Mehr Vogelschutz : Minister hatte schweren Stand

Christian von Boetticher <mbu />verteidigte die Nachmeldung. (wis)
Christian von Boetticher verteidigte die Nachmeldung. (wis)

Der Umweltminister hatte keinen leichten Stand auf Eiderstedt: Dr. Christian von Boetticher sagte Landwirten, warum das EU-Vogelschutzgebiet nun doch größer werden muss - und erntete Unmut.

shz.de von
27. Juni 2008, 07:54 Uhr

Tetenbüll | Enttäuschung, Unmut und Verbitterung prägten die Stimmung unter den Besuchern einer Veranstaltung, zu der Schleswig-Holsteins Umweltminister Dr. Christian von Boetticher (CDU) erschienen war. Eingeladen hatte der Kreisbauernverband Husum-Eiderstedt, dessen Vorsitzender Hans Friedrichs die Versammlung im "Kirchspielskrug" leitete.

Der Saal füllte sich schnell mit gut 200 Interessierten, die meisten davon Landwirte; sie alle wollten vom Minister hören, welche Konsequenzen die Erweiterung des Vogelschutzgebietes auf der Halbinsel von etwa 2800 Hektar auf nunmehr rund 7000 Hektar (wir berichteten) haben wird.

Der Minister erläuterte zunächst, wie es zu der Nachmeldung gekommen ist und verteidigte den "Kompromiss, der geschlossen werden musste, da die von der EU ursprünglich geforderten 13.000 Hektar vom Europäischen Gerichtshof als rechtens erkannt werden könnten". Zudem sei die bisher geplante Vogelschutz-Kulisse "variabel" - man müsse nur das "Kern-Grüngebiet" einhalten.
Höhnisches Gelächter
Hans Friedrichsen forderte eine "Lockerung des Vergrämungs-Verbots", um Nachteile für Milchvieh-Betriebe zu vermeiden. Als unter den "prioritär zu schützenden Arten" wie Trauerseeschwalbe, Uferschnepfe und Kiebitz auch die Nonnengans genannt wurde, folgte höhnisches Gelächter. Denn kurz zuvor hatte der Minister bekannt gegeben, dass sich auf Eiderstedt rund 300.000 dieser Wildgänse tummeln - im Gegensatz zu früheren Zeiten, als gerade mal 25.000 Exemplare gezählt wurden. Allerdings, so von Boetticher, habe das nichts mit dem Vogelschutzgebiet zu tun, sondern es handele sich eher um eine Art "globale Entwicklung".

Der Gänsefraß stellt für die Bauern ein großes Problem dar, und laut EU-Verordnung sind Entschädigungen dafür nicht zulässig. Minister von Boetticher: "Wir arbeiten an verschie-denen Möglichkeiten. Doch am Ende hilft wohl nur eine Ausgleichszahlung." In den einzelnen Diskussionsbeiträgen wurde deutlich, wie tief die Enttäuschung über die Nachmeldung sitzt. So wurde Christian von Boetticher vorgeworfen: "Sie haben versprochen, uns mitnehmen zu wollen, das aber nicht gehalten" - auch von "Bruch der zugesagten Transparenz" war die Rede und gipfelte in der Aussage "Die Landwirte und Wiesenvögel bleiben jetzt auf der Strecke".
12.000 Hektar weniger nach Brüssel gemeldet

Minister von Boetticher, der nach eigenen Worten "darauf angewiesen ist, dass die Landwirte mitmachen", konnte die Missstimmung nur wenig dämpfen. Auch seine Ankündigung, über eine "Bereitstellung von Flächen außendeichs" nachzudenken, half da nicht viel. Denn das derzeitige "Umbruch-Verbot" (das Umwandeln von Grün- in Ackerland) hatte für Unmut gesorgt ("Schweinerei"), und dass im Vogelschutzgebiet auch ein Drainage-Verbot bestehen wird, stieß auf absolutes Unverständnis: "Wenn ich eine neue Fläche nutzen möchte, muss ich drainieren", erklärte ein Landwirt, "und wenn ich das nicht darf, kann ich sie auch nicht nutzen." Die Landwirte warfen Politik und Verwaltung "Versagen" vor, denn manche Teilnehmer empfanden die Brüsseler Richtlinien und ihre Durchsetzung als "Diktatur". Minister von Boetticher dagegen verteidigte sich: "Unsere Politik hat dazu geführt, dass 12.000 Hektar weniger als Vogelschutzgebiet nach Brüssel gemeldet worden sind."

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