zur Navigation springen

Peter Butschkow : Mit Buntstiften Humor in die Welt bringen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Langenhorner Peter Butschkow ist mit fast zwei Millionen verkauften Büchern einer der erfolgreichsten deutschen Cartoonisten. Ein Leben ohne Zeichnen kann sich der 71-Jährige nicht vorstellen, sagt er.

shz.de von
erstellt am 07.Jan.2016 | 17:42 Uhr

Woher er seine Inspiration nimmt, kann Peter Butschkow selbst gar nicht so wirklich beantworten. „Es ist ein bisschen magisch“, sagt er und überlegt kurz. „Ich gehe jedenfalls nicht auf die Suche, ich lasse mich eher treiben.“ Wenn dem Cartoonisten aber etwas begegnet, das er in seinen Zeichnungen unterbringen kann, dann hält er es fest – schneidet es aus Zeitschriften aus, macht sich eine Skizze oder ein Foto. „Früher habe ich sogar Standbilder auf dem Fernseher fotografiert“, sagt er. Vor allem aber Situationen aus dem alltäglichen Leben bringen ihn auf Ideen. „Vor kurzem habe ich beim Arzt ein Kind beobachtet, das das gesamte Wartezimmer unterhalten hat. Das war super!“ Zudem bezeichnet sich der 71-Jährige selbst als einen kontaktfreudigen Menschen – und tippt auch gern mal Unbekannten auf der Straße oder im Supermarkt auf die Schulter und beobachtet, wie sie auf einen lustigen Spruch von ihm reagieren. „Ich freue mich, wenn ich es schaffe, einen Menschen dadurch zu lockern.“ Und Situationen wie diese inspirieren ihn. „Ich brauche diesen Umgang mit meiner Umwelt“, sagt Butschkow.

Und genau diese Kontaktfreudigkeit hat den Langenhorner vor etwa zwei Jahren auch raus aus der aus der Isolation seines Ateliers – und hinauf auf die Bühne gezogen. „Ich habe mich immer gefragt, wie die Leute eigentlich auf meine Bilder reagieren. Lacht da auch einer, wenn ich etwas witzig finde?“ Zwar bestehen seine Cartoon-Shows auch aus Erzählungen und kurzen Lesungen – im Mittelpunkt stehen aber immer die Karikaturen. „Das ist ein schöner Kontrast zu meiner sonstigen Arbeit. Viele in diesem Job neigen dazu, sich zu vergraben. Für diese Shows muss man aber schon eine Rampensau sein“, sagt er. „Und ich habe immer Leute beneidet, die auf der Bühne stehen – bis hin zu Fußballern. Mir macht es einfach Spaß, Leute unmittelbar zum Lachen zu bringen.“

Den Wunsch, auf der Bühne zu stehen, hat Butschkow schon früh. In den 60er Jahren trommelt der gebürtige Berliner bei den Team Beats Berlin, denen auch der Musikjournalist und heutige Struckumer Olaf Leitner angehörte. Gemeinsam spielten sie unter anderem vor 22.000 Menschen im Vorprogramm des legendären Rolling-Stones-Konzerts 1965 in der Berliner Waldbühne.

„Ich habe schon immer nur Schlagzeug gespielt oder gezeichnet“, sagt Butschkow. Auf die Idee, eines davon zum Beruf zu machen, ist er aber nicht von selbst gekommen. „Das ist einer dieser Schlüsselmomente, die man mit einem Menschen hat – wovon der andere aber wahrscheinlich gar nichts merkt. So ein Mensch, den man deswegen aber nie vergisst“, sagt er. Im Fall von Peter Butschkow ist dieser Mensch Mitschülerin Liselotte – die ihm sagte, er müsse etwas aus seinem Talent machen und Grafiker werden. „Zuerst habe ich mich gefragt, was das überhaupt ist“, erinnert er sich, danach verfolgt er das Ziel dann aber tatsächlich.

Weil er nach der Schule noch nicht alt genug ist, an der Kunstakademie aufgenommen zu werden, beginnt er zunächst eine Lehre als Setzer – die er aber schon nach einem Jahr wieder abbricht, um dann im Alter von 19 Jahren an die Akademie gehen zu können. In seinem letzten Zeugnis schreibt sein damaliger Meister: „Wir wagen es zu bezweifeln, dass dieser Weg der richtige ist.“

Auch Butschkows Eltern, ein Steuerberater und eine Hausfrau – „grundsolide Menschen“, wie er es beschreibt – hätten ihn eigentlich ebenfalls nicht verstanden, trotzdem aber immer unterstützt. „Die haben gefühlt, dass ich meinen Weg gehen werde“, sagt er. Mit dem Geld, das er am Schlagzeug der Team Beats macht, kann er sich das Studium finanzieren.

Nach drei Jahren als Werbegrafiker in einer Agentur und weiteren zehn als erfolgreicher, selbstständiger Grafik-Designer schmeißt er hin und verlässt zeitgleich seine Heimatstadt, deren hektischer Pulsschlag ihm langsam auf die Nerven und die Gesundheit geht. Schon Jahre zuvor kaufte und renovierte er sich mit Freunden im Bergischen Land ein altes Fachwerkhaus – und zieht nun dort hin. „Das Leben auf dem Land hat mir schon immer gefallen“, sagt er. Butschkow erfüllt sich so einen Traum, den eigentlich immer sein Vater hatte. Er legt sich mit seinen Mitbewohnern Hühner, Schafe, Katzen und einen Hund an – und verfolgt nebenbei seinen eigenen Traum: Vom Zeichnen seiner Cartoons und seinem Humor leben zu können. „Jetzt oder nie, habe ich damals gedacht.“

Schon in Berlin konnte er neben seiner Arbeit als Grafiker und Designer erste Cartoons an Zeitungen und Zeitschriften verkaufen – und so langsam nehmen die Aufträge nun zu. Die WG löst sich wenige Jahre später auf und gemeinsam mit seiner Freundin geht es zurück in die Stadt – 1983 ziehen sie nach Hamburg. Die Nähe zu Verlagen und Magazinen schiebt Butschkows Karriere zwar weiter an, doch es zieht ihn zurück auf das Land. Auch, weil er seine beiden inzwischen geborenen Söhne Jacob und Eddy nicht in der Stadt großziehen möchte. „Die Küste hat mir schon immer gefallen“, sagt er – und über den Kontakt zu einem Freund in Rodenäs landet er schließlich in Langenhorn. Die Familie behält zwar die Wohnung in Hamburg, doch auch in Nordfriesland gibt es wieder richtiges Landleben – mit Ziegen, Schafen, Katzen und einem Hund.

Bis heute arbeitet Peter Butschkow dort in seinem Atelier am Schoolstieg, kommt während seiner Spaziergänge mit dem Hund durch Langenhorn auf neue Ideen und genießt sein weitestgehend entstresstes Leben, durch das sich immer wieder derselbe Rhythmus zieht. Nach einem guten Frühstück und der Zeitungslektüre setzt er sich an das Zeichenbrett. Wie seine Söhne mal gesagt haben: „Der Butschi arbeitet immer.“

Es macht ihm uneingeschränkt Spaß, mit seinen Zeichnungen positive Gefühle zu verbreiten, sagt er. Den negativen Teil überlasse er den Nachrichten. Und ans Aufhören denkt der 71-Jährige noch lange nicht: „Ich kann mir ein Leben ohne Zeichnen beim besten Willen nicht vorstellen.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen