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Aktion gegen Gewalt in Nordfriesland : Mit Brötchentüten Zeichen setzen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Mit einer besonderen Aktion wird auf das Thema Gewalt gegen Frauen und Kinder hingewiesen. Die Akteure verteilen bedruckte Brötchen-Tüten – und kostenloses Backwerk.

Gewalt gegen Frauen und Kinder – auch in Nordfriesland findet sie in den eigenen vier Wänden statt – und das in allen gesellschaftlichen Schichten. In Deutschland ist fast jede vierte Frau von häuslicher Gewalt betroffen. Jährlich fliehen rund 45.000 Betroffene mit ihren Kindern in Frauenhäuser.

Zum zwölften Mal informieren in einer gemeinsamen Aktion das Sozial- und Gleichstellungsministerium, der Landesinnungsverband des Bäckerhandwerks, die Gleichstellungsbeauftragten und das lokale Bündnis gegen häusliche Gewalt über die aktuelle Situation. Landesweit werden rund 350.000 Brötchentüten mit dem Aufdruck „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ von mehr als 60 Bäckereien kostenlos verteilt.

Auch in Nordfriesland engagieren sich wieder zahlreiche Helfer. „Es sind vor allem Frauen und Kinder, die von häuslicher Gewalt betroffen sind“, sagt Bredstedts Gleichstellungsbeauftragte Christine Friedrichsen. „Besonders dort, wo sie eigentlich Schutz und Unversehrtheit genießen sollten, nämlich in der Familie, macht Gewalt die Opfer häufig sprachlos. Oft sind es Scham und unerträgliche Fassungslosigkeit, die verhindern, dass die Betroffenen sich Hilfe holen.“ Gemeinsam mit den Kooperationspartnern Bäckerei Meyer, Frauennotruf und Weisser Ring verteilte Friedrichsen allein in Bredstedt an einem Tag rund 150 der besonderen Brötchentüten an Passanten. „Wir haben viele sehr spannende Gespräche geführt“, sagte Friedrichsen. Das Interesse der Menschen am Thema sei groß. „Vielleicht“, so die Hoffnung der Gleichstellungsbeauftragten, „konnten wir auch manche Hemmschwelle abbauen und verdeutlichen, dass es zuverlässige Hilfe für den Fall der Fälle gibt.“

Bereits zum siebten Mal sind angehende Bäckerei-Fachverkäuferinnen der Beruflichen Schule Husum mit Lehrerin Ursula Aleidt mit von der Partie. Die Klassen der Auszubildenden erhielten von der Kooperations- und Interventionskonzept-Koordinatorin Petra Stadtländer in einem Workshop Hintergrundinformationen und setzten sich mit dem Thema auseinander. Zudem stellen Schüler des Ausbildungsvorbereitenden Jahres (AVJ) der Beruflichen Schule Pausensnacks her und verkaufen diese in der Aktionstüte unter dem Slogan „1000 Tüten gegen Gewalt“.

„Das Interessen war groß, wir haben 600 Brötchen verteilt“, sagte Stadtländer zu dem Verlauf der Aktion vor dem Husumer Kaufhaus. Sie erklärte, dass laut einer Studie der Europäischen Union 22 Prozent der Frauen in Deutschland von Partnerschafts-Gewalt betroffen seien. „Mit dem Slogan ‚Ein Anruf ist der erste Schritt zur Veränderung‘ und der Telefonnummer auf den Brötchentüten wollen wir Betroffene ermutigen“, so Stadtländer weiter. Überraschend viele Frauen vermeiden es, von der Situation zu Hause zu berichten. Auf den Brötchentüten findet sich neben der Nummer des kostenlosen Hilfstelefons 08000/116016 auch die Internetadresse www.hilfetelefon.de. Dort erhalten Betroffene vielfältige Unterstützungsangebote – sozusagen eine erste Hilfe zur Selbsthilfe. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen vom Frauennotruf steht Stadtländer jederzeit als Ansprechpartnerin zur Verfügung.

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