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Circus Krone in Husum : Mit 200 Tieren und 400 Menschen

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Heute ist Premiere: Der Circus Krone gastiert auf dem Messegelände – und spielt im größten reisenden Zirkuszelt der Welt. Tierschützer beklagen Missstände bei der Haltung.

Noch liegt die riesige, in der blauen Hausfarbe des Circus Krone gehaltene Zeltkuppel flach auf dem Boden. „Das wird sich aber gleich ändern“, sagt Dr. Susanne Matzenau, die Sprecherin des Münchner Unternehmens, das von heute bis Mittwoch auf dem Messegelände gastiert. Während am vorherigen Spielort in Heide noch ein Nachkommando die Hinterlassenschaften wegräumt, sind in Husum bereits die Stallzelte für die 200 Tiere aufgestellt worden wie auch die Wohnstadt für die 400 Mitarbeiter. Und die Kuppel – nach Angaben von Susanne Matzenau das größte reisende Zirkuszelt der Welt – nimmt ebenfalls Gestalt an: „Drei Stunden brauchen die Arbeiter für den Aufbau“, sagt sie. „Das machen die 30 Mal pro Jahr, das übt natürlich.“

Während des Aufbaus haben Artisten und Tiere Pause. Während die Löwen in den Käfigen noch auf die Absicherung ihres Freigeländes warten, genießt Breitmaulnashorn-Bulle Tsavo bereits die ersten Sonnenstrahlen im Freien – nach vier Tagen Regenwetter in Heide. Der 3,5 Tonnen wiegende Vegetarier reist bereits seit einem halben Jahrzehnt mit dem Circus Krone mit und zieht sich nach ein paar Bissen vom saftigen Husumer Gras wieder in sein Vorzelt zum Schlafen zurück. „Wildtiere dösen 78 Prozent des Tages“, erläutert Matzenau. Und schwere Arbeit habe das Tier auch nicht zu verrichten: „Der geht nur einmal in der Manege im Kreis und steigt dann auf ein niedriges Podest. Tsavo wirkt einfach durch seine kraftvolle Erscheinung, als tierische Urgewalt.“

Wie auch die Elefanten, die in ihrem 48 Meter langen und zehn Meter breiten Zelt darauf warten, dass sie ins Freigehege dürfen, wo ein Schubberbaum und Holzstücke zum Herumrollen bereit stehen. „Wir haben gleich zwei Elefantenställe: Einer wird immer schon vorweg am neuen Spielort aufgebaut, damit die Tiere nach der Ankunft nicht lange im Transporter stehen müssen“, erläutert Matzenau. Und die Pferde hätten zusätzlich zum 100 Meter langen und zwölf Meter breiten Stallzelt Außenboxen. „Schöner ist es natürlich, wenn wir eine Koppel haben, wo sie laufen können. Oft bekommen wir eine von Bauern in der Umgebung gestellt.“ Wenn keine Grünfläche nutzbar sei wie auf dem Marktplatz in Heide, werde mit einer Führanlage für Bewegung gesorgt. Ein drittes Stallzelt von 40 Metern Länge und acht Meter Breite ist den „Exoten“ – Kamelen, Zebras und Eseln – vorbehalten. „Das ist sozusagen Serengeti in Husum.“

Dass es den Tieren im Circus Krone gut geht, davon ist Susanne Matzenau überzeugt. Die Vorwürfe der Tierrechtsorganisation Peta (siehe rechts) sind für sie haltlos: „Wir sind doch die echten Tierschützer, denn wir wissen doch am besten, was die Tiere in unserer Obhut brauchen“, sagt sie. Zirkus habe halt keine Lobby, und die Tierrechtsorganisation habe sich die Zirkustiere als Speerspitze für ihre Aktionen ausgesucht. Auch die vor einigen Jahren gestartete Bundesrats-Initiative für ein Wildtierverbot im Zirkus ist für sie nur „Populismus“: „Das wurde vom damaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch angestoßen – und Hessen war dann das erste Bundesland, das den Vorstoß für größere Legehennenställe abgelehnt hat.“ Dressuren würden ohnehin nur mit Futter als Lockmittel funktionieren: „Die Löwen haben doch gar keine Angst vor dem Peitschenknall, die zucken nicht einmal zusammen. Da ist auch viel Show-Effekt dabei.“

