Friedrichstadt : Mit Captain Future beim Lampionfest-Korso

Steffi Böse verkleidet sich als TV-Küken Calimero.
Steffi Böse verkleidet sich als TV-Küken Calimero.

Mit TV-Helden aus den 1970er-Jahren bereiten sich 17 Bootsbauer aus Drage, Seeth und Friedrichstadt auf den Ereignis vor.

shz.de von
19. Juli 2018, 20:00 Uhr

Passt! Für „Küken Calimero“ ist der Kopfputz schon fertig: eine Eierschale aus Pappmaché, die sich Steffi Böse jetzt probehalber überstülpt. Mit Schnabel und Kulleraugen ist das Kostüm für die Zeichentrickfigur fast schon perfekt. Auch Popeye, Pipi Langstrumpf, die Schlümpfe, Ernie & Bert und weitere TV-Helden der 70er Jahre gehen am Sonnabend (28.) auf große Grachtenfahrt.

„Wir haben uns für unser Motto Figuren aus Fernsehserien ausgesucht, die wir alle aus unserer Kindheit kennen“, erzählt Birte Überlehr. Sie ist Mitglied einer Crew aus Drage, Seeth und Friedrichstadt, die derzeit unter Hochdruck an einem großen Floß arbeitet, das im Boots-Korso zum Lampionfest an den Start geht. Demnächst wird es zu Wasser gelassen: „Dann sehen wir, ob es trägt“, sagt die junge Frau lachend. Aber so akribisch, wie das 17-köpfige Team, darunter sechs Kinder und Jugendliche, geplant, gewerkelt und gebaut hat, dürfte nichts schief gehen.

22 blaue Fässer bilden die Basis, auf der ein Metallgestell ruht, das Andreas Böse in zweimonatiger Arbeit in seiner Freizeit zusammengeschweißt hat. Auf das Gerüst kommen Pressholzplatten als Bodenplanken, die gerade von den Jugendlichen schwarz bemalt werden. „Dreieinhalb Tonnen Gewicht sollte das Floß tragen“, hat Andreas Böse berechnet: „Wir liegen eine gute Tonne darunter.“ Das Geländer des Floßes schmücken in alte Fernseher verpackte Zeichnungen, die Lilly (14) und Johanna (16) angefertigt haben: Bilder von Biene Maja, Bugs Bunny, Pinocchio, Tom & Jerry, Sindbad, Captain Future und weiteren Serien-Helden. Alles wird lustig und bunt. Und fast alles ist selbst gemacht. „Darauf legen wir Wert“, sagt Birte Überlehr.

Rund 400 Euro kostet die Crew das Floß, Deko und Kostüme inklusive. Viele Wochen Arbeit stecken in dem Bootsbau. „Man muss schon einen an der Waffel haben, um so was durchzuziehen“, sagt Andreas Böse und grinst. Aber Spaß hat es gemacht. „Und der Spaßfaktor ist doch das Entscheidende“, findet Birte Überlehr. Schon das Planen und Bauen sei toll gewesen, aber: „Das Schönste ist dann der Korso“, sind sich die Bootsbauer einig: „Das ist doch das Besondere und Einmalige am Lampionfest.“

So sieht das auch Anja Andersen vom veranstaltenden Tourismusverein Friedrichstadt. „Stadtfeste gibt es viele, aber ein nächtlicher Boots-Korso auf den Grachten ist ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt sie. Viele der durchschnittlich 30.000 Besucher, die zu dem Lampionfest in die Grachtenstadt kommen, locke vor allem der Boots-Korso. Und da will Friedrichstadt Flagge zeigen.

„In diesem Jahr laufen die Anmeldungen leider schleppend“, so Andersen. Dabei braucht es gar nicht viel, um dabei zu sein: „Ein Kanu, Paddelboot, Board oder Tretboot reichen völlig aus, um sich einzureihen“, erklärt die Tourismus-Expertin. Lichterkette und Kostüm dürften wohl niemanden vor Probleme stellen. Und dann heißt es: ab aufs Wasser, Spaß haben und im Beifall baden, wenn zig Tausende an den Grachten-Hängen jubeln und den Korso anfeuern.

Übrigens: Wer beim Tourismusverein eine Quittung über Material für den Bootsbau einreicht, wird mit 50 Euro Zuschuss belohnt. Auch über Helfer und Spenden freuen sich die Veranstalter. „Das meiste Geld fließt in die Sicherheit“, sagt Anja Andersen. Damit Friedrichstädter und Gäste auch in diesem Jahr unbeschwert feiern können.

Wer beim Boots-Korso mitmachen will, sollte sich per E-Mail bei andersen@friedrichstadt.de oder telefonisch unter 04881/939315 bei Anja Andersen melden.

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