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Wintergäste im Visier : Mit dem Fernglas auf Vogeljagd

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Auf Nordstrand tummeln sich unzählige Winter- und Zugvögel. Die Schutzstation Wattenmeer bietet Touren zum Beobachten der vielen Wintergäste an. Der Vogelkiek kommt bei Urlaubern sehr gut an.

Es fühlt sich kälter an als es ist. Nicht umsonst haben sich die vier Urlaubsgäste aus Hessen warm angezogen. Sie warten am Silo Süderhafen auf Nordstrand auf den Startschuss zum „Vogelkiek“ der Schutzstation Wattenmeer. Zugvögel beobachten, heißt an diesem kühlen Morgen ohne einen Schimmer von Sonne die Devise.

Voller Erwartung sind schon lange vor dem Termin der 13-jährige Karl Wagner mit seiner Mutter Katrin aus Frankenthal in Hessen erschienen. Eine Woche sind beide in Tönning einquartiert. Karl macht sozusagen Bildungsferien. Der Schüler einer Waldorfschule hat sich als Jahresarbeit das Thema Wattenmeer ausgesucht. „Ich will mehr über den Vogelzug erfahren“, sagt der selbstbewusste Schüler, der schon das Multimar Wattforum erkundet hat und am Nachmittag noch eine Salzwiesenführung in Dithmarschen mitmachen möchte. „Es ist für uns beide ein Erlebnis, das Weltkulturerbe Wattenmeer hautnah zu erleben“, schwärmt Mutter Katrin. Die aus Berlin stammenden Urlaubsgäste Aljascha Hofmann und Charlotte Schroer freuen sich auf das bevorstehende Naturerlebnis. „Wir lieben die Nordseeküste. Sie ist einmalig. Deshalb kommen wir mindestens einmal jährlich hierher", sagen beide unisono. Eine solche Führung hätten sie noch nie mitgemacht. Da kommt sie angeradelt, die 18-jährige Franziska Grix, mit Rucksack und Ferngläsern im Gepäck. Die aus der Nähe von Frankfurt am Main stammende Abiturientin absolviert seit Juli ein Jahr lang ihren Bundesfreiwilligendienst in der Nordstrander Schutzstation. Sie nutzt das Jahr für ihre persönliche Findungsphase. Sie beginnt lebendig und fesselnd zu erzählen von ihrer nie langweiligen Arbeit, stellt die Bedeutung des schützenswerten Wattenmeeres in den Mittelpunkt und beginnt von den Zugvögeln zu schwärmen, die alljährlich auf der ostatlantischen Vogelfluglinie über Nordfriesland hinwegziehen und auf ihrem Weg gen Süden oder Norden quasi auf der „Tankstelle Nordstrand“ Rast machen. Eine unglaubliche Leistung sei das für viele Arten, rund 10  000 Kilometer von der Nord- zur Südhalbkugel und zurück zu fliegen. Kaum ausgesprochen erhebt sich über dem Hafenbecken ein Schwarm Nonnengänse in strenger Formation in die Luft.

Zu ihren Jobs gehöre – so berichtet die junge Naturliebhaberin – auch das Zählen der Nonnengänse, die sich auf den Äckern und Weiden zum Fressen niederlassen. Weiter geht es auf der Deichkrone entlang in Richtung Vorland, um einen besseren Blick auf die Uferzone zu bekommen. Fragen über Fragen stellen die Gäste, die alle auch beantwortet werden. Über Aussehen, Eigenheiten oder Brutverhalten gibt es einiges zu hören. Im Zweifel helfen mitgebrachte Fachbücher für die Bestimmung von Vogelarten. Nonnen- und Brandgänse, Alpenstrandläufer, Sandregenpfeifer, Austernfischer oder Stock- und Eiderenten präsentieren sich.

Alle aus der Gruppe sind zwar nach eineinhalb Stunden durchgefroren, doch begeistert. Auch der Schüler in der Runde hat „Futter“ genug für seine Arbeit gefunden. Spannend fand er, dass der Knutt die Strecke zwischen Grönland und Südafrika in einem Törn durchfliegen kann – und das zweimal im Jahr. Er habe auch nicht gewusst, dass der Vogel eine Gehirnhälfte abschalten könne, so dass er quasi während des Fluges schläft.

Der nächste Vogelkiek startet am kommenden Donnerstag (29.) um 13.30 Uhr. Treffpunkt ist am Silo Süderhafen. Weitere interessante Veranstaltungen finden am Sonnabend (31.) statt. Ab 9.30 Uhr wird ab Deichkrone Fuhlehörn eine Wattwanderung für Kinder angeboten. Aquarienfütterung im Nationalparkhaus Nordstrand ist ab 16 Uhr angesagt. Bereits ab 15 Uhr findet dort eine Ausstellung statt. Einen Tag später gibt es im Nationalparkhaus einen Vortrag über Bernstein, auch Gold des Nordens genannt. Außerdem heißt es um 18 Uhr Aufbruch ab Fuhlehörn zu einer Deichwanderung bei Nacht. Info: www.schutzstation-wattenmeer.de oder Telefon 04842/519.

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