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24 Stunden Husum: 16 bis 17 Uhr : Mit Argusaugen durch die Innenstadt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Mit hochmoderner Technik macht Armin H. in der Innenstadt Jagd auf potenzielle Ladendiebe – dabei ist seine stärkste Waffe immer noch der eigene Blick. In unserer Serie „24 Stunden Husum“ haben wir den Detektiv begleitet.

shz.de von
erstellt am 14.Sep.2013 | 17:00 Uhr

In der Serie „24 Stunden Husum“ begeben wir uns an die unterschiedlichsten Orte der Stadt – jeweils für eine Stunde. Heute Teil 12: Einem Detektiv in der Innenstadt über die Schulter geschaut.

 

Armin H. ist ein eher unauffälliger Mensch. Der 52-Jährige könnte so ziemlich jeden Beruf ausüben. Tut er aber nicht. H. ist Detektiv. Und ein sehr guter noch dazu. Nahezu täglich patrouilliert er durch Husums Innenstadt. Viele Geschäfte haben ihn als Schutz vor Dieben engagiert. Aber sein Arbeitgeber ist immer C. J. Schmidt. Das Unternehmen bietet die Dienste seines Detektivs auch anderen Geschäften in der Innenstadt an. Die Husumer Nachrichten haben Armin H. an einem ganz normalen Arbeitstag zwischen 16 und 17 Uhr begleitet.

Die Stunde beginnt mit einem Pausenkaffee in der Mitarbeiterkantine bei C. J. Schmidt. „Dazu komme ich nicht oft“, sagt der Detektiv schmunzelnd. Er ist fast immer auf den Beinen. Dabei hat sein Job aber auch so gar nichts mit den Jagden und Schlägereien der Kaufhausdetektive aus den Nachmittags-Serien im Trash-TV zu tun. „Damit wollen wir nichts zu tun haben“, sagt H. ernst. „Viele der Kollegen, die auf Erfolgsbasis bezahlt werden, müssen unbedingt Diebe schnappen. Da kommt es nicht selten vor, dass unschuldigen Kunden etwas untergeschoben wird.“ Armin H. bekommt auch deshalb keine Fangprämie.

„Momentan ist es sehr ruhig“, freut sich der schlanke Mann mit den grauen Haaren. „Oft ist es so, dass wochenlang gar nichts passiert“, erzählt er auf unserem Weg durch C. J. Schmidt. „Und dann kommen gleich zwei, drei dicke Brocken hintereinander.“ So wie vor einigen Wochen, als H. ein großer Fang gelang. Eine etwa 50-jährige Frau erwischte er auf frischer Tat. Neben der Diebesware fand die dazu gerufene Polizei in deren Tasche auch einen Seitenschneider und anderes Diebeswerkzeug. Wohl eine Professionelle. Die Ertappte wollte von Diebstahl freilich nichts wissen und beteuerte siegesgewiss, die Ware gekauft zu haben.

Nicht ahnen konnte sie, dass H. ihren Diebeszug auf Kamera hat. Sein Überwachungsnetz ist hoch professionell. „Ich kann in den Häusern mit modernster Technik aufnehmen. Wir haben winzige Kameras, die eine riesige Verkaufsfläche überblicken.“ Sagt’s und holt zum Beweis sein Handy raus, über das er sämtliche installierten Kameras beobachten kann. Doch seine stärkste Waffe ist immer noch der eigene Blick und die „Menschenkenntnis“.

Die Sache mit dem Blick birgt aber auch ein Risiko. „Ich darf den Verdächtigen niemals in die Augen schauen. Wenn’s doch passiert, ist es vorbei. Dann fühlen sie sich ertappt.“ Es ist mittlerweile kurz vor halb fünf und unser Weg führt zu einer Parfümerie am Markt. Auch sie gehört zum Kundenkreis des C.-J.-Schmidt-Detektivs. Drinnen ist nicht viel los. Während Armin H. von seinem Job erzählt, wandert sein Blick unablässig umher. Wohl eine Art Berufskrankheit.

Die Patrouille geht weiter Richtung Husumer Kaufhaus. Am Schmuckständer probieren zwei Mädchen Glitzerkram an. „Die Handtasche offen und über der rechten Schulter“, raunt H. Das ist auf den ersten Blick verdächtig. Statt in der Nähe stehen zu bleiben, fährt er mit der Rolltreppe in den ersten Stock. Von dort hat er einen perfekten Blick und der Standort ist unauffällig. Doch dieses Mal passiert nichts. Die zwei Jugendlichen wollten wohl doch nur einfach mal schauen.

Auf dem Weg zu einer der Video-Überwachungszentralen erzählt der Detektiv von seinen anderen Aufgaben. In regelmäßigen Schulungen warnt er die Mitarbeiter an den Kassen vor dem Geldwechseltrick. „Darauf kann jeder reinfallen, der nicht geschult ist. Und der Dieb ist jedes Mal um mindestens 150 Euro reicher.“

Die Videozentrale ist ein eher trister Raum. Doch die Technik begeistert. Hier durchforstet H. regelmäßig alle Aufnahmen seiner Kameras. Und nicht selten schaut auch die Polizei mal vorbei. Wie jüngst in einem Fall, in dem drei Einbrecher nachts auf ihrem Fluchtweg über den Parkplatz des City-Parkhauses geradewegs auf eine der von H. installierten Kameras zu rannten. In den selben Klamotten waren sie zwei Tage zuvor wohl auf Erkundungstour schon einmal dort vorbeigekommen. Der Kopf der Bande war der Polizei übrigens einschlägig bekannt. Die Beamten bedankten sich für die kollegiale Hilfe.

H. ist denn auch voll des Lobes über die Zusammenarbeit mit der Polizei. Nicht ganz so gut geht’s mit dem Ordnungsamt der Stadt. Zwar laufen genügend Mitarbeiter auf der Jagd nach Parksündern durch die Innenstadt, für die Kontrolle von organisierten Bettlerbanden bleibe da wohl vor allem sonnabends kein Personal mehr übrig, klagt der Detektiv und hofft auf Besserung. Denn ohne die Hilfe bleibt auch dieser Job oft an ihm hängen.

Kurz vor fünf klingelt dann doch noch das Telefon. Aber es ist nur ein Fehlalarm. Eine ganz normale Stunde im Leben von Armin H. ist ohne besondere Vorkommnisse vorübergegangen.

 

Teil 13 am Montag: Hier hat man keine Berührungsängste mit dem Tod.

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