Die Besucher könnten sich selbst ein Bild von der Tierhaltung im Circus Krone machen, so die Sprecherin weiter – bei den öffentlichen Dressurproben und beim Besuch des Zoos, der am heutigen Premieren-Tag von 10 bis 13 Uhr sogar kostenlos geöffnet ist und ansonsten täglich ab 10 Uhr bis zur zweiten Vorstellung. Allerdings scheint die Angst vor unbotmäßigen Bildern bei Krone groß zu sein: An den Gattern der Wildtierställe hängen Schilder, die darauf hinweisen, dass dort nicht nur Rauchen verboten ist, sondern auch Fotografieren und Filmen.

Susanne Matzenau ist sich aber sicher, dass die Zuschauer trotzdem in Scharen kommen werden: „Während der vier Tage in Heide hatten wir 22.000 Besucher in den Vorstellungen und im Zoo.“ Und nicht zuletzt sei der Aufenthalt des Circus Krone ja auch ein wirtschaftlicher Faktor für die Storm-Stadt: „Für unsere Tiere benötigen wir unter anderem 1000 Kilogramm Fleisch, 500 Kilogramm Fisch und 400 Kilogramm Äpfel und Möhren pro Woche, dazu noch dreieinhalb Tonnen Stroh. Und der Zirkus verbraucht 20.000 Liter Wasser pro Tag.“

Zur festlichen Abendpremiere heute um 20 Uhr sorgen die 25 Spielleute des Feuerwehr-Musikzugs Viöl unter Leitung von Frank Jensen während des Einlasses mit fröhlich-beschwingten Melodien für Stimmung und gute Laune. Vorstellungen gibt es heute, Montag und Dienstag um 15.30 und 20 Uhr, morgen um 14 und 18 Uhr und am Mittwoch – dem letzten Gastspieltag – nur um 15.30 Uhr. Karten sind in der Geschäftsstelle der Husumer Nachrichten am Markt 23, an den bekannten Vorverkaufsstellen, der Zirkuskasse selbst und unter der Hotline 01805/247287 erhältlich.

 

Tierschützer beklagen Missstände

Wegen der Erteilung der Spielgenehmigung für den Circus Krone hat die Tierrechtsorganisation Peta in Stuttgart scharfe Kritik an der Husumer Verwaltung geübt. „Krone hat fortlaufend zahlreiche amtlich festgestellte Tierschutzverstöße begangen“, so Peta-Sprecher Peter Höffken. Veterinärbehörden und Staatsanwaltschaften hätten wiederholt gravierende Missstände bei der Tierhaltung bemängelt. Darin sei zum Beispiel von „erheblichen Leiden“ der Pferde die Rede, und bei den Elefanten seien „deutliche Haltungsmängel und Verhaltensstörungen“ nachgewiesen worden. „Als Tierquälerei werten wir zudem die bei Krone übliche Praxis, die Elefanten jede Nacht im Stallzelt an zwei Beinen zu fixieren. Leider ist das gemäß den knapp 20 Jahre alten Zirkusleitlinien noch erlaubt.“

Peta ist grundsätzlich gegen Tiere im Zirkus. „Sowohl die Bundestierärztekammer als auch der Bundesrat sprechen sich für ein Verbot von Wildtieren im Zirkus aus, ebenso die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland“, so Höffken weiter. „Und 18 europäische Länder haben schon bestimmte oder alle Tierarten im Zirkus verboten.“ Daher habe sich Peta auch an die Fraktionen in der Husumer Stadtvertretung gewandt mit dem Appell, ein kommunales Zirkus-Wildtierverbot zu beschließen.

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erstellt am 01.Aug.2015 | 08:00 Uhr

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