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Investition in Nordstrander Damm : Millionen Euro für den Klimadeich

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Gemeinde Wobbenbüll investiert 4,5 Millionen Euro in die Sanierung und verstärkt den Nordstrander Damm. Die Anwohner befürchten allerdings eine zu große Belastung der Dorfstraße.

Nach vierjähriger Planungsphase starten nun am Geest- Rücken südlich von Wobbenbüll die Baumaßnahmen für die Deichverstärkung am Nordstrander Damm. Daher trommelte nun Bürgermeister Reinhold Schaer seine Gemeinde zusammen, um den Bürgern noch einmal die Gelegenheit zu geben, sich von Ines Koslowski und Frank Barten vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) über die geplanten Abläufe informieren zu lassen und ihre dringlichsten Fragen zu stellen.

Zur Einstimmung erinnerte Schaer an ein ähnlich großes Jahrhundertprojekt, das die Gemeinde vor exakt 83 Jahren zu stemmen hatte: den Bau des Nordstrander Dammes im Jahr 1933. Der damals extrem umfangreiche Bodenaushub sei noch heute am Wobbenbüller Schacht deutlich zu erkennen, sagte der Gemeinde-Chef, und verwies darauf, dass auch die beginnende Deichverstärkung das Landschaftsbild rund um Wobbenbüll verändern wird. Andererseits, so betonte der Bürgermeister, sei diese rund viereinhalb Millionen Euro teure Maßnahme nahezu alternativlos, wolle man das Dorf und erst recht die Bewohner der Hattstedter Marsch nachhaltig vor dem Blanken Hans schützen.

„Sollte der Damm brechen, sind die 1200 Marschbewohner den Fluten nahezu schutzlos ausgeliefert“, mahnte auch Frank Barten mit Blick auf aktuelle Prognosen, die bis zum Jahr 2100 einen Meeresspiegelanstieg von 0,5 bis 1,4 Meter voraussagen. Grundlage für diese Berechnungen und die daraus resultierenden Pläne sei der Generalplan Küstenschutz in der Fortschreibung 2012, der einen Klimadeich erforderlich mache. Und der sei nicht nur etwas anders aufgebaut als der alte Deich, er erhält zudem zusätzlich auf der fünf Meter breiten Deichkrone für den Fall der Fälle eine schnell umsetzbare Baureserve. „Damit bekommen wir hier ein hochmodernes Bauwerk, das für die nächsten 100 Jahre einen vernünftigen Hochwasserschutz gewährleistet“, so Barten.

Die Details zum Bauvorhaben überließ er Projektleiterin Ines Koslowski. Anhand von Skizzen erläuterte sie die kurzfristig notwendige Umfahrung der Baustelle während der Herstellung des Stöpenbauwerks und den ebenfalls vorübergehenden Wegfall des Radweges, wodurch die Radfahrer für eine Weile auf die Straße verbannt werden. Schon darin sahen manche eine große Gefahr. So richtig laut aber wurde der Protest, als klar wurde, dass künftig täglich bis zu 100 Lastwagen von Hattstedt kommend durch das Dorf fahren werden, um Füllboden anzuliefern.

Den Hinweis, dass die Straßendecke danach erneuert werde, ließ Bürgermeister Reinhold Schaer nicht gelten: „Unsere Dorfstraße ist grundsätzlich nicht breit genug für den Begegnungsverkehr großer Fahrzeuge“, so sein Einwand. Einer der Lastwagen werde immer auf den Gehweg ausweichen müssen. Abgesehen davon, dass solche Manöver für Fußgänger, Radfahrer und besonders für Kinder extrem gefährlich werden könnten, sei die Gemeinde Baulastträger der Gehwege. „Das heißt, dass wir für die spätere Instandsetzung aufkommen müssten“, machte Schaer deutlich und erneuerte seine schon früher im Verfahren geäußerte und bisher von Behördenseite ignorierte Forderung: Vor Beginn der Baumaßnahmen müsse gewährleistet sein, dass der Zustand der Gehwege in einer Bestandsaufnahme festgehalten wird. Spätere Reparaturen dürften nicht zu Lasten der Gemeinde gehen.

In diesem Zusammenhang forderten mehrere Bürger, nicht nur im Baustellenbereich Tempo 30 anzuordnen, sondern die Geschwindigkeitsbeschränkung auf die gesamte Dorfstraße auszuweiten. Zwar löse eine Tempo-30-Zone nicht das grundsätzliche Problem des Begegnungsverkehrs, zumindest aber ließe sich durch das gemäßigte Tempo die Gefährdung ebenso reduzieren wie das Ausmaß der zu erwartenden Schäden an den Gehwegen.

Beriefen sich die beiden LKN-Mitarbeiter zu Beginn der Diskussion noch darauf, dass die Einwände in dieser Phase des Bauprojektes nicht mehr zulässig seien und Straßen grundsätzlich nur gemäß ihrer Zulassung genutzt würden, so signalisierten sie am Ende Gesprächsbereitschaft – zumindest hinsichtlich der Ist-Aufnahme bei den Gehwegen. Bei allen anderen Befürchtungen empfahl Barten abzuwarten, wie sich die Situation tatsächlich entwickelt und dann gegebenenfalls kurzfristig zu reagieren. „Das Material muss zur Baustelle, und wir können es nicht hinfliegen“, warb er um das Verständnis der Bürger in der vergleichsweise kurzen Bauphase: Im November werden diverse Arbeiten bereits abgeschlossen sein, im August 2017 soll alles fertig sein – so der Zeitplan.

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