leicht nachzuvollziehen. Der Weg führt direkt auf der Promenade des in dreijähriger Arbeit entstandenen und im vergangenen Jahr vollendeten Klimaschutzdeiches mit einer Höhe von 8,70 Metern entlang. „Er sollte hoch genug sein, um dem Meeresspiegelanstieg in Zukunft standzuhalten“, sagt Brauer. Der Deichkörper ist 120 Meter breit. Nur so sei die Höhe von mehr als acht Metern erreicht worden.

Vor 400 Jahren, zurzeit der zweiten Groten Manndränke im Jahr 1632, waren es nur 30 Meter gewesen. Zeit für vertiefende Gespräche und zum Ausklingen eines interessanten Vormittages gibt es schließlich in der Gaststube des Restaurantes „Zur Nordsee“ am Norderhafen. Wärmende Getränke und ein deftiges Grünkohlessen gehören ebenso dazu.

Der Löwenanteil der Teilnahmegebühr sowie weitere freiwillige Spenden werden der DGzRS zur Verfügung gestellt. „Wir möchten mit der Aktion ein Zeichen setzen für die wichtige Arbeit der Nordstrander Seenotretter“, so Kost.

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