Hattstedt : Mit dem Dudelsack auf dem Deich

Bei ihren Auftritten tragen die Hattstedter Watten-Piper stilecht den Kilt.
Bei ihren Auftritten tragen die Hattstedter Watten-Piper stilecht den Kilt.

Die Watten-Pipeband aus Hattstedt hat sich der schottischen Musik verschrieben und freut sich über weitere „Schotten“.

shz.de von
04. Juni 2018, 13:00 Uhr

An den Tönen der Highland Bagpipe, sprich des schottischen Dudelsacks scheiden sich seit jeher die Geister – denn was für Freunde gefühlvolle Musik mit wohligem Gänsehaut-Effekt ist, klingt für andere wie das schrille Gejammer eines liebeskranken Katers. „Aber wer sich einmal dem Spiel auf dem Dudelsack verschrieben hat, den lässt es nicht mehr los“, ist sich Werner Martinsen als Vorsitzender der Hattstedter Watten-Pipeband sicher. In der Turnhalle erklingen deshalb jeden Dienstagabend so bekannte Stücke wie „Amazing Grace“, „Highland Cathedral“ und „Scotland the Brave“. Denn hier üben sich zurzeit 20 Piper (Dudelsackspieler) und Drummer (Trommler) begeistert in ihrer Lieblingsmusik. Der besondere Rhythmus der schottischen Musik ist auch für die Trommler eine Herausforderung, die diszipliniertes Üben erfordert.

Doch bevor ein Piper seinem Instrument auch nur einen Ton entlockt, dauert es geraume Zeit. „Lange quälte ich mich nur auf dem Chanter ab. Das ist eine Flöte ohne Sack, auf der die Stücke einstudiert werden. Bis zum ersten Stück vergingen letztlich fast zwei Jahre“, berichtet Marco Scharrer.

Der Dudelsack funktioniert nämlich so: Der Spieler bläst zunächst den Sack auf, der mit den drei „Drones“, die die Musik erzeugen, verbunden ist. Dieser Luftvorrat dient allein dazu, die Atempausen zu überbrücken. Wenn der Spieler Luft holt, muss er mit genau dem gleichen Druck seinen Arm auf den Sack drücken, mit dem er geblasen hat. Gleichzeitig gilt es, auf der Flöte die Melodie zu spielen. „Es macht Mühe und braucht enorme Disziplin. Ich übe fast jeden Tag, und es klingt wahrlich nicht immer gut. Deshalb gehe ich zum Üben oft auf den Deich oder in die Marsch“, erklärt denn auch der stellvertretende Vorsitzende Achim Jensen schmunzelnd.

Wer die Piper und Drummer einmal in Aktion erleben oder sich selbst einmal an den Instrumenten ausprobieren möchte, sollte sich nicht scheuen, bei einem Übungsabend vorbeizuschauen. Dabei tragen die Musiker allerdings selten den traditionellen Kilt. Doch wenn es gilt, bei einem öffentlichen Fest oder einer privaten Feier aufzutreten, erscheinen die Damen und Herren Musiker selbstredend im „Full Dress“, das heißt im Kilt mit Sporran (traditionelle Tasche), Kniestrümpfen, Weste, Jackett und Glengarry (Mütze). Die Watten-Piper tragen übrigens den Tartan (typisches Karomuster) des Clans MacInnes. „Wir haben uns für diesen Tartan entschieden, weil er mit seinen Farben Grün, Blau und Gelb gut zu unserer Region passt“, erläutert Martinsen.

Weitere Informationen zu den nordfriesischen Highlandern erhalten Interessierte unter www.watten-pipeband.de.

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